{"id":421,"date":"2014-01-11T09:43:54","date_gmt":"2014-01-11T09:43:54","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-wirtschaft-iii-foerdermodelle\/"},"modified":"2014-01-11T09:43:54","modified_gmt":"2014-01-11T09:43:54","slug":"kultur-und-wirtschaft-iii-foerdermodelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-wirtschaft-iii-foerdermodelle\/","title":{"rendered":"Kultur und Wirtschaft III: F\u00f6rdermodelle"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">14.08.2009 &#8212; Die gegenw\u00e4rtigen Querelen rund um die Filmf\u00f6rderung des Bundesamtes f\u00fcr Kultur sind symptomatisch f\u00fcr einen Systemfehler, oder \u2013 etwas weniger wertend ausgedr\u00fcckt \u2013 eine L\u00fccke in der Bundeskulturpolitik. Die Grundidee der staatlichen Kulturf\u00f6rderung (mal abgesehen von ihrer mittlerweile l\u00e4ngst \u00fcberholten historischen Rolle als Instrument der geistigen Landesverteidigung) sollte die Finanzierung von Projekten sein, die \u00e4sthetisch wegweisend oder innovativ sind, aber finanziell nicht eintr\u00e4glich, weil sie das Publikum m\u00f6glicherweise nicht nachvollziehen kann oder die Gruppe der Interessierten derart spezialisiert und klein ist, dass an eine kommerzielle Nutzung nicht gedacht werden kann. Es geht also um etwas \u00c4hnliches wie in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Wenn (meist rechtsb\u00fcrgerliche) Politiker Sinn und Zweck solcher F\u00f6rderungen in Frage stellen, so darf das Argument, man f\u00f6rdere am Publikum vorbei, nicht stechen. Dass Entscheide dar\u00fcber, was als \u00e4sthetisch wegweisend oder innovativ betrachtet wird, schwierig zu begr\u00fcnden sind, ist ein Thema f\u00fcr sich. Es \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass die Publikumsresonanz kein Kriterium f\u00fcr die F\u00f6rderung sein darf.<\/p>\n<p> Etwas ganz anderes ist die Gew\u00e4hrleistung der Qualit\u00e4t und Wettbewerbsf\u00e4higkeit publikumsorientierter Produktionen. Deren Unterst\u00fctzung d\u00fcrfte nicht Teil der gleichen F\u00f6rderung sein, sondern m\u00fcsste im Rahmen einer spezialisierten <em>Wirtschaftsf\u00f6rderung<\/em> sichergestellt werden. \u00c4sthetische Relevanz und Publikumsbed\u00fcrfnisse schliessen sich als F\u00f6rderkriterien n\u00e4mlich genauso gegenseitig aus wie Erkenntnisbef\u00f6rderung und die Befriedigung von Konsumbed\u00fcrfnissen. Kriterien f\u00fcrs eine suchen st\u00f6rt den Prozess des Kriterien-Suchens f\u00fcrs andere. <\/p>\n<p> Wenn das BAK Publikumsresonanz als Kriterium seiner Gunstbezeigungen betrachtet, begeht es philosophisch gesprochen eine Art Kategorienfehler. (In Sachen Musikf\u00f6rderung durch die Kulturstiftung Pro Helvetia scheint dies zur Zeit weniger der Fall zu sein, der Druck, sich unter dem Segel der Kulturf\u00f6rderung ebenfalls als Wirtschaftsf\u00f6rderer zu bet\u00e4tigen, scheint da aber ungl\u00fccklicherweise auch zu steigen.) Verantwortlich daf\u00fcr, dass das BAK Drall in diese Richtung zeigt, ist die mangelnde Kulturkompetenz der b\u00fcrgerlichen Mitteparteien, die dort zur Zeit offenbar das Sagen haben und nach wie vor zu glauben scheinen, dass man nicht \u00f6konomisch motivierte Kunst- und Kulturformen in die Mottenkiste \u00fcberholter politischer Aufgaben packen muss, weil sie als Fortsetzung des Klassenkampfes mit andern Mitteln betrachtet werden. Das Argument ist nat\u00fcrlich kompletter Bl\u00f6dsinn.<\/p>\n<p> Nun gibt es zwar eine Unternehmensf\u00f6rderung des Bundes (in Form der F\u00f6rderagentur f\u00fcr Innovation KTI). Deren F\u00f6rdermodelle sind f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Kultur- und Kreativwirtschaft aber untauglich. Sie zielen im Wesentlichen darauf ab, Risikokapitalgebern schnell wachsende, kapitalintensive Firmen zuzuf\u00fchren, die mit Patenten gesch\u00fctzte Hitec-Produkte mit hoher Rendite und m\u00f6glichst schnellem <em>Return on Investment<\/em> in den Markt dr\u00fccken.<\/p>\n<p> Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft wachsen weder schnell, noch zeigen sie (in der Regel) eine hohe Rendite; sie sind auch nicht kapitalintensiv, und ein rascher Return on Investment ist von ihnen noch weniger zu erwarten. Daf\u00fcr schaffen sie viele Arbeitspl\u00e4tze, und sie garantieren daf\u00fcr, dass der N\u00e4hrboden stimmt, auf dem wertsch\u00f6pfungsintensive Unternehmen erst wachsen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Sicherung der <em>langfristigen<\/em> Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Landes sind sie <em>mindestens<\/em> so wichtig wie die Hitec-Firmen, welche die KTI zur Zeit im Fokus hat.<\/p>\n<p> Die L\u00fccke in der Bundespolitik sind also Anreize f\u00fcr auf langfristigen Erfolg angelegte, mit vergleichweise kleinen finanziellen Beitr\u00e4gen arbeitende Formen des Risikokapitals. Sie m\u00fcssten von Investoren unterhalten werden, die auf der einen Seite mit den speziellen Regeln der Kultur- und Kreativwirtschaft vertraut und bereit w\u00e4ren, sich auf Gesch\u00e4ftsprozesse einzulassen, die von der besonderen Mentalit\u00e4t kreativer K\u00f6pfe gepr\u00e4gt sind. Auf der andern Seite m\u00fcsste man von ihnen erwarten k\u00f6nnen, dass sie in Sachen Professionalit\u00e4t, Originalit\u00e4t und Marktreife nichts Unausgegorenes zulassen w\u00fcrden.<\/p>\n<p> Ganz anders der gegenw\u00e4rtige Zustand der F\u00f6rderung: Wenn Kulturf\u00f6rderer sich als Wirtschaftsf\u00f6rderer geb\u00e4rden (m\u00fcssen), wird man den Eindruck nicht los, dass immer mal wieder auf halbem Weg stehengeblieben wird, weil es halt doch allzu famili\u00e4r zu und her geht und weil nicht mit eigenem, sondern fremdem (n\u00e4mlich Steuer-)geld gespielt wird. Die Gewinne werden da personalisiert, die Verluste verstaatlicht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 14.08.2009 &#8212; Die gegenw\u00e4rtigen Querelen rund um die Filmf\u00f6rderung des Bundesamtes f\u00fcr Kultur sind symptomatisch f\u00fcr&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-421","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/421","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=421"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/421\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}