{"id":45,"date":"2014-01-06T10:23:00","date_gmt":"2014-01-06T10:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/blechblaeser-revolutionieren-das-orchester\/"},"modified":"2014-01-06T10:23:00","modified_gmt":"2014-01-06T10:23:00","slug":"blechblaeser-revolutionieren-das-orchester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/blechblaeser-revolutionieren-das-orchester\/","title":{"rendered":"Blechbl\u00e4ser revolutionieren das Orchester"},"content":{"rendered":"<p>17.02.2009<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Die Instrumente des Barock sind heute recht gut dokumentiert. Die st\u00fcrmischen Entwicklungen, die vor allem die Blechbl\u00e4ser im 19. Jahrhundert durchlebt haben, sind aber noch \u00fcberraschend wenig erforscht. Licht ins Dunkel bringen Projekte der Berner Hochschule der K\u00fcnste (HKB). An einem Romantic Brass Symposium machte sie vom 12. bis 14. Februar 2009 eine Bestandesaufnahme. <\/strong><\/p>\n<p> Die Zeit zwischen Sp\u00e4tbarock und Hochromantik markiert eine zunehmende Chromatisierung der in fr\u00fcheren Epochen bloss als Naturtoninstrumente verwendeten Blechbl\u00e4ser. Zwei Entwicklungen fallen dabei auf. Zum einen durchlebten die Bl\u00e4ser eine relativ kurze Zeit des Experimentierens mit Klappen. Zum andern experimentierten Instrumentenbauer und Komponisten vor allem im tiefen Bassbereich mit einer Vielzahl neuer Instrumente.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><\/p>\n<p> Klappentrompeten-Projekt der HKB Bern:<br \/><a href=\"http:\/\/www.hkb.bfh.ch\/klappentrompeten.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.hkb.bfh.ch\/klappentrompeten.html<\/a><br \/> Ophikle\u00efden- und Cimbasso-Projekt der HKB Bern:<br \/><a href=\"http:\/\/www.hkb.bfh.ch\/ophikleideundcimbasso.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.hkb.bfh.ch\/ophikleideundcimbasso.html<\/a><br \/> Musikinstrumente im Historischen Museum Basel<br \/><a href=\"http:\/\/www.hmb.ch\/de\/hmb\/houses\/musicmuseum.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.hmb.ch\/de\/hmb\/houses\/musicmuseum.html<\/a><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> \u00c4hnlich einer Klarinette oder Blockfl\u00f6te erm\u00f6glichten Klappen bei Trompeten, Fl\u00fcgelh\u00f6rnern und andern Blechbl\u00e4sern die Chromatisierung mit Hilfe von L\u00f6chern, die \u00fcber die L\u00e4nge der Instrumente verteilt waren und mittels Klappenmechaniken ge\u00f6ffnet und geschlossen werden konnten. Sie wurden allerdings relativ schnell von den heute noch \u00fcblichen Ventilvorrichtungen abgel\u00f6st, mit denen der Luftstrom \u00fcber zus\u00e4tzliche B\u00f6gen geleitet wird. Im Gegensatz zu den Klappen lenken die Ventile den gesamten Luftstrom vollst\u00e4ndig \u00fcber den abschliessenden Klangtrichter der Instrumente, womit der Ton homogener und klarer bleibt als bei einer Klappenvorrichtung, die den Luftstrom auf Trichter und Klappenl\u00f6cher aufspaltet.<\/p>\n<p> Die Alte-Musik-Bewegung, erkl\u00e4rt Claudio Bacciagaluppi, einer der Organisatoren des Symposiums gegen\u00fcber Codex flores, habe dazu gef\u00fchrt, dass Orchestermusiker heute vielfach eine doppelte Kompetenz haben m\u00fcssten: Von Geigern wird etwa erwartet, dass sie sich mit den fr\u00fcher verwendeten Darmsaiten oder der Technik des Barockbogens auskennen. \u00abVor \u00e4hnlichen Herausforderungen, so Bacciagaluppi weiter, \u00abwerden k\u00fcnftig auch die Blechbl\u00e4ser stehen. Ein Dirigent, der Berlioz&#8216; Symphonie fantastique auff\u00fchrten m\u00f6chte, wird in Zukunft m\u00f6glicherweise fragen, ob ein Orchester \u00fcber Ophikle\u00efden verf\u00fcge, die der Komponist urspr\u00fcnglich verlangt hat\u00bb. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 380px;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" width=\"204\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2009\/090216_brass_2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Impressionen von der Ausstellung historischer Musikinstrumente des Symposiums.<strong><br \/><\/strong><\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Bacciagaluppi gibt zu bedenken, dass wir das 19. Jahrhundert heute im Vergleich zum Barock als nahe empfinden. Wer aber genau hinschaue, stelle fest, dass auch dieses Jahrhundert von der Gegenwart ziemlich weit weg sei. \u00abDie Ophikle\u00efde oder die Klappentrompete sind im Vergleich zu heutigen Blasinstrumenten nicht so ausgereift und perfekt\u00bb, erkl\u00e4rt der HKB-Vertreter, \u00absie haben aber einen ganz anderen Klang\u00bb. <\/p>\n<p> Es gebe, meint Bacciagaluppi, in dieser Hinsicht noch einiges aufzuarbeiten. Einerseits gelte es, das Repertoire der St\u00fccke neu zu erschliessen, die speziell f\u00fcr die historischen Instrumente wie die Ophikle\u00efde geschrieben worden seien. Zudem lohne es sich, zu \u00fcberlegen, was am g\u00e4ngigen Repertoire mit den historisch \u00abkorrekten\u00bb Instrumenten gespielt werden k\u00f6nnte. Die Projekte der HKB k\u00f6nnten dazu f\u00fchren, dass spezielle Ausbildungsg\u00e4nge geschaffen w\u00fcrden, etwa ein Nebenfach Ophikle\u00efde f\u00fcr Hornisten oder ein solches f\u00fcr Klappentrompete, das die Absolventen der HKB Bern auf dem Arbeitsmarkt speziell qualifizierten.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2009\/090216_brass_3.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Daniel Allenbach pr\u00e4sentiert eine Schule f\u00fcr Klappenhorn von Charles Gounod.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Es gehe der HKB deshalb auch darum, vergessene Modelle von Blasinstrumenten nachzubauen. Man wolle den Studierenden damit die M\u00f6glichkeit geben, diese Instrumente einmal selber auszuprobieren. Das Symposium diene dabei als Schaub\u00fchne f\u00fcr das, was in Bern bisher erarbeitet worden sei.<\/p>\n<p> Der praktische Einsatz heute kaum mehr verwendeter Instrumente der Epoche ist zwar verb\u00fcrgt, \u00fcber die Details ihrer Verwendung existieren jedoch verbl\u00fcffend wenig Quellen. So ist zum Beispiel einiges dar\u00fcber zu erfahren, welche Bl\u00e4ser im 19. Jahrhundert wann im Orchester der Mail\u00e4nder Scala Einsitz hatten und wie gut sie ihre Instrumente beherrschten. Um was f\u00fcr Instrumente es sich dabei handelte, schweigen sich die geschichtlichen Quellen jedoch aus.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Ko-Organisator Claudio Bacciagaluppi bereitet eine Pr\u00e4sentation vor.<\/strong><\/span><\/td>\n<td width=\"204\"><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2009\/090216_brass_4.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Als Quellen stehen den heutigen Forschern vor allem zeitgen\u00f6ssische Medienberichte, aber auch Besetzungslisten, Familienchroniken, Instrumentalschulen und die Best\u00e4nde der heutigen Museen zur Verf\u00fcgung. Daraus die richtigen Schl\u00fcsse zu ziehen, bedarf es eines breitgef\u00e4cherten Wissens. Das Symposium an der Berner Hochschule war denn auch bewusst interdisziplin\u00e4r angelegt: Die pr\u00e4sentierten Zeugnisse wurden von Instrumentenbauern \u2212 Konrad Burri aus Zimmerwald und Rainer Egger aus M\u00fcnchenstein \u2212, Museumskuratoren (Martin Kirnbauer vom Historischen Museum Basel und Sabine Klaus vom National Music Museum in Vermillion, USA), praktischen Musikern, Musikwissenschaftlern der Universit\u00e4ten Bern und Fribourg und weiteren Spezialisten aus allen Blickwinkeln heraus diskutiert.<\/p>\n<p> Dass die HKB in der Erforschung der Blechblasinstrumente des 19. Jahrhunderts eine Vorreiterrolle einnimmt, hat mit den Projekten zu tun, die an ihr im Rahmen eines Forschungsschwerpunktes Interpretation realisiert worden sind. Bereits abgeschlossen ist eine Arbeit von Roman Brotbeck (dem Leiter der Abteilung Musik der HKB), Daniel Sch\u00e4deli, Roland Fr\u00f6scher und Claudio Bacciagaluppi in Kooperation mit Konrad Burri und dem Kreuzlinger Musikhaus Haag zu Ophikle\u00efde und Cimbasso, den Vorl\u00e4ufern der modernen Tuba. Die Resultate des Projektes werfen ein neues Licht auf die grossen Werke der Tradition, zu deren Klangbild sich dadurch eine grunds\u00e4tzliche Neubefragung und Neuinterpretation aufdr\u00e4ngt. Wenig erstaunlich also, dass die Resultate bei Dirigenten und Opernverantwortlichen bereits auf erhebliches Interesse gestossen sind. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2009\/090216_brass_5.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Bl\u00e4ser der HKB pr\u00e4sentieren eine Triopartie f\u00fcr zwei Ophikle\u00efden und Cimbasso.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Ein zweites Projekt der HKB wird von Roman Brotbeck, Markus W\u00fcrsch und Claudio Bacciagaluppi ebenfalls unter Mitarbeit mehrerer Instrumentenbauer realisiert. In seinem Rahmen sollen vorhandene Klappentrompeten nachgebaut, das Repertoire f\u00fcr Klappentrompete systematisch erforscht, die Spielweise erarbeitet und in der Lehre erprobt werden. Aus vorhandenen Schulen soll dabei ein modernes Lehrmittel geschaffen und das wichtigste Repertoire mit einem Berufsorchester in der \u00d6ffentlichkeit gespielt und auf Tontr\u00e4gern festgehalten werden. Zum Klappentrompeten-Projekt findet sich auf der Webseite der HKB (<a href=\"http:\/\/www.bfh.ch\/content\/forschung\/fschwerpunkte\/Klappentrompeten.wmv\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) ein kurzer Videobeitrag.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 380px;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" width=\"204\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2009\/090216_brass_6.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Adrian von Steiger (an der Tafel), Rainer Egger und Sabine Klaus diskutieren an einem Round-Table m\u00f6gliche k\u00fcnftige Strategien der Forschung.<strong><br \/><\/strong><\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Zu den Projekten der HKB geh\u00f6rt auch die Herausgabe einer Faksimile-Version einer Trompetenschule f\u00fcr Natur- und Klappeninstrumente aus dem Jahr 1824. Die \u00abM\u00e9thode de Trompette sans Clef et avec Clef\u00bb von C. Eug\u00e8ne Roy wird von der HKB in Zusammenarbeit mit dem Verlag Editions Bim in Vuarmarens angeboten.<\/p>\n<p> Am Symposium sind auch einzelne interessante oder kuriose Details pr\u00e4sentiert worden. So stellte etwa der Musikwissenschaftler Daniel Allenbach im Rahmen eines Referates zu fr\u00fchen Ventilhornschulen in Frankreich eine solche vor, die unter dem Namen des nicht als Hornisten bekannten Komponisten Charles Gounod publiziert worden ist. Und der Milaneser Musikforscher Renato Meucci zeigte aufgrund akribischen Quellenstudium auf, wie das Cimbasso in italienischen Orchestern eingesetzt worden ist.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2009\/090216_brass_7.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Beispiele historischer Blechblasinstrumente, die am Symposium pr\u00e4sentiert worden sind (v.l.n.r.): Cimbasso, Naturtrompete, Ophikle\u00efde, Klappenfl\u00fcgelhorn.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Der in Karlsruhe t\u00e4tige Edward H. Tarr erinnerte an den heute praktisch vergessenen Kornettsolisten Hugo T\u00fcrpe (1859 bis 1891), Anselm Gerhard von der Universit\u00e4t Bern zeichnete nach, wie die Blechblasinstrumente unter dem Einfluss der Milit\u00e4rmusik um 1800 die Kunstmusik ver\u00e4nderte, und der G\u00f6teborger Reine Dahlquist widmete sich der Rolle, welche die Trompete als Soloinstrument im Wien des Wiener Kongresses gespielt hat.<\/p>\n<p> Weitere Entwicklungen in Italien und England wurden ber\u00fccksichtigt. Der in Pisa wirkende Francesco Carreras pr\u00e4sentierte Einsichten zu den Milaneser Instrumentenbauern in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, Claudio Bacciagaluppi ging den Trompetern und Hornisten an der Mail\u00e4nder Scala vor 1850 nach, und Sabine Klaus widmete sich der englischen Klappentrompete, von der heute nur noch wenige Exemplare existieren. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.02.2009 Die Instrumente des Barock sind heute recht gut dokumentiert. 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