{"id":470,"date":"2014-01-11T11:48:31","date_gmt":"2014-01-11T11:48:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kunst-und-religion-ii-integration-vs-aufklaerung\/"},"modified":"2014-01-11T11:48:31","modified_gmt":"2014-01-11T11:48:31","slug":"kunst-und-religion-ii-integration-vs-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kunst-und-religion-ii-integration-vs-aufklaerung\/","title":{"rendered":"Kunst und Religion II: Integration vs. Aufkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">15.07.2011 &#8212; Anl\u00e4sslich eines Besuches in der Schweiz hat Olaf Zimmermann, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Kulturrates, vor einigen Wochen beschrieben, wie in Deutschland Kulturf\u00f6rderung neuerdings in den Strudel des religi\u00f6sen Dialoges ger\u00e4t \u2013 nicht zuletzt im Zuge der Diskussionen um die Integration von Migranten aus nichtchristlichen Kulturen. Dabei rutscht die Kulturpolitik (das hat Zimmermann nicht gesagt, ist aber eine Konsequenz daraus) in eine Art Double-Bind-Position: Sie muss zwei widerspr\u00fcchliche Aufgaben erf\u00fcllen. Welche davon falsch ist, l\u00e4sst sich aber einfach feststellen.<\/p>\n<p> Die Kulturpolitik m\u00fcsse in Zukunft so gestaltet werden (das hat Zimmermann wiederum so gesagt), dass Migranten und Migrantinnen gleichen Zugang und gleiche Chancen haben wie alle andern K\u00fcnstler. Damit \u2013 so kann man Zimmermanns Aussage interpretieren \u2013 macht die Kulturf\u00f6rderung einen entscheidenden Schritt weg von der Aufgabe der Definition einer nationalen Identit\u00e4t oder Selbstdarstellung; sie entwickelt sich hin zur H\u00fcterin einer offenen Gesellschaft und zur Garantin f\u00fcr Chancengleichheit, die sich weder national noch weltanschaulich festlegen darf.<\/p>\n<p> Eine solche Ansicht kann man uneingeschr\u00e4nkt teilen. Kulturf\u00f6rderung sollte konsequent verhindern, dass Themen, Prozesse oder Ideen aus was f\u00fcr Gr\u00fcnden auch immer tabuisiert oder ausgeklammert werden. Es ist zwar nicht ihre eigentliche Aufgabe, aber ein bedeutender Selbstverteidigungs-Mechanismus, der garantiert, dass sie ihre zentrale Bestimmung erf\u00fcllen kann: Raum f\u00fcr neue Erkenntnisse, Erfahrungen und gesellschaftliche Entw\u00fcrfe zu schaffen und Tabuisierungen zu verhindern. Sie sollte dabei wie Justitia blind urteilen und ihre Gunst ungeachtet der Herkunft, gesellschaftlichen Stellung und politischen \u00dcberzeugung der Bittsteller erweisen. <\/p>\n<p> Dabei bleibt es aber leider nicht. Bislang, so Zimmermann, habe f\u00fcr den Deutschen Kulturrat die religi\u00f6se Frage keine eigentliche Rolle gespielt, und es habe einen Grundkonsens gegeben, dass sie auch keine Rolle spielen sollte. Man habe nicht gewollt, dass \u00abdie Religion Kulturf\u00f6rderstrukturen \u00fcberlagert\u00bb. Von diesem Prinzip komme man nun ab. Religi\u00f6se Strukturen, die es im Kulturbereich gebe, sollten auch in den Kulturrat integriert werden. Damit m\u00fcsse man sich Gedanken machen, wie man mit den religi\u00f6sen Strukturen arbeite. <\/p>\n<p> Soll die Kulturf\u00f6rderung sich tats\u00e4chlich im Rahmen des interreligi\u00f6sen Dialoges engagieren? Kann sie dazu einen Beitrag leisten, den andere Institutionen nicht zu leisten imstande sind? Als Argument daf\u00fcr erinnerte Zimmermann daran, dass religi\u00f6se \u00c4usserungen ja auch Teil der Kultur seien. Er gab aber auch offen zu, dass man sich da auf ein Minenfeld begebe. <\/p>\n<p> Hier sollte man das F\u00e4hnlein der Aufkl\u00e4rung hochhalten: Kulturf\u00f6rderung darf nicht affirmativer Teil des religi\u00f6sen Dialoges werden, sie muss vielmehr s\u00e4kulare Garantin einer offenen Gesellschaft bleiben. W\u00fcrde sie zur Partnerin im interreligi\u00f6sen Dialog, m\u00fcsste sie auf religi\u00f6se Empfindlichkeiten R\u00fccksicht nehmen und unter Umst\u00e4nden Tabus mittragen, wo sie als H\u00fcterin der offenen Gesellschaft die Aufgabe h\u00e4tte, daf\u00fcr zu sorgen, dass diese B\u00fcrgern, die sie nicht als die ihren betrachten, nicht aufgezwungen werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Es ist zu hoffen, dass sich Kulturf\u00f6rderer gegen eine Vereinnahmung durch (inter-)religi\u00f6se Debatten konsequent zur Wehr setzen und damit ein unmissverst\u00e4ndliches Zeichen daf\u00fcr setzen, dass Religion Privatsache bleibt und nicht den politischen Dialog mitbestimmen darf. <\/p>\n<p> In einer Hinsicht allerdings teilen Kulturf\u00f6rderung und Religion einen gesellschaftlichen Wert: Beide sollten daf\u00fcr stehen, dass der Mensch, das Individuum einen eigenen Wert hat, ganz unbh\u00e4ngig von seinem wirtschaftlichen Leistungsverm\u00f6gen, seinem Warenwert als Arbeitskraft oder seiner gesellschaftlichen Stellung. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 15.07.2011 &#8212; Anl\u00e4sslich eines Besuches in der Schweiz hat Olaf Zimmermann, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Kulturrates,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-470","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/470","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=470"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/470\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=470"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=470"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=470"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}