{"id":463,"date":"2014-01-11T11:41:46","date_gmt":"2014-01-11T11:41:46","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wem-gehoert-kunst-und-wozu-ist-sie-gut\/"},"modified":"2014-01-11T11:41:46","modified_gmt":"2014-01-11T11:41:46","slug":"wem-gehoert-kunst-und-wozu-ist-sie-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wem-gehoert-kunst-und-wozu-ist-sie-gut\/","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt Kunst und wozu ist sie gut?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">08.04.2011 &#8212; Wissenschaft und Kunst teilen eine Eigenschaft: Sie besch\u00e4ftigen sich mit den Grundlagen unseres Weltwissens und helfen uns, unsere Umwelt besser zu verstehen. Wissenschaft scheint dabei die h\u00e4rtere W\u00e4hrung zu sein \u2013 nicht nur weil sich aus ihr einfacher Technologien ableiten lassen, die sich wiederum in wirtschaftlichen Fortschritt und Wohlstand umm\u00fcnzen lassen. <\/p>\n<p> Wissenschaft hat einen Marketingvorteil, um das mal so krud zu sagen: Sie hat Fragen, und deren Beantwortung interessiert uns. Wie war das mit dem Urknall? Werden wir Menschen klonen k\u00f6nnen? K\u00f6nnen wir alternative Energien so weit vorantreiben, dass sie unsere Energieprobleme umweltfreundlich l\u00f6sen? Werden wir den Krebs besiegen? Fortschritte auf diesen Gebieten wecken Aufmerksamkeit und legitimieren damit den Wissenschaftsbetrieb.<\/p>\n<p> Auf der andern Seite: Wollen wir wirklich wissen, was die Kunst besch\u00e4ftigt? Rufen wir \u00abHeureka!\u00bb, und f\u00fchlen wir uns erleichtert, wenn Cervelats auf Bettdecken drapiert, pickelige Hautausschnitte auf Kirchenschiffe projiziert werden oder ein K\u00fcnstler einen Hai in Formaldehyd einlegt (nat\u00fcrlich! in <em>Formaldehyd!<\/em> Das Problem hat uns ja jahrelang besch\u00e4ftigt, wie man tote Haie am St\u00fcck zu Kunstobjekten umdefinieren k\u00f6nnte!)<\/p>\n<p> Der sportliche Aspekt, der Wissenschaft durchaus auch eigen ist (wer wird gewinnen?) geht der Kunst ab. Keiner w\u00fcrde sagen, dass Picasso ein Problem gel\u00f6st hat, das die Welt\u00f6ffentlichkeit besch\u00e4ftigte, oder dass Stockhausen endlich die knifflige Frage beantwortete, die uns schon lange umtrieb, wie elektronische Kl\u00e4nge in Neue Musik umgeschmiedet werden k\u00f6nnen (indem man sie in einen Feuerofen schiebt..) Die Physiker, Genetiker oder Biologen wie Einstein, Watson und Crick oder Tinbergen hingegen schon.<\/p>\n<p> K\u00fcnstlerische Neugier munitioniert aber genauso ein Erkenntnisprojekt wie die wissenschaftliche Forschung. Ihre Resultate sind allerdings nicht prim\u00e4r Dinge \u2013 Produkte oder Technologien \u2013, sondern Prozesse und Erkenntnisstrategien. Nutzniesser wissenschaftlicher Forschung profitieren von den Produkten, die daraus resultieren \u2013 Medikamenten, Apparaten, Infrastrukturen etc. Nutzniesser der Kunst profitieren von den Strategien, die Welt wahrzunehmen, mit denen sie Kunstwerke ausstatten.<\/p>\n<p> Die Kunstwerke selber k\u00f6nnen wir, haben sie ihre Botschaft einmal \u00fcberbracht, wie die buddhistischen Wanderer das Boot zur\u00fccklassen, mit dem sie \u00fcber den Fluss gelangt sind. Deshalb haben wir auch das intuitive Gef\u00fchl, dass Kunstwerke irgendwie <em>allen<\/em> geh\u00f6ren, weil alle am Wesentlichen daran partizipieren k\u00f6nnen \u2013 und k\u00f6nnen sollten. <\/p>\n<p> Heute werden Kunstwerke (vor allem der bildenden Kunst) allerdings f\u00fcr einen Kunstmarkt geschaffen, und ihr Wert wird in Geldsummen gemessen, die f\u00fcr sie auf Auktionen oder Messen bezahlt werden. Zeitgeistige Deutungen dienen h\u00e4ufig bloss noch als sch\u00f6ngeistiges Rechtfertigungs-M\u00e4ntelchen. <\/p>\n<p> Die Idee, dass Kunstwerke der Allgemeinheit geh\u00f6ren, keinen <em>materiellen<\/em> Wert haben und in staatlich finanzierten Museen allgemein zug\u00e4nglich gemacht werden m\u00fcssen, geht mehr und mehr verloren. Sie wird als sozialistisches Gedankengut denunziert, dabei entspringt sie urliberalem Gedankengut. <\/p>\n<p> Und irgendwie beschleicht einen das Gef\u00fchl, die Frage, wie wir mit Kunstwerken umgehen und welchen Stellenwert wir ihnen zuweisen, sei ein Gradmesser daf\u00fcr, welchen Wert wir dem Staat als ordnender Kraft zumessen. Wer den Staat unabl\u00e4ssig schlechtmacht, sieht auch prim\u00e4r oder gar ausschliesslich den materiellen Wert der Kunst, der vor allem darin besteht, etwas ausschliesslich zu besitzen, was eigentlich der Allgemeinheit geh\u00f6rt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 08.04.2011 &#8212; Wissenschaft und Kunst teilen eine Eigenschaft: Sie besch\u00e4ftigen sich mit den Grundlagen unseres Weltwissens&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-463","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=463"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}