{"id":451,"date":"2014-01-11T10:28:32","date_gmt":"2014-01-11T10:28:32","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/studers-passion-fuer-das-vorletzte-jahrhundert\/"},"modified":"2014-01-11T10:28:32","modified_gmt":"2014-01-11T10:28:32","slug":"studers-passion-fuer-das-vorletzte-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/studers-passion-fuer-das-vorletzte-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Studers Passion f\u00fcr das vorletzte Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">29.10.2010 &#8212; Peter Studer, der Pr\u00e4sident des Schweizerischen Kunstvereins, wird zur Zeit nicht m\u00fcde, die Preisgabe der Privilegien der Eidgen\u00f6ssischen Kunstkommission in der Umsetzung des Kulturf\u00f6rderungsgesetzes (KFG) zu beklagen. In der Sendung \u00abReflexe\u00bb von Radio DRS2 erkl\u00e4rte er am 15. Oktober, die Kommission habe, \u00abbis zur\u00fcckgehend ins vorletzte Jahrhundert sehr gut gearbeitet\u00bb. Bei der Landwirtschaft und beim Strassenbau sei es selbstverst\u00e4ndlich, dass das Geld f\u00fcr n\u00f6tige Aufgaben bereitgestellt werde, in der Kultur sei der Bundesrat aber \u00abkleinm\u00fctig und geizn\u00e4pperisch\u00bb. Die Kunstkommission m\u00fcsse \u00abf\u00fcr ihren Erfolg bezahlen\u00bb. Daf\u00fcr pfropfe \u00abdie Kulturb\u00fcrokratie des Bundes\u00bb ihrer F\u00f6rderung auf Kosten der andern wichtigen Kulturaspekte die transversalen Themen \u00abdigitale Kultur\u00bb und \u00ablebendige Traditionen\u00bb auf.<\/p>\n<p> In der NZZ vom 27. Oktober 2010 wiederholt er diese Vorw\u00fcrfe, zum Teil fast w\u00f6rtlich. Mit Blick auf die lebendigen Traditionen erkl\u00e4rt er \u00fcberdies, dies sei ein \u00abHobby der SVP\u00bb, welches das Parlament nicht einmal habe hervorheben wollen. <\/p>\n<p> Das t\u00f6nt alles stark nach der Denkungsart der Beharrlichen. Mehr noch: Studer zeichnet da ein tendenzi\u00f6ses, polemisches Bild der Dinge. Von einem ehemaligen Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und Pr\u00e4sident des Presserates w\u00fcrde man das nicht erwarten. <\/p>\n<p> Die Bundesr\u00e4te Couchepin und Burkhalter, betont Studer, h\u00e4tten sich beeilt zu versichern, Kultur werde auch mit dem neuen Kulturf\u00f6rderungsgesetz keinen Rappen mehr kosten. Das ist nur die halbe Wahrheit. H\u00e4lt man sich vor Augen wie im Kulturbereich in L\u00e4ndern wie Grossbritannien, Deutschland oder Italien der Rotstift angesetzt wird, ist es bereits ein grosses Verdienst, daf\u00fcr gek\u00e4mpft zu haben, dass hierzulande (wie in \u00d6sterreich) mit den gleichen Mitteln weitergearbeitet werden kann wie bisher. Und w\u00fcrde man die Schweizer Bauern fragen, ob sie vom Bund im Gegensatz zur Kultur ausreichend versorgt werden, w\u00fcrde ihre Antwort wohl auch anders ausfallen als dies Studer suggeriert. <\/p>\n<p> Auch f\u00fcr das Aufgleisen nationaler Schwerpunkte zur digitalen Kultur und den lebendigen Traditionen gibt es eine andere Lesart: Wenn sich die Kulturschaffenden und ihre Funktion\u00e4re in den Kantonen und Gemeinden vor allem auf Besitzstandswahrung kaprizieren und keine Visionen entwickeln, dann ist es dem Bund hoch anzurechnen, wenn er versucht, etwas in Bewegung zu bringen. Tats\u00e4chlich sind die transversalen Themen die Glanzpunkte des Kulturberichtes \u2013 und mit spr\u00f6den 10 Millionen Franken im Vierjahresplan noch viel zu bescheiden alimentiert. <\/p>\n<p> Studers Argumente sind ein Musterbeispiel von \u00abdas haben wir schon immer so gemacht, das haben wir noch nie so gemacht, da k\u00f6nnte ja jeder kommen\u00bb. Mit Verlaub: Eine Kunstkommission mit \u00fcber hundertj\u00e4hriger Tradition ist eher Anlass zu Depressionen als ein Zukunftsprojekt. Auch an der ersten Nationalen Kulturkonferenz, zu der das Bundesamt f\u00fcr Kultur Kantons- und St\u00e4dtevertreter zusammerief, offenbarten die Kulturfunktion\u00e4re zum Teil erschreckende M\u00e4ngel an zukunftsgerichtem Gestaltungswillen und Ignoranz gegen\u00fcber neuen Formen und Medien des Kulturlebens.<\/p>\n<p> Dass etwa Computerspiele (wie Comics) mittlerweile ein wichtiges Kulturgut sind, hat sich anderswo schon lange herumgesprochen. Aber auch ein Blick auf die lebendigen Traditionen w\u00e4re im Unesco-Kulturverst\u00e4ndnis, auf das sich auch das KFG beruft, schon lange \u00fcberf\u00e4llig gewesen. Ein politisches Statement hat mehr eine Kultur-Nomenklatur abgegeben, die sich jahrelang weigerte, sich ihnen auch anzunehmen, als rechtsb\u00fcrgerliche Kreise, die darauf pochen, dass auch diese Aspekte der kulturellen Identit\u00e4t ins Blickfeld der Bundeskulturpolitik geraten. Sie sind auch nicht nur Folge innenpolitischen Appeasements, sondern unumg\u00e4nglicher Teil der Umsetzung der Unesco-Konvention zur kulturellen Vielfalt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 29.10.2010 &#8212; Peter Studer, der Pr\u00e4sident des Schweizerischen Kunstvereins, wird zur Zeit nicht m\u00fcde, die Preisgabe&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-451","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=451"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=451"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=451"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=451"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}