{"id":42,"date":"2014-01-06T10:20:10","date_gmt":"2014-01-06T10:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/kunst-ist-auch-ein-forschungsprojekt\/"},"modified":"2014-01-06T10:20:10","modified_gmt":"2014-01-06T10:20:10","slug":"kunst-ist-auch-ein-forschungsprojekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/kunst-ist-auch-ein-forschungsprojekt\/","title":{"rendered":"Kunst ist auch ein Forschungsprojekt"},"content":{"rendered":"<p>12.09.2006<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Transdisziplin\u00e4re Projekte sind ein wichtiges Anliegen des zeitgen\u00f6ssischen Kunstschaffens. Allerdings ergeben sie sich in der Regel nicht von selber, sonden m\u00fcssen explizit angeregt und organisiert werden. Dieser Einsicht verdankt sich die Gr\u00fcndung des transdisziplin\u00e4ren Instituts Y an der Hochschule der K\u00fcnste Bern.<\/strong><\/p>\n<p> <em><strong>Codex flores:<\/strong> Sie sind an der Hochschule der K\u00fcnste Bern, einem Departement der Berner Fachochschule, Leiter des transdisziplin\u00e4ren Instituts Y. K\u00f6nnen Sie erkl\u00e4ren, welche Idee hinter der Abteilung mit dem kryptischen Buchstaben steckt?<\/em><br \/> <strong>Florian Dombois:<\/strong> Mit der Fusion der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater und der Hochschule f\u00fcr Kunst ist das Institut speziell f\u00fcr den Austausch zwischen den Disziplinen geschaffen worden &#8211; mit drei Aufgaben: Es organisiert zum ersten Lehrveranstaltungen, in denen sich Studierende aller Gebiete treffen, also der Musik, des Theaters, der bildenden K\u00fcnste und der Konservierung. Ein zweites Feld ist das sogenannte Y-Studium: K\u00fcnstlerische Pers\u00f6nlichkeiten, die sich in Medien ausdr\u00fccken, f\u00fcr die kein eigenes Studium existiert &#8211; zum Beispiel Video-Jockeys -, k\u00f6nnen da ihren individuellen Weg gehen. Mit ihnen wird vor jedem Semester neu ausgehandelt, welche Kurse jeweils zu besuchen sind. Dabei sind Kombinationen wie elektronische Geh\u00f6rbildung, Harmonielehre, Kompositionsunterricht, Videounterricht, Videoschnitt und ein Mentorat in der bildenden Kunst oder \u00e4hnliches m\u00f6glich. Den Status von Y-Studierenden haben pro Semester nur wenige, bisher waren es ein bis drei Absolventen. Ihre Betreuung ist recht aufwendig.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Institut f\u00fcr Transdisziplinarit\u00e4t der HKB:<br \/><a href=\"http:\/\/www.hkb.bfh.ch\/y.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.hkb.bfh.ch\/y.html<\/a><\/p>\n<p> In der Kunsthalle Bern findet zur Zeit die Ausstellung<br \/> \u00abPre-Emptive\u00bb, unter anderem mit Werken<br \/> von Florian Dombois, statt:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.kunsthalle-bern.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.kunsthalle-bern.ch<\/a><\/p>\n<p><\/span> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <em>Und der dritte Bereich?<\/em><br \/> Der dritte Bereich betrifft die Idee von \u00abKunst als Forschung\u00bb, wie ich das nenne. Meines Erachtens ist die Idee des Forschens ein Ansatz, unter dem man die K\u00fcnste gut zusammendenken kann.<\/p>\n<p> <em>Gibt es Vergleichbares an andern deutschsprachigen Hochschulen?<\/em><br \/> Es gibt da und dort die Idee des Studium Generale, das nennt sich dann \u00abForum\u00bb oder so \u00e4hnlich. Da wird meist versucht, Theorie und Praxis in Verbindung zu bringen. Kunst und Wissenschaft werden aber eher selten verbunden. In Berlin gibt es eine Universit\u00e4t der K\u00fcnste, in der sich die Fachgebiete wegen der Gr\u00f6sse des Betriebes allerdings, so weit ich weiss, nur wenig austauschen. Bern hat als erste Schweizer Stadt die k\u00fcnstlerischen Fachhochschulen 2003 zusammengef\u00fchrt. Z\u00fcrich wird n\u00e4chstes Jahr folgen. Gerade weil Bern schon ziemlich weit entwickelt und auch weil es klein ist, hat es meines Erachtens eine gute Chance. Wir kennen uns alle untereinander so gut, dass die Wege sehr kurz sind.<\/p>\n<p> <em>Birgt eine solche famili\u00e4re Atmosph\u00e4re nicht auch die Gefahr des Klientelismus in sich?<\/em><br \/> Klar gibt es diese Gefahr. Es braucht aber auch Leute, die sich engagieren und zusammenarbeiten wollen. Die kooperative Stimmung, die in Bern herrscht, erlebe ich als einzigartig.<\/p>\n<p> <em>Es fragt sich einfach, ob man dann von aussen neues reinl\u00e4sst oder ob man sich abschottet.<\/em><br \/> Es weht immer wieder frischer Wind durch das Haus: In der Forschung haben wir ein relativ starkes Wachstum. Zudem stehen bereits wieder neue Umstrukturierungen an. Der Studiengang der visuellen Kommunikation bekommt eine neue Leitung, wir haben das schweizweit ausstrahlende Literaturinstitut neu gegr\u00fcndet, das ab diesem Herbst einen Studiengang in kreativem Schreiben anbietet. Demn\u00e4chst werden das Theater und die Oper fusioniert. Da ist schon einiges in Bewegung.<\/p>\n<p> <em>Wie ist das Verh\u00e4ltnis von Fachhochschule und Universit\u00e4t?<\/em><br \/> In Sachen Musik- und Theaterwissenschaft haben wir ein Generalabkommen mit der Universit\u00e4t Bern. Unsere Studierenden k\u00f6nnen dort Veranstaltungen besuchen. Im bildnerischen Gestalten zum Beispiel wird sogar die H\u00e4lfte des Studiums an der Universit\u00e4t absolviert. Und ab diesem Herbst werden Studierende der Universit\u00e4t auch im Y-Institut Vorlesungen und Projekte besuchen. Die Zusammenarbeit ist eigentlich sehr gut.<\/p>\n<p> <em>Sie sind ein geb\u00fcrtiger Berliner und haben auch in der deutschen Hauptstadt studiert. Wie erleben sie das akademische Klima in der Schweiz?<\/em><br \/> Im Hinblick auf die Kunstausbildung gibt es einen fundamentalen Unterschied: In Deutschland wird \u00fcberwiegend ein Meister-Sch\u00fcler-Modell im Geiste des 19. Jahrhunderts praktiziert. Da gibt es die international bekannten Professoren als die grossen \u00dcberflieger. In der Schweiz achtet man nicht so sehr auf Ber\u00fchmtheit, sondern eher darauf, ob ein Lehrender mit den Studierenden gut arbeiten kann, und ob er oder sie interessante Positionen vertritt. Man hat hier oft auch mehrere Dozierende. Wenn ich Kunst studieren w\u00fcrde, w\u00fcrde ich das eher in der Schweiz tun.<\/p>\n<p> <em>Deutschland bietet aber sicher mehr M\u00f6glichkeiten.<\/em><br \/> In Deutschland h\u00e4ngt die Pr\u00e4senz eines Professors auch von dessen Goodwill ab, w\u00e4hrend in der Schweiz klar festgelegt ist, wie oft ein Dozierender f\u00fcr seine Studierenden pr\u00e4sent sein muss. Zudem sind die Infrastrukturen in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland hervorragend.<\/p>\n<p> <strong>Die Idee von \u00abKunst als Forschung\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> <em>Sie haben den dritten Bereich des Y-Instituts, die Kunst als Forschung, erw\u00e4hnt. K\u00f6nnen Sie dazu mehr sagen?<\/em><br \/> Die Schweizer bringen der Kunst als Forschung viel Verst\u00e4ndnis entgegen. Es ist eine grosse Chance, dass hierzulande so etwas wie k\u00fcnstlerische Forschung \u00fcberhaupt zugelassen wird. Da arbeiten wir unter anderem auch direkt mit der Universit\u00e4t zusammen. Wir haben Projekte mit der ETH Z\u00fcrich und dem Schweizer Erdbebendienst, aber auch mit der Psychiatrischen Universit\u00e4tsklinik.<\/p>\n<p> <em>Mit der Psychiatrie?<\/em><br \/> Wir arbeiten in Sachen akustischer Umsetzung &#8211; sogenannten Sonifikationen &#8211; von EEG-Messungen zusammen und schauen, ob \u00fcber eine Verklanglichung der Daten Strukturen in den Gehirnstr\u00f6men erkennbar werden, die bisher \u00fcbersehen wurden. Das Projekt nennt sich \u00abDenkger\u00e4usche\u00bb und versucht, die akustische Metapher f\u00fcr das Denken fruchtbar zu machen. Es gibt ein paar wenige Gruppen weltweit, die ebenfalls diese Art Daten sonifizieren und mit denen wir zusammenarbeiten, aber im Gros der EEG-Forschung ist das absolut nicht \u00fcblich. Auf jeden Fall ist die akustische Erfahrung der Daten eine grunds\u00e4tzlich andere als die visuelle. Es werden andere Aspekte deutlich als in der Visualisierung.<\/p>\n<p> <em>Und so etwas funktioniert?<\/em><br \/> Wir haben in EEG zum Beispiel harmonische Kl\u00e4nge entdeckt und festgestellt, dass eine Person, die Blitzlichtern ausgesetzt wird, im Gehirn Reaktionen in den gleichen Frequenzen wie die Blitzlichtfolgen zeigt. Wenn wir solche Abfolgen mit einer Frequenz von zehn, zwanzig und vierzig Hertz pr\u00e4sentieren, dann h\u00f6rt man auch im EEG Oktaven. Im Wellenbild werden solche Ph\u00e4nomene \u00fcbersehen.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"160\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> \u00abDie Wissenschaften haben sich in der Art und Weise, wie sie Wissen formulieren, extrem beschr\u00e4nkt.\u00bb <\/strong><\/span><\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2006\/060911dombois2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <em>Wie muss man derartige Beobachtungen einsch\u00e4tzen?<\/em><br \/> Jede Erkenntnis &#8211; davon gehe ich immer aus &#8211; h\u00e4ngt von der Art und Weise ab, wie sie formuliert wird. Die Wissenschaften haben sich in der Art und Weise, wie sie Wissen formulieren, nun extrem beschr\u00e4nkt. Besonders in den Naturwissenschaften ist die Pr\u00e4sentation von Forschungsergebnissen extrem kodifiziert. Ein wissenschaftlicher Artikel ist vom Schriftsatz bis zur Buchstabengr\u00f6sse genau festgelegt, und es gibt bloss eine bestimmte, genau definierte Klasse von Bildern, die als Argumente beigezogen werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p> <em>Normierung ist eine unerl\u00e4ssliche Voraussetzung f\u00fcr einen intersubjektiven Dialog.<\/em><br \/> Nat\u00fcrlich. Dennoch bin ich der Meinung, dass sich Wissen auch in andern Medien formuliert oder sich manches gar nur dort formulieren l\u00e4sst, und dass diese anderen Medien einzigartige Erkenntnisse erm\u00f6glichen. Kl\u00e4nge, Bildern, sogar dreidimensionale Objekte k\u00f6nnen Wissenstr\u00e4ger sein. Das sind Mittel, mit denen in der normalen Wissenschaft nicht oder nur im Durchgangsstadium gearbeitet wird. Ich glaube zwar nicht, dass man jedes Kunstwerk als Forschung bezeichnen kann. Viele K\u00fcnstler verstehen sich aber als Forschende und setzen sich mit etwas auseinander, das sie darstellen wollen. Nehmen wir als Beispiel ein gemaltes Portr\u00e4t. Was ist das eigentlich? Es ist ein Versuch, den Charakter eines Menschen auf den Punkt zu bringen. Das ist.auch eine Form der Untersuchung, denn ein gutes Portr\u00e4t zeigt nicht nur die Oberfl\u00e4che eines Menschen, wie man sie sieht, sondern auch dessen Inneres.<\/p>\n<p> <em>In der Regel sagt ein Bild mehr \u00fcber den K\u00fcnstler aus, der es gemalt hat, als \u00fcber das Motiv.<\/em><br \/> Aber nicht nur, oder? Ausserdem, die Zeichnung wirkt zur\u00fcck. Jede Erkenntnisformulierung ist auch eine Setzung &#8211; das ist mir wichtig -, die selbst wieder zum Spielball in der Welt wird. In dem Moment ist nat\u00fcrlich auch die Pers\u00f6nlichkeit des K\u00fcnstlers da drin. Interessanterweise hat man in der Wissenschaftstheorie \u00fcbrigens genau diese Aspekte in den letzten Jahren ebenfalls verst\u00e4rkt freigelegt. Auch wissenschaftliche Texte sind von ihren Autoren oder von den Epochen gepr\u00e4gt, in denen sie verfasst werden. Geschichtsschreibung ist das sch\u00f6nste Beispiel: Jede Geschichtsschreibung schreibt ihren eigenen Entwurf in die Vergangenheit hinein. Sprich: Es gibt so etwas wie Stilepochen der Erkenntnis, so wie es Stilepochen der K\u00fcnste gibt.<\/p>\n<p> <em>Erkenntnis ist relativ?<\/em><br \/> Reine Objektivit\u00e4t ist f\u00fcr mich eine Illusion. Es gilt deshalb, den richtigen Umgang mit der Subjektivit\u00e4t zu finden. Da finde ich die Kunst interessant, weil sie eine Form entwickelt hat, diese Subjektivit\u00e4t zu zeigen und gleichzeitig zu destruieren. Es findet in der Kunst so eine Art Selbstaufhebung statt, die man mitlesen kann, wenn man die k\u00fcnstlerische Arbeit anschaut. Ich finde, so \u00e4hnlich m\u00fcssten die Wissenschaftler ihre Arbeiten auch lesbar halten.<\/p>\n<p> <strong>Erdebeben als Paradigma differenzierter Betrachtung<\/strong><\/p>\n<p> <em>Sie haben diese umfassenderen Formen der Beschreibung in Ihrer Dissertation am Ph\u00e4nomen Erdbeben durchgespielt.<\/em><br \/> Ich habe eine Faszination f\u00fcr diese tektonische Aktivit\u00e4t und die st\u00e4ndige Bewegung, in der sich die Erde befindet. Ich bin auch von den Messger\u00e4ten fasziniert, mit denen das wahrgenommen wird.<\/p>\n<p> <em>Woher kommt diese Faszination?<\/em><br \/> Kann man Faszinationen herleiten? Nein, im Ernst: Mich bewegt halt, dass etwas, was scheinbar ruht, st\u00e4ndig in Bewegung ist, dass etwas scheinbar Unverr\u00fcckbares eben gerade instabil ist. Ich habe auch eine grosse Faszination f\u00fcr die Geomorphologie, also die Art, wie Landschaften geformt sind. Das hat mit Gesteinsmaterialien, aber auch mit der tektonischen Bewegung zu tun, mit der Auft\u00fcrmung von Gebirgen, mit Abtragungsprozessen und so weiter. Die Ausl\u00f6ser f\u00fcr diese Faszination verfl\u00fcchtigen sich, wenn ich mich mit wissenschaftlichen Artikeln zur Geophysik besch\u00e4ftige. Im wissenschaftlichen Artikel wird der Untersuchungsgegenstand v\u00f6llig reduziert. Deswegen habe ich angefangen, mich mit andern Medien, mit andern Ausdrucksformen f\u00fcr diese Ph\u00e4nome auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p> <em>Die Erweiterung der Methoden kann uns subjektiv helfen, ein besseres Verh\u00e4ltnis zu einer Erfahrung zu bekommen. Man bleibt im wissenschaftlichen Prozess damit aber in einem vortheoretischen Stadium. Solche \u00abBilder\u00bb k\u00f6nnen uns helfen, eine bessere intuitive Vorstellung eines Sachverhaltes zu haben, um schliesslich eine griffigere Theorie entwickeln zu k\u00f6nnen. Aber auf diese kommt es letztlich an.<\/em><br \/> Man muss mit Blick auf eine solche Unterscheidung Vorsicht walten lassen. Nat\u00fcrlich behandeln Wissenschaft und Forschung ein Wissen, das sich vermitteln l\u00e4sst. Wenn ich bloss f\u00fcr mich Erkenntnisse gewinne und diese nicht transportieren kann, dann sind sie f\u00fcr die Forschung irrelevant. Das heisst aber nicht, dass die wissenschaftliche Forschung nicht ohne die pers\u00f6nliche sinnliche Erfahrung auskommt.<\/p>\n<p> <em>Inwiefern?<\/em><br \/> Es braucht ein grosses Training, um zum Beispiel eine wissenschaftliche Grafik lesen und ihre Plausibilit\u00e4t beurteilen zu k\u00f6nnen. Das ist \u00dcbungssache. Und: Die Erfahrung muss jeder Einzelne trotzdem noch selber machen. Weil wir die Dinge gerne in subjektive und objektive trennen und nur die objektiven verhandeln wollen, kehren wir unter den Tisch, dass es in den Wissenschaften einen nat\u00fcrlichen Erfahrungshorizont gibt.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"204\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2006\/060911dombois3.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> \u00abKl\u00e4nge k\u00f6nnen genausogut reproduzierbare Erfahrungen und damit Argumente wiedergeben wie Grafiken.\u00bb <\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <em>Es gibt das klare Kriterium des reproduzierbaren Experimentes als Kriterium von Wissenschaftlichkeit.<\/em><br \/> Und was spricht hier dagegen, etwa mit Kl\u00e4ngen zu arbeiten? Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, mich mit Sonifikation zu besch\u00e4ftigen, haben mir viele Kollegen aus der Seismologie vorgeworfen, den Boden der Objektivit\u00e4t zu verlassen. Ich brauche nat\u00fcrlich auch in der Sonifikation Beispiele, die so deutlich unterscheidbar sind, dass jeder andere mir zustimmt. Aber Kl\u00e4nge k\u00f6nnen genausogut reproduzierbare Erfahrungen und damit Argumente wiedergeben wie Grafiken.<\/p>\n<p> <em>Das Ideal bleiben also eindeutige und intersubjektiv nachvollziehbare Erfahrungen.<\/em><br \/> Es gibt Dinge, die sind schwieriger anzuzweifeln als andere, aber selbst in der harten Disziplin der Physik gibt es viele F\u00e4lle, in denen die Befunde nicht immer eindeutig sind. Und so geht das graduell weiter runter, und es gibt vermutlich Beispiele, wo wissenschaftliche Resultate mehr zur Ansichtssache werden als die Bedeutung von Kunstwerken. Es gibt Arbeiten in der Kunst, wo man sich wirklich einig ist, dass sie eine extrem wichtige Einsicht verk\u00f6rpern. Und dann gibt es F\u00e4lle, wo es sich immer mehr verwischt. Ich glaube, dass man diese Idee von Objektivit\u00e4t versus Subjektivit\u00e4t ein bisschen beiseite schieben und sich daran nicht allzusehr festbeissen sollte.<\/p>\n<p> <em>Untersch\u00e4tzen sie die Wissenschaftler nicht, wenn Sie ihnen eine allzu eingeschr\u00e4nkte Sprache attestieren? Die Wissenschaftstheoretiker w\u00fcrden mit guten Gr\u00fcnden sagen, das pers\u00f6nliche Vorstellungsverm\u00f6gen sei f\u00fcr die Wissenschaft irrelevant.<\/em><br \/> Da haben sie sicher recht, man darf nicht zu sehr pauschalisieren. Aber die Aufmerksamkeit f\u00fcr die Form der Darstellung ist in der Praxis in den Naturwissenschaften in der Regel sehr niedrig. In den Geisteswissenschaften ist sie schon h\u00f6her. In den K\u00fcnsten ist sie noch h\u00f6her. Ich finde, den Anspruch, den die K\u00fcnste an die Darstellungsformen haben, sollten sich die Wissenschaftler auch zu eigen machen. Eben weil die Darstellungsform meines Erachtens in die Welt zur\u00fcck wirkt.<\/p>\n<p> <em>Da springen die K\u00fcnstler in die L\u00fccke?<\/em><br \/> Naja, L\u00fcckenb\u00fcsser w\u00fcrde ich nicht sagen. Eher: Kein Symbolsystem kann die ganze Welt erkl\u00e4ren. Mich interessiert deshalb, wie eine Konkurrenz der Symbolsysteme installiert werden kann. Da spielen die K\u00fcnste die entscheidende Rolle, unter anderem, weil viele Symbolsysteme heute nur noch durch sie behandelt werden und gar nicht mehr durch die Wissenschaft. Und, wenn ich das hier noch loswerden darf: F\u00fcr mich ist die Wissenschaft wie eine ungezogene Tochter der Kunst. Von L\u00fcckenb\u00fcsserei kann also nicht die Rede sein. Eher von Ermahnung&#8230;<\/p>\n<p> <em>Wie sehen Sie die Zukunft des Y-Instituts?<\/em><br \/> Er wird hoffentlich weiter wachsen. Der Austausch und die Formate bew\u00e4hren sich. Die Bewerbungen f\u00fcr das Y-Studium sind bis jetzt von Internen gekommen, inzwischen haben wir auch Anfragen von Externen. Ich hoffe, es spricht sich noch mehr herum, dass man hier eine ziemlich einmalige Gelegenheit f\u00fcr eine transdisziplin\u00e4re Ausbildung geboten bekommt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.09.2006 Transdisziplin\u00e4re Projekte sind ein wichtiges Anliegen des zeitgen\u00f6ssischen Kunstschaffens. 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