{"id":422,"date":"2014-01-11T09:44:40","date_gmt":"2014-01-11T09:44:40","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/keine-kulturdebatten-im-schweizer-fernsehen\/"},"modified":"2014-01-11T09:44:40","modified_gmt":"2014-01-11T09:44:40","slug":"keine-kulturdebatten-im-schweizer-fernsehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/keine-kulturdebatten-im-schweizer-fernsehen\/","title":{"rendered":"Keine Kulturdebatten im Schweizer Fernsehen"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">28.08.2009 &#8212; Eine Einladung der Kulturabteilung des Schweizer Fernsehens (SF) an die Schweizer Kulturjournalisten hat dieser Tage Gelegenheit geboten, den Verantwortlichen den Puls zu f\u00fchlen. Eine recht interessante Erfahrung. Die SF-Kulturequipe hat ihre Pl\u00e4ne vorgestellt, darunter einiges, was diskutabel ist, etwa die Tatsache, dass im \u00abKlanghotel\u00bb (das k\u00fcnftig anders heissen d\u00fcrfte) in Sachen E-Musik noch mehr auf Promis und Personalisierung gesetzt werden wird. Eine allgemeine Fragerunde war aber nicht vorgesehen, und die anwesenden Journalisten hatten dazu offenbar auch kein Bed\u00fcrfnis. In der Kulturberichterstattung wird ja auch schon l\u00e4ngere Zeit nicht mehr debattiert, sondern bloss noch verlautbart, oder auch nur verleisebart.<\/p>\n<p> Nat\u00fcrlich haben wir es uns dennoch nicht verkneifen k\u00f6nnen, im Zwiegespr\u00e4ch am Rande die Gretchenfrage zu stellen: Nun sag SF, wie hast du&#8217;s mit der Kulturpolitik? (Du bist ein herzlich guter Sender\/Allein ich glaub, du h\u00e4ltst nicht viel davon.) Rainer M. Schaper, der sehr umg\u00e4ngliche Abteilungsleiter, hat zwar nicht geanwortet: \u00abLass das mein Kind! Du f\u00fchlst ich bin dir gut\u00bb, aber so \u00e4hnlich hat&#8217;s get\u00f6nt. Wir insistieren mit ein paar Beispielen. Wieso hat&#8217;s nie einen \u00abClub\u00bb zum Kulturf\u00f6rderungsgesetz gegeben (von einer \u00abArena\u00bb ganz zu schweigen)? Warum thematisiert das SF nie die heiklen Fragen der Kulturfinanzierung? Weshalb sind \u00ab10 vor 10\u00bb-Politikbeitr\u00e4ge auch mal frech und provozierend, die Kulturberichte der Infotainment-Profis hingegen eher ahnungslose und <em>total<\/em> unkritische Jubelarien? Weshalb sehen wir Politsatire bloss noch in der infantilisierten Form eines Skilager-Unterhaltungsabends, die sich \u00abGiacobbo\/M\u00fcller\u00bb nennt?<\/p>\n<p> Och, meint Rainer M. Schaper ausserordentlich verst\u00e4ndnisvoll, sobald solche Themen angeschnitten w\u00fcrden, dann sausten die Einschaltquoten halt erbarmungslos in den Keller. Mit anderen Worten: Das Schweizer Fernsehpublikum hat leider Null Bock auf Kulturpolitik \u2013 bedauerlicherweise, aber ungl\u00fccklicherweise nicht zu \u00e4ndern. Nathalie Wappler, die nicht minder umg\u00e4ngliche Leiterin der Sternstunden, kommt zum genau gleichen Urteil. Und bedauert das nat\u00fcrlich genauso ausserordentlich.<\/p>\n<p> Im Gespr\u00e4ch mit Schaper haben wir noch protestiert: Das sei eine selbsterf\u00fcllende Prophezeiung, erkl\u00e4rten wir etwas emphatisch, und fanden das Argument zu diesem Zeitpunkt <em>total<\/em> originell und unschlagbar. Mittlerweile haben wir mehrmals dar\u00fcber schlafen k\u00f6nnen, und damit haben sich auch Zweifel eingeschlichen.<\/p>\n<p> Politik lebt, wie m\u00e4nniglich weiss, von Debatten. Und vermutlich ist es nicht Aufgabe eines Staatssenders, Debatten zu provozieren, vor allem nicht die eines Senders eines konsensorientierten Landes. Er muss solche, sind sie einmal im Gang, vor allem m\u00f6glichst angemessen abbilden (was das in der Praxis bedeutet, dar\u00fcber d\u00fcrften vor allem die \u00abArena\u00bb-Macher Enzyklop\u00e4dien schreiben k\u00f6nnen). Wenn die Kulturschaffenden keine Debatten f\u00fchren, dann braucht es sie halt einfach nicht. So einfach kann Politikberichterstattung sein. <\/p>\n<p> Kann man sich ja wirklich fragen: Wozu br\u00e4uchten wir eine Kultur der angeregten und wachen Diskurse? Weshalb m\u00fcssten wir unsere Argumente sch\u00e4rfen und uns r\u00fcsten f\u00fcr intellektuelle Auseinandersetzungen? Warum sollten wir unsere denkerische Wachheit wahren und uns in Schlauheit \u00fcben? Uns geht&#8217;s ja gut.<\/p>\n<p> Geht es uns das tats\u00e4chlich? Wenn man sieht, wie blau\u00e4ugig und unvorbereitet die Schweiz in Auseinandersetzungen mit den Ausserirdischen \u2013 den USA rund um die UBS, der EU rund um den Steuerstreit, mit Libyen rund um die Verhaftung Hannibal Gaddafis \u2013 gestiegen ist, dann sollte man da einen Gang h\u00f6herschalten. So langsam muss uns n\u00e4mlich die Ahnung beschleichen, dass da draussen, jenseits der Grenzen der Schweiz, etwas existiert. Und dass da mit h\u00e4rteren Bandagen gek\u00e4mpft wird, als wir uns dies in unserem Wohlf\u00fchlstaat gewohnt sind. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 28.08.2009 &#8212; Eine Einladung der Kulturabteilung des Schweizer Fernsehens (SF) an die Schweizer Kulturjournalisten hat dieser&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-422","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/422","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=422"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/422\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}