{"id":453,"date":"2014-01-11T10:29:31","date_gmt":"2014-01-11T10:29:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/gegenvorschlaege-statt-pruegel-im-parlament\/"},"modified":"2014-01-11T10:29:31","modified_gmt":"2014-01-11T10:29:31","slug":"gegenvorschlaege-statt-pruegel-im-parlament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/gegenvorschlaege-statt-pruegel-im-parlament\/","title":{"rendered":"Gegenvorschl\u00e4ge statt Pr\u00fcgel im Parlament"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">26.11.2010 &#8212; Im ukrainischen, koreanischen oder italienischen Parlament zerren die Abgeordneten einander an den Krawatten, sie pr\u00fcgeln aufeinander ein, sie rammen sich goldspitzenbewehrte Federhalter in die Schulterbl\u00e4tter, w\u00fcrgen sich am Rednerpult, oder sie gehen gar mit Stuhlbeinen aufeinander los, wenn sie Differenzen haben. Nicht so in der Schweiz. Da gibt\u2019s einen Gegenvorschlag. Der Gegenvorschlag ist das Schweizer Universal-Sackmesser gegen alle aufkeimenden Grundsatzdiskussionen. Solche werden n\u00e4mlich nur gef\u00fchrt, wenn keine pragmatischen L\u00f6sungen in Sicht sind.<\/p>\n<p> Vorlagen, die eigentlich bloss dazu da w\u00e4ren, f\u00fcr ein Thema mal ganz grunds\u00e4tzlich \u00d6ffentlichkeit zu schaffen, haben es in der harmonies\u00fcchtigen Schweizer Parlamentsarbeit besonders schwer. Politische Grundsatzdebatten: Sie sind das letzte Tabu in der Schweizer Politik, an das ungern ger\u00fchrt wird. Bei uns wird nicht gschn\u00f6rret, bei uns wird jedem e chli r\u00e4cht g\u00e4h. Mit einem Kompromiss.<\/p>\n<p> Anschauungsunterricht zu der These liefert zur Zeit die WBK-S, die Kommission f\u00fcr Wissenschaft, Bildung und Kultur des St\u00e4nderates \u2013 mit einem Gegenvorschlag zur Musikinitiative, einem direkten, um genau zu sein. <\/p>\n<p> Im Bewusstsein, dass die Initiative \u00abin das im Mai 2006 angenommene Dispositiv der so genannten Bildungsverfassung eingreift\u00bb ist die Kommission mit 7 zu 0 Stimmen bei 1 Enthaltung auf einen direkten Gegenentwurf eingetreten. Er \u00abrespektiert die Schulhoheit der Kantone gem\u00e4ss Artikel 62 der Bundesverfassung\u00bb.<\/p>\n<p> Dem Anliegen der Initiative soll jedoch Rechnung getragen werden, indem sich \u00abBund und Kantone im Rahmen ihrer Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr einen hochwertigen Musikunterricht und die F\u00f6rderung musikalisch Begabter gemeinsam einsetzen\u00bb sollen. Zudem soll der Bund die Grunds\u00e4tze \u00fcber die ausserschulische musikalische Bildung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen festlegen. <\/p>\n<p> Der direkte Gegenvorschlag wird nun den Kantonen sowie dem Initiativkomitee in einem verk\u00fcrzten Vernehmlassungsverfahren unterbreitet. \u00dcber die Abstimmungsempfehlung wird die Kommission nach Vorliegen der Vernehmlassungsresultate im kommenden Februar entscheiden. <\/p>\n<p> Das ist ein cleverer Schachzug, um weitere Diskussionen zu vermeiden: Die Initianten kriegen inhaltlich mehr oder weniger, was sie wollten, das Thema wird erledigt, die elementare Debatte eingeschl\u00e4fert, bevor sie \u00fcberhaupt richtig stattfinden kann. <\/p>\n<p> So funktioniert Politik in der Schweiz: F\u00fcr alli echli \u00f6ppis und kes grosses Gscht\u00fcrm. Das h\u00e4lt unser Land konkurrenzf\u00e4hig: Schweizer Politik ist berechenbar, unspektakul\u00e4r, auf Stabilit\u00e4t aus, mit andern Worten: investitionsfreundlich. <\/p>\n<p> Die Initianten der Musikinitiative haben es nun schwer: Ziehen sie die Initiative nicht zur\u00fcck, geraten sie in Gefahr, Zw\u00e4ngerei zu betreiben. Das m\u00f6gen die Schweizer auch gar nicht. Sie k\u00f6nnten deshalb gleich Initiative und Gegenvorschlag bachab schicken. Damit w\u00e4re der Sache der Musikbildung mehr Schaden als Nutzen erwachsen.<\/p>\n<p> Wird die Initiative zugunsten des Gegenvorschlages zur\u00fcckgezogen, ist allerdings das preisgegeben, was die St\u00e4rke der Initiative ausmacht: Dass \u00fcber die musikalische Bildung im Besonderen und die \u00e4sthetische im Allgemeinen \u00f6ffentlich diskutiert wird. Eine solche Diskussion t\u00e4te unserem Land mindestens genausogut wie ein schneller Vorschlag zur G\u00fcte. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 26.11.2010 &#8212; Im ukrainischen, koreanischen oder italienischen Parlament zerren die Abgeordneten einander an den Krawatten, sie&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-453","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=453"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/453\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}