{"id":438,"date":"2014-01-11T10:19:25","date_gmt":"2014-01-11T10:19:25","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/schwyz-und-kulturraeume-im-eigentlichen-sinn\/"},"modified":"2014-01-11T10:19:25","modified_gmt":"2014-01-11T10:19:25","slug":"schwyz-und-kulturraeume-im-eigentlichen-sinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/schwyz-und-kulturraeume-im-eigentlichen-sinn\/","title":{"rendered":"Schwyz und Kulturr\u00e4ume im eigentlichen Sinn"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">23.04.2010 &#8212; In einer Medienmitteilung \u00fcber einen eingestandenen Mangel an Kulturr\u00e4umen im Kanton Schwyz verheddert sich der Schwyzer Regierungsrat in einem sprachlichen Kn\u00e4uel: \u00abDer Regierungsrat will\u00bb, schreibt der Regierungsrat, \u00aban der bisherigen strategischen Ausrichtung seiner F\u00f6rderpolitik (projektbezogenen Beitr\u00e4gen statt Objekt- und Betriebskosten-Finanzierung) festhalten. Er begr\u00fcndet dies einerseits mit der traditionsgem\u00e4ss zur\u00fcckhaltenden F\u00f6rderpolitik, die davon ausgeht, dass Kultur in erster Linie im Privaten und Lokalen geschaffen und erlebt wird und daher nicht einer zentralen Steuerung oder Finanzierung unterliegen sollte. Andererseits sieht er eine Abkehr von der bisherigen F\u00f6rderpraxis mit der Problematik verbunden, dass der interpretationsw\u00fcrdige Begriff eines \u201aKulturraums im eigentlichen Sinn\u2019 und damit die Frage der Unterst\u00fctzungsberechtigung im Einzelfall ausgelegt werden m\u00fcsste.\u00bb<\/p>\n<p> Wenn wir das richtig verstehen, hat der Schwyzer Regierungsrat Kulturprojekte bislang projektbezogen \u2013 also im Einzelfall \u2013 gef\u00f6rdert. Eine Abkehr von dieser F\u00f6rderpraxis w\u00fcrde nun aber offenbar bedeuten, dass Unterst\u00fctzung im Einzelfall ausgerichtet werden m\u00fcsste. Der offensichtliche Widerspruch l\u00f6st sich nur auf, wenn man davon ausgeht, dass der Regierungsrat \u00abEinzelfall\u00bb zweimal in verschiedener Bedeutung verwendet, mithin jeder \u00abEinzelfall\u00bb ein Einzelfall darstellt. Der Kantonsrat legt also offenbar Wert auf die Einheit von Form und Inhalt und offenbart sich ergo zumindest als \u00e4sthetisch empfindliches Entscheidgremium.<\/p>\n<p> In seinem Beschluss stellt der Schwyzer Regierungsrat dar\u00fcberhinaus fest, dass aufgrund einer Untersuchung 70 Prozent der Schwyzer der Meinung sind, dass im Kanton ein Bed\u00fcrfnis nach Veranstaltungsr\u00e4umen f\u00fcr Konzerte, Theater und Ausstellungen bestehe; er schliesst seiner subtilen Syllogistik zufolge daraus, dass \u00abdas Fehlen eines eigentlichen kantonalen Kulturzentrums kaum als Mangel empfunden wird\u00bb.<\/p>\n<p> Dieser verbl\u00fcffende Schluss wiederum muss damit zusammenh\u00e4ngen, dass Schwyzer B\u00fcrger Kultur halt eben in erster Linie im Privaten und Lokalen schaffen, was darauf hinweist, dass die Frage, wie \u00abKultur\u00bb definiert werden soll, in der Schweiz von Kanton zu Kanton verschieden ist.<\/p>\n<p> Im \u00abKulturkanton\u00bb Aargau zum Beispiel wird nichtkommerzielles Kulturschaffen n\u00e4mlich von einem kantonalen Kuratorium unterst\u00fctzt, das \u00abinsbesondere auf junge Kultur mit speziellen Programmen f\u00fcr Rock und Pop\u00bb setzt, der Kanton Basel-Stadt leistet sich f\u00fcr j\u00e4hrlich rund 110 Millionen Franken jede Menge kantonale Kulturr\u00e4ume im eigentlichen Sinn \u2013 unter anderem zehn Museen und ein Stadttheater und dar\u00fcberhinaus ein halbes Dutzend Orchester mit \u00fcberregionaler Bedeutung und noch so einiges mehr. Und so weiter: noch andere Kantone, noch andere Sitten.<\/p>\n<p> Der Schwyzer Regierungsrat hingegen stellt sich &#8211; was nat\u00fcrlich sein gutes f\u00f6deralistisches Recht ist &#8211; auf den Standpunkt, dass Schwyz ein Kanton ist, dessen Kultur eine im Privaten und Lokalen geschaffene und erlebte ist, die mit Steuergeldern bloss ruiniert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p> Das wiederum, was Z\u00fcrcher und Luzerner Kulturinstitutionen produzieren, kann nach Schwyzer Standpunkt hingegen offensichtlich nicht mit gutem Gewissen als Kultur bezeichnet werden, denn die Z\u00fcrcher und Luzerner Kulturinstitutionen werden vom Kanton Schwyz mit zwei Millionen Franken Steuergeldern j\u00e4hrlich unterst\u00fctzt, was ja nicht m\u00f6glich w\u00e4re, wenn es sich dabei um Kultur handeln w\u00fcrde, denn diese findet ja im Privaten und Lokalen statt und sollte nicht einer zentralen Finanzierung unterliegen.<\/p>\n<p> Gegen die eklatante Hintanstellung potentieller eigener Schwyzer Kulturr\u00e4ume im eigentlichen Sinn gegen\u00fcber Z\u00fcrcher und Luzerner Unkultur wehrt sich ein Verein mit Namen \u00ab<a href=\"http:\/\/www.schwyzkultur.ch\/schwyzkulturplus.html\">SchwyzKultur+<\/a>\u00bb. Den muss der Schwyzer Regierungsrat im Kulturdialog allerdings nicht ernst nehmen, denn der keineswegs im privaten schaffende Verein leistet n\u00e4mlich \u00fcberhaupt keinen Beitrag zur Kultur des Kantons, sonst k\u00f6nnte ihn der Regierungsrat nicht mit Steuergeldern unterst\u00fctzen, was er aber tut \u2013 vielleicht ja gerade deshalb. In diesem Fall w\u00e4re er sicher ein besonders raffinierter Regierungsrat, der sich seiner Gegner entledigt, indem er sie unterst\u00fctzt. F\u00fcr derartige Gedankenakrobatik verdiente er einen Kulturpreis. Aber nat\u00fcrlich bloss einen solchen einer privaten Stiftung. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 23.04.2010 &#8212; In einer Medienmitteilung \u00fcber einen eingestandenen Mangel an Kulturr\u00e4umen im Kanton Schwyz verheddert sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-438","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/438","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=438"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/438\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}