{"id":466,"date":"2014-01-11T11:43:27","date_gmt":"2014-01-11T11:43:27","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturpolitischer-pfusch-im-staenderat\/"},"modified":"2014-01-11T11:43:27","modified_gmt":"2014-01-11T11:43:27","slug":"kulturpolitischer-pfusch-im-staenderat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturpolitischer-pfusch-im-staenderat\/","title":{"rendered":"Kulturpolitischer Pfusch im St\u00e4nderat"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">21.05.2011 &#8212; Da glaubt man, schon nur zur Sicherung des Status quo viel Energie aufwenden zu m\u00fcssen. Und nun dies: Locker empfiehlt die Kommission f\u00fcr Wissenschaft, Bildung und Kultur des St\u00e4nderates (WBK-S), das vorgesehene Budget f\u00fcr die Kulturausgaben des Bundes f\u00fcr die Jahre 2012 bis 2015 um 50,6 Millionen Franken aufzustocken. Bei einem Total von 637,9 Millionen Franken w\u00e4ren das immerhin rund 8 Prozent mehr f\u00fcr die Bundeskultur. Da wird einem das juristische Gewissen des Nationalrates oder die sonst eher schwerf\u00e4llige <em>Chambre de R\u00e9flexion<\/em> ja schon fast sympathisch.<\/p>\n<p> Ein zweiter Blick lohnt sich allerdings: Die gute Nachricht ist die Absicht des Rates, der Kulturstiftung Pro Helvetia gut 2 Millionen Franken mehr zuzuschieben, ohne dass in der entsprechenden Mitteilung spezifiziert w\u00fcrde, wozu die Mittel am Hirschengraben in Z\u00fcrich genutzt werden sollten. Irgendwie wirkt das wie eine sp\u00e4te Wiedergutmachung f\u00fcr die Million, die der St\u00e4nderat in einem seiner peinlichsten und unr\u00fchmlichsten Entscheide seiner j\u00fcngeren Geschichte der Kulturstiftung nach der Hirschhorn-Aff\u00e4re abgezwackt hat. <\/p>\n<p> (Es war ja auch nicht wirklich eine <em>Hirschhorn<\/em>-Aff\u00e4re, sondern eher eine solche der unw\u00fcrdigen Kollektivbestrafung der Kulturschaffenden f\u00fcr einen populistisch augeschlachteten Scheinskandal im Bundesparlament.) Sch\u00f6n und gut zu wissen, dass der St\u00e4nderat (oder zumindest seine zust\u00e4ndige Kommission) das Thema Kultur mittlerweile etwas entspannter angeht. <\/p>\n<p> Nun zur schlechten Nachricht und damit auch gleich zum Thema Verschw\u00f6rungstheorien: Man hatte ja schon in Sachen Buchpreisbindung den Eindruck, der Buchhandel lobbyiere f\u00fcr eine Strukturerhaltung, die eine Auseinandersetzung \u00fcber den ge\u00e4nderten Umgang mit gedruckten und elektronischen Medien und den wirtschaftlichen Auswirkungen davon eher behindere als f\u00f6rdere.<\/p>\n<p> Ob sich die gleichen Kreise f\u00fcr das Modell <em>Succ\u00e8s livre et litt\u00e9rature<\/em> ins Zeug gelegt haben? Dem Bundesamt f\u00fcr Kultur (BAK) sollen n\u00e4mlich 12 Millionen Franken mehr in die Kasse gelegt werden, explizit mit dem Auftrag, dieses umzusetzen. Das Modell soll (im O-Ton der Mitteilung) als \u00aberfolgsorientiertes F\u00f6rderinstrument als Erg\u00e4nzung zur selektiven F\u00f6rderung, mit einer marktorientierten Hilfe die Pr\u00e4senz schweizerischer B\u00fccher auf dem Markt f\u00f6rdern und gleichzeitig zu einer verbesserten Verbreitung der B\u00fccher beitragen\u00bb. <\/p>\n<p> Kommt das in beiden R\u00e4ten durch, bedeutet es einen unzul\u00e4ssigen Eingriff in die Gestaltungsautonomie des Bundesamtes. Er ist vermutlich sogar gravierender als die Strategiehoheit, die dem Bundesrat im Kulturf\u00f6rdergesetz mit Blick auf die Pro Helvetia zugestanden worden ist: Dem BAK wird da in der Literaturf\u00f6rderung explizit der Auftrag geben, wirtschaftlichem Erfolg eines Autors Gewicht beizumessen. <\/p>\n<p> An solchen F\u00f6rdermassnahmen ist im Prinzip nichts auszusetzen, wenn sie sich <em>im Rahmen einer Wirtschaftsf\u00f6rderung<\/em> bewegen und mit der Forderung verbunden sind, den Buchhandel (oder allgemeiner den Handel mit literarischen Texten) zu einer Zukunftsbranche zu machen, die mit Blick auf Renditen und Arbeitspl\u00e4tze den Staat st\u00fctzt und nicht umgekehrt. <em>Kulturf\u00f6rderung<\/em> hat andere Aufgaben. <\/p>\n<p> In Sachen Filmf\u00f6rderung wird \u00c4hnliches ins Auge gefasst: Sie soll 10 Millionen Franken mehr erhalten. Eine Mehrheit der Kommission wies darauf hin, dass die zus\u00e4tzlich beantragten Gelder in die Filmf\u00f6rderung und nicht in die Digitalisierung von Kinos fliessen sollen. <\/p>\n<p> Auch hier w\u00e4hnen wir uns im falschen Film: Nachdem in der Debatte um das Kulturf\u00f6rdergesetz mehr oder weniger alle Versuche, auf parlamentarischem Weg die Inhalte der Kulturf\u00f6rderung zu bestimmen, abgewehrt wurden, kramt man sie hinter den Kulissen nun wieder aus der Klamottenkiste.<\/p>\n<p> Gegen mehr Geld f\u00fcr das BAK f\u00fcr die Literaturf\u00f6rderung ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Je mehr Geld, umso besser. Gegen mehr Geld f\u00fcr das BAK f\u00fcr die Filmf\u00f6rderung ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Je mehr Geld, umso besser. Gegen ein Herumpfuschen in Strategien aufgrund tagespolitischer Befindlichkeiten und Einfl\u00fcsterungen von Lobbyisten ist hingegen einiges einzuwenden. Da sollten sich die Damen und Herren St\u00e4nderate standhaft zeigen. So heissen sie ja schliesslich auch. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 21.05.2011 &#8212; Da glaubt man, schon nur zur Sicherung des Status quo viel Energie aufwenden zu&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-466","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=466"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/466\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}