{"id":439,"date":"2014-01-11T10:19:57","date_gmt":"2014-01-11T10:19:57","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/scherbenhaufen-in-der-bundeskultur\/"},"modified":"2014-01-11T10:19:57","modified_gmt":"2014-01-11T10:19:57","slug":"scherbenhaufen-in-der-bundeskultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/scherbenhaufen-in-der-bundeskultur\/","title":{"rendered":"Scherbenhaufen in der Bundeskultur"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">07.05.2010 &#8212; Marc Adam, der gl\u00fccklose Intendant des Theaters der Bundesstadt wird entmachtet. Ein Kommentator der Zeitung \u00abDer Bund\u00bb erkl\u00e4rt den Schritt \u00abzivilisiert\u00bb, wie er meint, damit, dass Adams Undurchsichtigkeit das Stadttheater gespalten habe (Er schreibt zwar \u00abgespaltet\u00bb, eine Stil-Er\u00f6rterung g\u00e4be aber ein anderes Editorial). Das Berner Stadttheater repr\u00e4sentiert de facto zwar Bundeskultur, allerdings sieht das in Bern und beim Bund offenbar keiner so. Nicolas Bideau, der Chef der Sektion Film des Bundesamtes f\u00fcr Kultur (BAK), nimmt den Hut (auf Ende Jahr). Die Schweizerische Depeschenagentur zitiert dazu Rolf Schmid, den Pr\u00e4sidenten des Filmproduzentenverbandes SFP der meint, Bideau hinterlasse einen \u00abScherbenhaufen\u00bb Man muss sich das mit sonorem, aber n\u00fcchternem Ton vorgetragen vorstellen.<\/p>\n<p> Die Gesetzgebung der Bundes-Kultur ist eine (brachliegende?) Baustelle. Das letzten Herbst verabschiedete Kulturf\u00f6rderungsgesetz (KFG) sollte nun umgesetzt werden. Dazu m\u00fcsste eine Kulturbotschaft Formen annehmen. Damit zum Beispiel klar w\u00fcrde, was aus der Eidgen\u00f6ssischen Kunstkommission wird. Bleibt die in Bern beim BAK oder wechselt sie nach Z\u00fcrich zur Kulturstiftung Pro Helvetia? Oder wird sie gespaltet\/n? Betroffene beklagen sich dar\u00fcber, dass mit der Botschaft nicht vorw\u00e4rts gemacht wird. Zudem geistert irgendwo in den Ratsfahrpl\u00e4nen noch die Initiative \u00abjugend + musik\u00bb herum. Die passt aber dem Bundesrat nicht, sie liegt n\u00e4mlich schr\u00e4g in der Politik zur Bildungslandschaft. Und den Bildenden K\u00fcnstlern, Theaterschaffenden und Literaten passt sei auch nicht, weil sie einseitig die Musik in der Verfassung verankern will. Da k\u00f6nnte ja jeder kommen. Respektive: K\u00e4me jeder, k\u00f6nnte man dr\u00fcber reden.<\/p>\n<p> Dass in der Bundespolitik alles einen ziemlich kopflosen Eindruck macht, kommt nicht von ungef\u00e4hr. Als das KFG aufgegleist wurde, wehrten sich die B\u00fcrgerlichen gegen einen Zweckartikel und gegen grunds\u00e4tzliche Diskussionen dar\u00fcber, was Bundeskultur sein soll und leisten sollte. Das ist auch nichts neues unter der eidgen\u00f6ssischen Sonne: Schon im Clottu-Bericht, einer grossangelegten Bestandesaufnahme zum Schweizer Kulturleben aus dem Jahr 1975 steht (auf Seite 22 von 496) eine Vergr\u00f6sserung der Bundeskompetenzen auf dem kulturellen Gebiet sei undenkbar. Die \u00abKulturbeh\u00f6rden aller Kantone und von rund zwanzig St\u00e4dten des Landes [hat die Schweiz so viele?] waren bei den (&#8230;) mit ihnen gef\u00fchrten Gespr\u00e4chen einm\u00fctig in ihren Reaktionen\u00bb; einer ihrer Vertreter habe sie in der lapidaren Bemerkung zusammengefasst, man wolle <em>keinen eidgen\u00f6ssischen Kulturvogt.<\/em><\/p>\n<p> Der f\u00f6deralistische Abwehrreflex ist das eine. Zum andern ist die b\u00fcrgerliche Kulturpolitik noch immer auf dem Stand des Kalten Krieges: Kultur wird als Privatsache betrachtet. Das ist allerdings bloss ein vorgeschobenes Argument. Im Grunde genommen bringt man damit in Tat und Wahrheit nur zum Ausdruck, dass man Kultur bloss als Mittel des linken Klassenkampfes und damit als Angriff auf den freiheitlichen Staat betrachtet. <\/p>\n<p> Eigene Vorstellungen dazu, was Kultur sein sollte und was sie leisten m\u00fcsste, werden rechts von Moritz Leuenberger und Corinne Mauch keine entwickelt. B\u00fcrgerliche Politiker k\u00f6nnen Kultur mit der ebenso ver\u00e4chtlichen wie d\u00fcmmlichen Bemerkung abtun, die Kulturschaffenden seien ohnehin alles Linke \u2013 ohne zu merken, dass sie sich damit ins eigene Knie schiessen: Kulturschaffen ist nicht tendenziell ein linke Angelegenheit, weil die Linken die B\u00fcrgerlichen nicht mitspielen lassen w\u00fcrden. Sondern weil die B\u00fcrgerlichen ihren eigenen Acker nicht pfl\u00fcgen.<\/p>\n<p> Das H\u00fcst und Hott in der Kulturpolitik des Bundes ist im Grunde genommen ein F\u00fchrungsproblem. Die B\u00fcrgerlichen weigern sich, sie aktiv mitzugestalten. Angesichts der globalen Herausforderungen, vor denen unser Land steht, k\u00f6nnte das eine fatale Unterlassungss\u00fcnde sein. Die Rolle des Bundes in der Selbstbehauptung unseres Landes muss grunds\u00e4tzlich neu gedacht werden. Ein Kulturdiskurs w\u00e4re der richtige Brennstoff dazu. Dass in Bern nicht einmal ein Departements-Ref\u00f6rmchen auf die Schienen gebracht wird, spricht ja auch f\u00fcr sich. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 07.05.2010 &#8212; Marc Adam, der gl\u00fccklose Intendant des Theaters der Bundesstadt wird entmachtet. 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