{"id":420,"date":"2014-01-11T09:43:23","date_gmt":"2014-01-11T09:43:23","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-wirtschaft-ii-unternehmertum\/"},"modified":"2014-01-11T09:43:23","modified_gmt":"2014-01-11T09:43:23","slug":"kultur-und-wirtschaft-ii-unternehmertum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-wirtschaft-ii-unternehmertum\/","title":{"rendered":"Kultur und Wirtschaft II: Unternehmertum"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">31.07.2009 &#8212; Bedauerlicherweise verstehen nicht wenige K\u00fcnstler ihr Schaffen als eine Art Gegenentwurf zu einem angeblich verwerflichen Wirken derjenigen, die das Wirtschaftsleben im Fluss halten. Die Verteufelung des Unternehmers hat unter Kulturschaffenden Tradition, man denke an Beispiele wie Brechts \u00abPuntila und sein Knecht Matti\u00bb oder daran, dass im Umfeld der 68er-Ideologie national\u00f6konomisch existenzielle Mechanismen wie die Notwendigkeit, mit einer Firma Gewinn zu erzielen, unter dem Generalverdacht der Ausbeutung des ach so gebeutelten Volkes standen. <\/p>\n<p> Die Missverst\u00e4ndnisse sind allerdings durchaus gegenseitiger Natur. Selbst heute scheinen n\u00e4mlich grosse Teile der b\u00fcrgerlichen Wirtschaftspolitiker geistig noch im Kalten Krieg zu stecken. Statt die Chancen der an wirtschaftlicher Bedeutung st\u00e4ndig zunehmenden Kultur- und Kreativwirtschaft (siehe zum Beispiel <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=6362\">diese<\/a> Meldung) zu sehen, verstehen sie Kunst- und Kulturschaffende als ahnungslose und l\u00e4stige N\u00f6rgler. (Weit weg von der Qualifizierung der Intellektuellen als \u00abRatten und Schmeissfliegen\u00bb durch den fr\u00fcheren bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten Franz Joseph Strauss ist man auch heute nicht). Diese wiederum bedanken sich mit dem Beharren auf ihrer Fundamentalopposition gegen\u00fcber allen Formen unternehmerischen Denkens.<\/p>\n<p> Da wird aber eben gerne unreflektiert der angebliche (Geld-)sack Unternehmer geschlagen, wenn der Esel Manager gemeint ist, der ohne eigene Risiken hochdotierte Posten antritt, mit fremden Besitz wuchert und sich selbst den Reinfall mit einem goldenen Fallschirm verg\u00fcten l\u00e4sst. Der Unternehmer n\u00e4mlich, der mit seinem eigenen Verm\u00f6gen, seinem gesellschaftlichen Ruf und nicht selten mit seiner Gesundheit f\u00fcr Innovations-Risiken geradesteht, ohne die echter Fortschritt nicht m\u00f6glich w\u00e4re, ist durchaus ein Geistesverwandter des K\u00fcnstlers.<\/p>\n<p> Aufgrund h\u00f6chst l\u00fcckenhafter Kenntnis des Neulandes, das er betritt, muss er ohne solide Orientierungsmittel existentielle Entscheide treffen, von denen er nicht weiss, ob sie ihn zum Erfolg oder direkt in den Ruin f\u00fchren. Scheitert er, so sind ihm als \u00abPleitier\u00bb Verachtung und Misstrauen der Gesellschaft und ein Leben in Armut genauso sicher wie dem unverstandenen K\u00fcnstler. H\u00f6chstens der Vorwurf der Faulheit bleibt ihm erspart. Aber ohne seine Innovationskraft w\u00e4re der allgemeine Wohlstand der Bev\u00f6lkerung undenkbar. <\/p>\n<p> Die Existenz\u00e4ngste vieler selbst\u00e4ndiger Kleingewerbler unterscheiden sich nicht von denen eines unabh\u00e4ngigen Kulturschaffenden, und auch die fundamentalen Strategien des Unternehmers sind weitgehend dieselben wie diejenigen des K\u00fcnstlers: hartn\u00e4ckige Neugier, hohe Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Umwelt, Intuition und die Bereitschaft, bew\u00e4hrte Regeln zu brechen, ohne zu wissen, wohin dies f\u00fchren wird \u2013 das sind genauso die Voraussetzungen daf\u00fcr, ber\u00fchrende Kunst zu schaffen wie neue M\u00e4rkte und Gesch\u00e4ftsmodelle zu erschliessen.<\/p>\n<p> Auf diese inneren Verwandschaften zwischen Unternehmertum und K\u00fcnstlerschaft weist der (gescheiterte) Unternehmer Axel Gl\u00f6ggler \u2013 Erbe eines 1976 Konkurs gegangenen grossen deutschen Textil-Konzerns, den er mitgeleitet hat, hin \u2013 in dem Buch \u00abUnternehmer \u2013 Verkannte Elite? Von der Kleptokratie zur Meritokratie\u00bb (Verlag Olms 2009). Mit Blick auf Heiner Goebbels (wenig erfolgreiches) 2004 in Lausanne realisiertes Opernexperiment \u00abEraritjaritjaka\u00bb erinnert er etwa daran, dass es um den \u00abFortschritt von Kunst und Wissenschaft, Theater und Gesch\u00e4ftsleben schlecht bestellt w\u00e4re, bez\u00f6ge sich Kreativit\u00e4t nur immer darauf, <em>angemessene<\/em> L\u00f6sungen zu pr\u00e4sentieren\u00bb.<\/p>\n<p> Er zeigt aber auch Parallelen in den Marktstrategien des unverfrorenen Selbstvermarkters Mozart und des fr\u00fcheren Chrysler-Chef Lee Iacocca auf, die beide ihre erfolgreichen Unternehmensstrategien auf Improvisation und Inspiration bauten.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 31.07.2009 &#8212; Bedauerlicherweise verstehen nicht wenige K\u00fcnstler ihr Schaffen als eine Art Gegenentwurf zu einem angeblich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-420","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=420"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}