{"id":428,"date":"2014-01-11T09:47:57","date_gmt":"2014-01-11T09:47:57","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wie-werden-kunst-und-kultur-kuenftig-finanziert\/"},"modified":"2014-01-11T09:47:57","modified_gmt":"2014-01-11T09:47:57","slug":"wie-werden-kunst-und-kultur-kuenftig-finanziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wie-werden-kunst-und-kultur-kuenftig-finanziert\/","title":{"rendered":"Wie werden Kunst und Kultur k\u00fcnftig finanziert?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">20.11.2009 &#8212; Suisseculture lanciert die Debatte um die k\u00fcnftige Finanzierbarkeit digital distribuierbarer Kulturerzeugnisse. Das ist gut. Der Dachverband der Kulturschaffenden hat dazu keine vorgefasste Meinung und will das Thema \u00abKulturflatrate\u00bb im kommenden Jahr an mehreren Veranstaltungen thematisieren, sprich: die Diskussion dar\u00fcber anregen. Das ist noch viel besser. Hoffentlich wird dann langsam das Bewusstsein steigen, dass wir Zeugen und Akteure einer epochalen Umw\u00e4lzung des Kulturlebens sind, die viel weiter geht, als den meisten heute bewusst ist. Sie betrifft nicht nur das Kulturschaffen im engeren Sinne, sondern ebenso Medien, Bildung und Kommunikation. Man kann sie auf einen Punkt bringen: K\u00fcnftig wird alles, was sich digital abspeichern und distribuieren l\u00e4sst, nicht mehr durch \u00abSt\u00fcckverkauf\u00bb finanzierbar sein. Den Schritt in die neue Epoche nicht machen werden also bildende K\u00fcnstler, Theaterschaffende und Vertreter anderer Kunstformen, die an eine lokal festmachbare Veranstaltung gebunden sind. <\/p>\n<p> Zur Zeit werden vor allem die Verluste betont, die dadurch entstehen. Dabei scheint vor allem eine Bef\u00fcrchtung im Vordergrund: Einige, wenn nicht viele Kunst- und Medienschaffende werden nicht mehr in der Lage sein, ihre T\u00e4tigkeit zu finanzieren, weil niemand mehr bereit ist, ihnen f\u00fcr ihre Erzeugnisse in der guten alten Art des Tauschhandels bare M\u00fcnze in die Hand zu dr\u00fccken. Das scheint im ersten Moment ungerecht.<\/p>\n<p> Allerdings ist die Sache auf den zweiten Blick weit komplexer. Im \u00abalten\u00bb System konnten sich etwa Erzeuger von Schundliteratur eine goldene Nase verdienen, w\u00e4hrend Weltklasselyriker f\u00fcr ihre Werke zu Lebzeiten unter Umst\u00e4nden nie auch nur einen m\u00fcden Franken sahen. Oder Maler. Van Gogh zum Beispiel war ja bekannterweise auch nicht gerade in der Lage, seinen Lebensunterhalt mit seiner Kunst zu bestreiten, respektive einen Lebensstandard zu pflegen, der ihm angesichts seiner Bedeutung f\u00fcr die europ\u00e4ische Kunst zweifelsohne zugestanden w\u00e4re. Daf\u00fcr wurden h\u00f6chst Mediokre stinkereich. Im Grunde genommen ist abzusehen, dass durch die digitale Revolution bloss ein ungerechtes System durch ein anderes ungerechtes System ersetzt wird. C\u2019est la vie. Das ist der Lauf der Welt. Leider.<\/p>\n<p> Die Diskussion um die Abgeltung f\u00fcr digitale Inhalte wird allerdings noch nicht breit genug angesetzt. Sie riecht noch allzusehr danach, dass Gesch\u00e4ftsmodelle des alten Systems mit den Mitteln des neuen finanziert werden sollen. Man m\u00f6chte den neuen Wein in alte Schl\u00e4uche abf\u00fcllen, sozusagen. Die digitale Revolution \u00e4ndert aber ebenso die Rahmenbedingungen f\u00fcrs Kunstschaffen, und damit wird sich auch das Kunstschaffen selber \u00e4ndern.<\/p>\n<p> Die digitale Revolution hat viele Gesichter. Neben der systemischen Schwierigkeit, Musik gegen klingende M\u00fcnze und Literatur gegen Banknoten umzutauschen, hat sie eine Demokratisierung der Produktionsmittel erm\u00f6glicht: Heute kann praktisch jeder Hobbymusiker im Garagenstudio professionelle Produktionen realisieren und jeder K\u00fcchentischphilosoph oder \u2013poet sich direkt an sein Publikum richten. Und Information ist weltweit schnell und einfach verf\u00fcgbar. Das sind beides unglaubliche Fortschritte der demokratischen Gesellschaft, die niemand wirklich hinterfragt, weil niemand sie bezahlen muss: Kulturelle Gewinne werden gerne einfach so hingenommen, kulturelle Verluste wort- und aktionsreich beklagt.<\/p>\n<p> Eine L\u00f6sung f\u00fcr das Problem der Finanzierung digital distribuierbarer G\u00fcter wird also nicht gefunden werden, wenn es \u2013 wie zu bef\u00fcrchten steht \u2013 darum geht, ein altes System der Kulturerzeugnisse und seiner Finanzierungsmodelle unter ge\u00e4nderten Ramenbedingungen aufrecht zu erhalten, sondern wenn das Gesamtsystem betrachtet wird. Nicht nur die Finanzierungsmodelle, auch das zu Finanzierende muss neu gedacht werden. <\/p>\n<p> Mehr zur Initiative von Suisseculture finde sich in einem Dossier, das unter folgendem URL im Web zu finden ist: <a href=\"http:\/\/www.suisseculture.ch\/doss\/urg-rev\/kuflat\/arbeitspapier_kulturflatrate_web.pdf\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.suisseculture.ch<\/a> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 20.11.2009 &#8212; Suisseculture lanciert die Debatte um die k\u00fcnftige Finanzierbarkeit digital distribuierbarer Kulturerzeugnisse. 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