{"id":464,"date":"2014-01-11T11:42:23","date_gmt":"2014-01-11T11:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/private-und-oeffentliche-kulturfoerderung\/"},"modified":"2014-01-11T11:42:23","modified_gmt":"2014-01-11T11:42:23","slug":"private-und-oeffentliche-kulturfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/private-und-oeffentliche-kulturfoerderung\/","title":{"rendered":"Private und \u00f6ffentliche Kulturf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">22.04.2011 &#8212; Haben Private und der Staat in Sachen Kulturf\u00f6rderung dieselben Ziele? Auf den ersten Blick scheint dies der Fall zu sein. Und da davon ausgegangen wird, dass am gleichen Strick gezogen wird, scheinen sogenannte Public-Private-Partnerships ein gangbarer Weg, um K\u00fcnstler und Kulturinstitutionen mit gen\u00fcgend Geld zu versorgen. Tats\u00e4chlich sind die Interessen von Staat und Wirtschaft oder privaten M\u00e4zenen in Sachen Kultur aber nicht nur ungleich, sie sind im Grunde genommen sogar unvereinbar.<\/p>\n<p> Sponsoren und M\u00e4zene sind politischen Parteien vergleichbar, die ihre Werte und gesellschaftlichen Konzeptionen im Wettbewerb der Ideen durchzusetzen versuchen. Sie m\u00fcssen (sollten) nicht mehrheitsf\u00e4hig sein, k\u00f6nnen vision\u00e4r auftreten oder restaurativ und \u00fcberzeugt sein, die richtigen Vorstellungen von Gut und B\u00f6se, respektive kultiviert und dekadent zu repr\u00e4sentieren. <\/p>\n<p> Wenn der Staat dasselbe tut, dann schafft er ein demokratietheoretisches Problem: Masst er sich an, Qualit\u00e4t und Innovationskraft k\u00fcnstlerischer \u00c4usserungen zu beurteilen, kann er dies nur nach bestehenden Kriterien tun. Diese sind per se exklusiv und verordnend. Staatliche Kunstkommissionen und -preise sind so gesehen ein Relikt aus paternalistischen Zeiten der Staatsf\u00fchrung \u2013 ein autorit\u00e4rer Akt einer aus der politischen Mode geratenen <em>Classe culturelle<\/em>. <\/p>\n<p> Es ist in gewisser Hinsicht Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die Kunstf\u00f6rderung sich noch in den privilegiengesteuerten nepotistischen Denkmustern des 19. Jahrhunderts zu bewegen scheint. Sie h\u00e4lt ein System von \u00abStaatskunst\u00bb aufrecht, auch wenn dieses weniger propagandistischen Zwecken sozialistischer Pr\u00e4gung verpflichtet ist als eher einem grossb\u00fcrgerlichen Mythos, der sich an der \u00dcberzeugung festklammert, sein subjektives Lebensgef\u00fchl sei nach wie vor die Maxime, die alleine als allgemeines Gesetz gelten k\u00f6nne.<\/p>\n<p> Betrachtet man aristokratische Geschmacksverfeinerung als privaten Lebensentwurf, dann ist daran \u00fcberhaupt nichts auszusetzen. Private haben in der Kunstf\u00f6rderung f\u00fcr Ecken, Kanten, Denkanst\u00f6sse, Spitzenleistungen (nach welchen Kriterien auch immer) und einen finanziell gut gef\u00fctterten Markt zu sorgen und k\u00f6nnen sich dabei eine b\u00fcrgerlich-elit\u00e4re Attit\u00fcde leisten. <\/p>\n<p> Der Staat hat in der Kunstf\u00f6rderung demgegen\u00fcber f\u00fcr Chancengleichheit zu sorgen. In der Gesellschaftspolitik muss er dies aus der Einsicht tun, dass alle Menschen gleich sind, also dem Gedanken der <em>Egalit\u00e9<\/em> der Aufkl\u00e4rung folgend. <\/p>\n<p> In der Kulturf\u00f6rderung tut er es, weil er die Vielfalt der ungehinderten und interessenlosen Lust am Suchen, Pr\u00f6beln, Ausprobieren, T\u00fcfteln und Erfahrungen machen zu garantieren hat. Und weil er verhindern muss, dass sich eine Konzeption davon, was Kunst ist, gegen\u00fcber alternativen Sichtweisen durchsetzen kann. Er muss also sozusagen die Rolle einer \u00e4sthetischen Antikartell-Beh\u00f6rde einnehmen, und nicht die eines Mitspielers oder Wettenden im Rennen um die Zukunft der besten Ideen.<\/p>\n<p> Diese Rolle sollte er in zweifacher Hinsicht spielen. Einerseits, indem er die Infrastrukturen zur k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit schafft (so wie er im 19. Jahrhundert in der Gr\u00fcnderzeit Strassen, Energie und Kommunikationskan\u00e4le schuf, um der Industrie zur freien Entfaltung zu verhelfen). Andererseits als Garant freier Meinungs\u00e4usserung und der Freiheit der Kunst.<\/p>\n<p> Kunstf\u00f6rderung braucht einen starken Staat, der \u2013 um es mal kantisch auszudr\u00fccken \u2013 sich um die Bedingungen ihrer M\u00f6glichkeit sorgt, und sie braucht engagierte private Sponsoren und M\u00e4zene, um profilierten, kontroversen, aneckenden und anregenden \u00e4sthetischen Konzeptionen Existenz und Stimme zu geben. Das sind unvereinbare Ziele. Ein Diskussion dar\u00fcber ist \u2013 gerade mit Blick auf die Partnerschaften von \u00d6ffentlicher Hand und Privaten \u2013 aber noch nicht in Gang gekommen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 22.04.2011 &#8212; Haben Private und der Staat in Sachen Kulturf\u00f6rderung dieselben Ziele? 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