{"id":432,"date":"2014-01-11T10:15:07","date_gmt":"2014-01-11T10:15:07","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/einsichten-am-forum-musikalische-bildung\/"},"modified":"2014-01-11T10:15:07","modified_gmt":"2014-01-11T10:15:07","slug":"einsichten-am-forum-musikalische-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/einsichten-am-forum-musikalische-bildung\/","title":{"rendered":"Einsichten am Forum Musikalische Bildung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">29.01.2010 &#8212; Vor einigen Tagen ist im Kultur- und Kongresszentrum Trafo Baden das dritte Forum Musikalische Bildung (FMB) des Verbandes Musikschulen der Schweiz (VMS) \u00fcber die B\u00fchne gegangen. Weil dahinter Initianten stecken, die \u2013 eher die Ausnahme unter den Kulturschaffenden \u2013 politisches Wirken mit hohem praktischem und professionellem Engagement in ihre t\u00e4gliche Arbeit integrieren, entwickelt es sich immer mehr zu einem allgemeinen Forum f\u00fcr die kulturpolitische Grundsatzdebatte in der Schweiz (ein Bericht zum Forum findet sich in der Februar-Ausgabe der <a href=\"http:\/\/www.musikzeitung.ch\">Schweizer Musikzeitung<\/a>). <\/p>\n<p> Eine ziemlich lehrreiche Sache: In einem FMB-Podium rund um die bundesr\u00e4tliche Ablehnung der Musikinitiative hat der St. Galler Jurist und Bundesrats-Berater Rainer Schweizer eine Bemerkung gemacht, die Aufhorchen lassen m\u00fcsste: Die Dimension Bildung, Kultur und Musik, so Schweizer, werde in der bundesr\u00e4tlichen Botschaft zur Musikinitiative gar nicht angesprochen. Die Exekutive ziehe sich auf administrative und b\u00fcrokratische Aspekte des Themas zur\u00fcck. Die notwendige Diskussion, was Bildung und Kultur in der Schweiz ganz grunds\u00e4tzlich f\u00fcr eine Aufgabe h\u00e4tten, werde politisch nicht gef\u00fchrt. Schweizer fragte sich \u00fcberdies, ob der Bundesrat die Realit\u00e4ten, die sich hinter den Paragraphen verb\u00e4rgen, \u00fcberhaupt wahrnehme.<\/p>\n<p> Das ist kein Feuilletonist, Kulturkritiker oder Nouvel Philosophe, der da die \u00fcblichen Klagen \u00fcber den steinigen Boden anstimmt, den die Schweiz f\u00fcr die Kultur darstellt. Schweizer ist ein bodenst\u00e4ndiger Professor f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht.<\/p>\n<p> Und er war bei weitem nicht der einzige, der am FMB das Fehlen einer konstruktiven Debatte beklagte. \u00c4hnliche Kritik \u00fcbte Hans Amb\u00fchl, der Generalsekret\u00e4r der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, am Weissbuch \u00abZukunft Bildung Schweiz\u00bb der Schweizerischen Akademie der Wissenschaften zur Bildung 2030.<\/p>\n<p> Zuf\u00e4lligerweise hat Rudolf Strahm, der ehemalige Preis\u00fcberwacher und gegenw\u00e4rtige Pr\u00e4sident des Schweizerischen Verbands f\u00fcr Weiterbildung (SVEB), wenige Tage sp\u00e4ter eine ganz \u00e4hnliche Diagnose gestellt, und zwar im \u00abClub\u00bb des Schweizer Fernsehens zur Hochschulpolitik (und der Bedeutung der Deutschen in der akademischen Landschaft der Schweiz).<\/p>\n<p> Strahm beklagte den Umstand, dass \u00aballe Parteien ausser der SVP in Sachen Bildungspolitik jahrelang nichts gemacht haben, ausser der B\u00fcrokratie nachzurennen\u00bb. Die b\u00fcrgerliche Mitte, sprich der Freisinn und die CVP, aber auch SP verteidigten seit langem nur noch die administrativen bildungsb\u00fcrokratischen Linien. Ausgerechnet der Freisinn und die SP seien, monierte Strahm, urspr\u00fcnglich Bildungsparteien gewesen. Diese w\u00fcrden zu dem Thema nun schweigen. <\/p>\n<p> Was die b\u00fcrgerliche Intelligenz heute Grunds\u00e4tzliches zur Kultur zu sagen hat, exemplifizierte am FMB der an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich lehrende politische Philosoph Georg Kohler. In einem Vortrag zur Musik und der \u00abLogik der Gef\u00fchle\u00bb wandte er sich zur\u00fcck zur mittlerweile deutlich angestaubten Hermeneutik des wegen des Z\u00fcrcher Literaturstreites umstrittenen Emil Staiger. Kohler zeigte sich froh dar\u00fcber, dass \u00abdie allzu strukturalistische Phase\u00bb in der Literaturwissenschaft \u00fcberwunden sei und man etwa wieder davon sprechen k\u00f6nne, dass wir uns den \u00abdunkel gef\u00fchlten Gehalt von Gedichten zu eigen machen\u00bb k\u00f6nnten. <\/p>\n<p> Auf der Grundlage einer Geisteswissenschaft, welche die methodischen Entwicklungen der letzten vierzig Jahre (die es neben dem Strukturalismus auch noch gegeben hat) offenbar nicht zur Kenntnis nimmt, und mit akademischer Nostalgie, die mit den Herausforderungen der Gegenwart praktisch nichts mehr zu tun hat, l\u00e4sst sich tats\u00e4chlich keine zeitgerechte Kulturdebatte f\u00fchren.<\/p>\n<p> Wenn man sich noch daran erinnert, in welchem Ton aus der b\u00fcrgerlichen Mitte in den Er\u00f6rterungen zum Kulturf\u00f6rderungsgesetz die Idee eines Kulturrates l\u00e4cherlich gemacht worden ist (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/editorials.php?art=522\">Editorial<\/a>), kann man nur zu einem Schluss kommen: In der Schweizer Bundespolitik bewegen sich die Alternativen im politischen Zentrum zwischen Def\u00e4tismus und restaurativem Antiintellektualismus.<\/p>\n<p> Die dringend notwendige Dynamisierung der Schweizer Gesellschaft r\u00fcckt so mehr und mehr in die Ferne. Angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen f\u00fcr Gesellschaft und \u00d6konomie unseres Landes \u00e4ussert sich da eine erstaunliche Verdr\u00e4ngungskunst. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 29.01.2010 &#8212; Vor einigen Tagen ist im Kultur- und Kongresszentrum Trafo Baden das dritte Forum Musikalische&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-432","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=432"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}