{"id":435,"date":"2014-01-11T10:17:34","date_gmt":"2014-01-11T10:17:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/hohle-phrasen-und-globalisierte-eliten\/"},"modified":"2014-01-11T10:17:34","modified_gmt":"2014-01-11T10:17:34","slug":"hohle-phrasen-und-globalisierte-eliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/hohle-phrasen-und-globalisierte-eliten\/","title":{"rendered":"Hohle Phrasen und globalisierte Eliten"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">12.03.2010 &#8212; Man kann ja schon ins Gr\u00fcbeln kommen, stellt man die Frage, wieviel Substanz Politikeraussagen haben. Einmal mehr dr\u00e4ngt sich das auf, wenn man die aktuelle \u00abAbzocker\u00bb-Debatte mitverfolgt. Da wird links und rechts gegen \u00ab\u00fcberrissene L\u00f6hne, Exzesse und ungerechtfertige Boni\u00bb gewettert. Ja hoffentlich! Gesagt ist damit allerdings noch nichts, und um das scheint\u2019s ja auch zu gehen. Wohlklingende S\u00e4tze wie \u00ab\u00dcberrissene L\u00f6hne sind ungerecht\u00bb, \u00abBoni-Exzesse m\u00fcssen verurteilt werden\u00bb und so weiter sind n\u00e4mlich Tautologien. Sie sagen genausoviel aus wie die idiotischen Schilder am Wegrand, auf denen \u00abDas unbefugte Betreten des Rasens ist verboten\u00bb steht. Das ist genauso eine Leerformel wie die Behauptung, dass jemand das Kind seiner Mutter ist, oder das pathetische und nicht minder sinnfreie \u00abLa France, c\u2019est la France!\u00bb Charles de Gaulles.<\/p>\n<p> Einfachere Gem\u00fcter bezeichnen so etwas als hohle Phrasen. Und solche werden zur Zeit in der Politik zunehmend kr\u00e4ftiger gedroschen. Ein untr\u00fcgliches Zeichen des Zerfalls politischer Kultur.<\/p>\n<p> Was soll\u2019s, die \u00abAbzocker\u00bb-Diskussion l\u00e4uft sowieso falsch. Ob einer zwanzig oder f\u00fcnfzig Mal mehr verdient als sein Nachbar oder die Raumpflegerin in seinem Betrieb, ist im Grunde genommen unerheblich (von den Lohnbetrachtungen sind ja auch die Unternehmer ausgenommen, die noch eigene Firmengewinne einstreichen, und ob einige Sportler und Unterhaltungsk\u00fcnstler wirklich verdienen, was sie einkassieren \u2013 viele deutlich mehr als globale Spitzenmanager \u2013, fragt auch keiner). <\/p>\n<p> Es geht vielmehr um etwas, was mit dem altmodischen Wort \u00abGemeinsinn\u00bb bezeichnet wird, und zwingende Voraussetzung jeglicher Moral im Staat ist. Der Solidarit\u00e4tspakt zwischen F\u00fchrungskr\u00e4ften und dem \u00abnormalen\u00bb B\u00fcrger ist durch die Entstehung einer globalisierten Manager-Kaste ausser Kraft gesetzt worden. Um das geht es im Grunde genommen. Das wird sich auch nicht \u00e4ndern, egal wieviel Lohn man den anonymen Masters of Business Administration and the Universe in den Chefetagen international operierender Unternehmen zugesteht. Daf\u00fcr m\u00fcssen L\u00f6sungen gefunden werden. <\/p>\n<p> Die Kr\u00e4fte, die den Gemeinsinn erodieren, haben verschiedene H\u00e4rtegrade. Der erste ist die Chancenungleichheit. Die ist zwar nicht Naturgesetz, aber vermutlich etwas, mit dessen Existenz sich eine Gemeinschaft abfinden muss, ohne dass sie den steten Kampf dagegen aufgeben sollte.<\/p>\n<p> Von gr\u00f6sserem Kaliber sind ungerechte Lohnunterschiede. Um die, glauben Populisten h\u00fcben und dr\u00fcben irrigerweise, gehe es zur Zeit. Die wirklich brisanten Aspekte des Themas werden bei der Entr\u00fcstungs-Bewirtschaftung allerdings nicht beackert. Etwa die Frage, wie gef\u00e4hrlich es ist, wenn PR-Arbeit f\u00fcr Grosskonzerne deutlich besser entl\u00f6hnt wird als solider, unabh\u00e4ngiger und rechercheintensiver Qualit\u00e4tsjournalismus, oder ob es richtig ist, dass mit oberfl\u00e4chlichem Schlagergedudel wesentlich mehr Geld gemacht werden kann, als mit tieflotender zeitgen\u00f6ssischer Oper. <\/p>\n<p> Die h\u00f6chste Giftklasse erreicht aber die Einstellung der Sehrgutverdienenden, dass tiefe L\u00f6hne oder Abh\u00e4ngigkeit von Sozialwerken die Folge von Charakterfehlern sind, und dass das Geld, das die globale Manager-Kaste einstreicht, ihr nicht zuletzt dank der Arbeit des einfachen Volkes zufliesst, sondern ihr quasi als Geburtsrecht zusteht und der einfache B\u00fcrger versucht, ihr dieses mit Umverteilungs-Mechanismen abzujagen. In diesem Weltbild ist der Reiche nicht derjenige, der viel hat, weil die arbeitende Bev\u00f6lkerung Produkte erzeugt, sondern der Reiche quasi gottgegeben reich und der Arme derjenige, der ihm sein Geld klauen will.<\/p>\n<p> Wenn die Mitglieder der globalisierten F\u00fchrungs-\u00abElite\u00bb dar\u00fcberhinaus irgendwo wohnen, aber am lokalen Leben nicht teilnehmen, nicht in Dorfvereinen, lokalen Politkommissionen oder der Ortsfeuerwehr, dann entsteht eine Gesellschaft aus Parallelwelten ohne gegenseitiges Verst\u00e4ndnis. So etwas kann gar nicht gut gehen.<\/p>\n<p> Die Frage, wie globale F\u00fchrungskr\u00e4fte und lokale Gesellschaften zum gegenseitigen Nutzen interagieren sollten, muss diskutiert werden. Die Lohnunterschiede sind zweitrangig. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 12.03.2010 &#8212; Man kann ja schon ins Gr\u00fcbeln kommen, stellt man die Frage, wieviel Substanz Politikeraussagen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-435","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/435","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=435"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/435\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=435"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=435"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=435"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}