{"id":454,"date":"2014-01-11T10:30:03","date_gmt":"2014-01-11T10:30:03","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-buchdeckel-zu-und-alle-fragen-offen\/"},"modified":"2014-01-11T10:30:03","modified_gmt":"2014-01-11T10:30:03","slug":"die-buchdeckel-zu-und-alle-fragen-offen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-buchdeckel-zu-und-alle-fragen-offen\/","title":{"rendered":"Die Buchdeckel zu und alle Fragen offen"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">02.12.2010 &#8212; Die Buchpreisbindung besch\u00e4ftigt die eidgen\u00f6ssischen R\u00e4te nach wie vor. In der Deutschschweiz ist sie 2007 abgeschafft worden, nachdem die Wettbewerbskommission sie verboten und das Bundesgericht eine Beschwerde des Buchh\u00e4ndler- und Verleger-Verbandes sowie des B\u00f6rsenvereins des Deutschen Buchhandels gegen den Entscheid abgewiesen hat. Im Mai 2009 hat der Nationalrat als Erstrat eine Vorlage f\u00fcr die gesetzliche Wiedereinf\u00fchrung der Buchpreisbindung angenommen. Der St\u00e4nderat hat sich diesen Fr\u00fchling des Themas angenommen. Das Differenzbereinigungs-Verfahren ist im Gang. <\/p>\n<p> In der laufenden Session war nun wieder der Nationalrat an der Reihe. Kommissionssprecherin Hildegard F\u00e4ssler zitierte da zuerst mal einen Passus aus der Vorlage: \u00abEin Buch ist viel mehr als ein simples kommerzielles Produkt oder ein Konsumobjekt. Es vermittelt Wissen und Ideen, es befasst sich mit der realen Welt oder mit einer Phantasiewelt, es dr\u00fcckt Emotionen aus und ist N\u00e4hrboden f\u00fcr Tr\u00e4ume.\u00bb Eine ziemlich optimistische Einsch\u00e4tzung der heutigen Buchproduktion ist das \u2013 so apodiktisch in den Raum gestellt. Es gibt auch B\u00fccher, die sind das Papier nicht wert, auf die gedruckt wurde.<\/p>\n<p> Der Punkt, der die Politik besch\u00e4ftigte, ist aber ein anderer: Der St\u00e4nderat m\u00f6chte den gesamten grenz\u00fcberschreitenden Buchhandel vom Geltungsbereich eines allf\u00e4lligen Gesetzes ausnehmen. Der Buchh\u00e4ndler- und Verleger-Verband ist gegen die Vorlage, wenn der Online-Handel ausgenommen wird. Der stimmt im Rat aber nat\u00fcrlich nicht mit ab. Die Nationalrats-Kommission war in der Sache gespalten.<\/p>\n<p> Der Z\u00fcrcher Hans Kaufmann, der die Linie des St\u00e4nderates unterst\u00fctzte, meinte, \u00abwenn wir schon Kultur f\u00f6rdern sollen, dann wollen wir doch die Schweizer Kultur f\u00f6rdern und nicht die \u00fcber 90 Prozent der B\u00fccher, die importiert werden; das ergibt doch keinen Sinn.\u00bb Wenig Sinn macht das Argument. Kaufmann scheint irgendwie nicht begriffen zu haben, dass Autoren, Verlage und Distributionskan\u00e4le verschiedene Dinge sind. <\/p>\n<p> Der Schaffhauser Hans-J\u00fcrg Fehr und die St. Gallerin Lukrezia Meier-Schatz entgegneten, es gehe nicht um Strukturerhaltung im \u00f6konomischen Sinn, sondern um die F\u00f6rderung des Buchhandels, der Buchproduktion und des Kulturgutes Buch. Zudem kennten die umliegenden L\u00e4nder eine Buchpreisbindung, um dieses Kulturgut eben auch zu sch\u00fctzen. Bundesrat Schneider-Ammann stellte in Abrede, dass der Buchhandel ohne Buchpreisbindung in seiner Existenz gef\u00e4hrdet w\u00e4re und bekr\u00e4ftigte einmal mehr den Willen des Bundesrates, auf eine Preisbindung \u00fcberhaupt zu verzichten. <\/p>\n<p> Schliesslich hat sich der Nationalrat im Gegensatz zum St\u00e4nderat daf\u00fcr ausgesprochen, den Onlinehandel von der Bindung in einem allf\u00e4lligen neuen Gesetz <em>nicht<\/em> auszunehmen. Das d\u00fcrfte einen Entscheid \u00fcber die Wiedereinf\u00fchrung einer Buchpreisbindung hinausz\u00f6gern, und \u2013 sollten sich die R\u00e4te nicht einigen \u2013 diese schliesslich zum Scheitern bringen. <\/p>\n<p> Preisbindung ja oder nein? Da gibt es wohl nur differenzierte und pragmatische Antworten. Welche L\u00f6sung Buchhandel und Konsumenten wirklich dient, scheint nicht so offensichtlich. Schade ist aber, dass die durchaus interessante Frage, ob das Buch per se nun ein sch\u00fctzenswertes Kulturgut ist oder nicht, im Rat \u00fcberhaupt keine Debatte ausgel\u00f6st hat. Lesen kann man auch mit einem elektronischen Leseger\u00e4t. Sollte das Ziel sein, erfolgreichen Autoren in Sinn einer \u00ablogischen Einheit der Materie\u00bb eine Existenz aus dem Verkauf von Papierb\u00fcchern zu erm\u00f6glichen, Verlagen und Buchhandlungen ebenso? Die ganz erfolgreichen werden das auch in Zukunft schaffen. Wie sieht\u2019s im Mittelfeld aus? Hat der Durchschnittsautor auch ein Recht auf eine solche Existenzgrundlage? <\/p>\n<p> Dass das gedruckte Buch heute unter existentiellem Druck ist, kann nur behaupten wer sich nie in eine Buchhandlung verirrt. Im Gegenteil. Die Trauben etwas h\u00f6her zu h\u00e4ngen, k\u00f6nnte ja dazu f\u00fchren, dass viele eigentlich unn\u00f6tige B\u00fccher nicht mehr die Ladenregale verstopfen. Der Konsument zumindest w\u00fcrde sich bedanken. Auf der andern Seite generiert aber m\u00f6glicherweise tats\u00e4chlich nur die Masse auch die Spitze. <\/p>\n<p> Nach der Nationalratsdebatte stehen wir \u2013 Brechts <em>Der gute Mensch von Sezuan<\/em> abgewandelt \u2013 selbst entt\u00e4uscht und sehn betroffen \/ Die Buchdeckel zu und alle Fragen offen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 02.12.2010 &#8212; Die Buchpreisbindung besch\u00e4ftigt die eidgen\u00f6ssischen R\u00e4te nach wie vor. 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