{"id":443,"date":"2014-01-11T10:24:25","date_gmt":"2014-01-11T10:24:25","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-medien-i-nachaeffen-statt-nachdenken\/"},"modified":"2014-01-11T10:24:25","modified_gmt":"2014-01-11T10:24:25","slug":"kultur-und-medien-i-nachaeffen-statt-nachdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-medien-i-nachaeffen-statt-nachdenken\/","title":{"rendered":"Kultur und Medien I: Nach\u00e4ffen statt Nachdenken"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">09.07.2010 &#8212; Nationale Fernsehkan\u00e4le sind eine Art Seismograf f\u00fcr den Zustand des Kulturlebens eines Landes. Da gibt es schon das eine oder andere, was hierzulande Anlass zur Besorgnis geben k\u00f6nnte. Vitale und einflussreiche philosophische Reflexion scheint es da n\u00e4mlich kaum noch zu geben. Die \u00abSternstunden\u00bb des Schweizer Fernsehens sind zur Sonntagschule der biedermeierlichen Harmlosigkeiten verkommen, was vor allem mit dem kreuzbraven bis hilflos-befangenen Interviewstil zu tun hat. Damit liesse sich ja noch leben. In den Satiregef\u00e4ssen wird aber \u00fcberhaupt nicht mehr nachgedacht, sondern bloss noch nachge\u00e4fft \u2013 aufs Korn genommen werden Exponenten aus Politik und Wirtschaft nur noch von mehr oder weniger versierten Parodisten, die zwar Sprachduktus und Aussehen von Personen von mehr oder weniger \u00f6ffentlichem Interesse ver\u00e4ppeln, aber keine wirklich entlarvenden Dialoge zustandebringen. Auch in der Satire gilt da, was im Schweizer Film schon lange erkannte Misere ist: Dekor und Faxen werden immer aufwendiger und professioneller, die Drehb\u00fccher bleiben hilflos wie bisher.<\/p>\n<p> Wir haben da so eine Theorie, eigentlich mehr eine Vermutung: Es wird ja nicht so sein, dass das Volk ohne Grund in globo einfach zu Verbl\u00f6den beginnt. Vielmehr riecht die Nach\u00e4fferei stark nach postpubert\u00e4rer Lust an Geschmacklosigkeiten. Und weshalb schwemmt es diese im Tivi nun mehr und mehr an die Oberfl\u00e4che? Weil (das ist nun eben unsere Vermutung) die Marketingabteilungen immer wieder ihr Mantra runterbeten, man m\u00fcsse vor allem die konsumfreudige Zielgruppe der (k\u00f6rperlich und geistig) F\u00fcnfzehn- bis Dreissigj\u00e4hrigen bei der Stange halten. <\/p>\n<p> Mit andern Worten: Unsere \u00f6ffentliche Debattenkultur wird mehr und mehr von der Tatsache gepr\u00e4gt, dass unser Nachwuchs gerne Energy Drinks s\u00e4uft, in Markenklamotten aufs Snowboard steigt und in In-Theatern und -Zelten herumhopsende Stand-up-Comedians geiler findet als die potentiellen Erben Hans-Dieter H\u00fcschs, Ernst M\u00fchlemanns und Niklaus Meienbergs. Gegen gekonnte Parodien ist ja nichts einzuwenden (gegen mittelm\u00e4ssige Pointen allerdings schon). Das kann\u2019s aber ja nicht gewesen sein. <\/p>\n<p> Eine \u00e4hnliche Diagnose stellt der fr\u00fchere Radiodirektor Andreas Blum. In einer von der Gesellschaft f\u00fcr Medienkritik im April ver\u00f6ffentlichten Philippika (\u00ab<a href=\"http:\/\/www.gfmks.ch\/fernsehendoc\/gfmks_pd_Rueckbesinn_100406.pdf\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SRG: R\u00fcckbesinnung statt Vorw\u00e4rtsstrategie<\/a>\u00bb) diagnostiziert er \u00abeine einseitige Ausrichtung des Angebots nach der Mehrheitsf\u00e4higkeit, die totale Nivellierung im Interesse der totalen Vermarktung\u00bb.<\/p>\n<p> Fairerweise m\u00fcssen wir erw\u00e4hnen, dass Blum die von uns kritisch be\u00e4ugten \u00abSternstunden\u00bb als \u00abOasen der Ruhe und Reflexion in den seichten T\u00fcmpeln d\u00fcmmlicher Geschw\u00e4tzigkeit\u00bb bezeichnet (wir sind da vielleicht ein bisschen durstiger). Auch erw\u00e4hnen m\u00fcssen wir, dass er in Luzern an einem Symposium der Stiftung Wahrheit in den Medien (SWM) seine Kritik ebenfalls vorgetragen und Noch-SRG-Generaldirektor Armin Walpen sie laut Klein Report als Anh\u00e4ufung von \u00abUn- und Halbwahrheiten\u00bb bezeichnet hat, auf die es gar nicht zu antworten lohne. Eine ziemlich fantasielose Reaktion, die den Mangel an schlagfertiger Debattenkultur im Fernsehen eher unterstreicht als relativiert.<\/p>\n<p> Blum spricht ein klares Wort: Er sieht SF als Verfechterin, die mehr und mehr vor allem eines bietet: \u00abTV-Unterhaltung als fl\u00e4chendeckende Zumutung, Kitsch und Krempel, visualisierter Schwachsinn \u2013 Information als Infotainment, Skandalisierung statt Differenzierung\u00bb. Wir w\u00fcrden es etwas anders formulieren: Zuviel Adoleszentes, zuwenig Erwachsenes.<\/p>\n<p> Nun gibt\u2019s ja einen F\u00fchrungswechsel in den oberen Etagen der SRG. M\u00f6glich, dass damit wieder mehr unaufgeregte und solide Kultur ins \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen Eingang findet. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 09.07.2010 &#8212; Nationale Fernsehkan\u00e4le sind eine Art Seismograf f\u00fcr den Zustand des Kulturlebens eines Landes. 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