{"id":474,"date":"2014-01-11T11:50:27","date_gmt":"2014-01-11T11:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/trutzig-bis-der-zug-abgefahren-ist\/"},"modified":"2014-01-11T11:50:27","modified_gmt":"2014-01-11T11:50:27","slug":"trutzig-bis-der-zug-abgefahren-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/trutzig-bis-der-zug-abgefahren-ist\/","title":{"rendered":"Trutzig \u2013 bis der Zug abgefahren ist"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">09.09.2011 &#8212; Okay, wir wissen, dass es in der Schweiz einen Typus Politiker gibt, der es nicht f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt, zur Kenntnis zu nehmen, wie in Europa Probleme gel\u00f6st werden, die auch wir haben. Begr\u00fcnden tut er das wahlweise damit, dass wir eh alles besser machen (was im einen oder andern Fall sogar zutreffen d\u00fcrfte) oder \u2013 noch plumper \u2013 dass eine Auseinandersetzung mit den Denkmustern Europas fr\u00fcher oder sp\u00e4ter dazu f\u00fchren muss, dass die Schweiz sich unter das Dach der EU stellt. Gott bewahre! Wehret den Anf\u00e4ngen! Na ja, da sind wir dann bald bei der ber\u00fchmten Gef\u00e4ngnis-Rede D\u00fcrrenmatts.<\/p>\n<p> Auf der andern Seite wird wohl kaum einer (schon nur, weil er politisch nicht Selbstmord begehen will), bestreiten, dass der durchschnittliche PIQ (Politische Intelligenzquotient) in Europa nicht tiefer ist als in den engen Grenzen der Confoederatio Helveticae. Da darf man mindestens nicht ausschliessen, dass auch dort anst\u00e4ndig gearbeitet wird, und man riskiert m\u00f6glicherweise, irgendeinmal europ\u00e4isch ins Hintertreffen zu geraten, denn wir Eidgenossen kochen n\u00e4mlich auch nur mit Wasser, im Fall.<\/p>\n<p> Also, sag Europa, wie hast du\u2019s mit den Kulturausgaben? <\/p>\n<p> Wir haben Zahlen: An einem Forum in Turku hat das Netzwerk Eurocities die Fakten auf den Tisch gelegt. Die meisten St\u00e4dte haben die Kulturbudgets nicht reduziert. Es gibt Metropolen, die sogar signifikant mehr Geld f\u00fcr Kultur aufwerfen als noch vor wenigen Jahren, Nantes etwa hat das Budget seit 2008 um 18 Prozent hochgeschraubt, Rotterdam immerhin noch um 3 Prozent. Es gibt nat\u00fcrlich auch die anderen Extreme, etwa Slowenien, das die Budgets um satte 38 Prozent beschnitten hat. Das tut nat\u00fcrlich weh. <\/p>\n<p> Ein EU-Bericht weist aber auch auf eine generelle Herausforderung hin, vor der vor allem L\u00e4nder in Zentral- und Osteuropa stehen: Wie legitimieren sich staatlich finanzierte Theater- und Opernh\u00e4user gegen\u00fcber einer wachsenden, immer dynamischeren und originelleren freien Szene, die ihnen k\u00fcnstlerisch mehr und mehr den Rang abl\u00e4uft? Was der Bericht nicht sagt, aber offensichtlich scheint: Die grossen Opernh\u00e4user und Theater sind im Grunde genommen Auslaufmodelle, Relikte aus der Zeit stolzer Selbtsdarstellung eines staatstragenden B\u00fcrgertums, das so heute immer weniger Gewicht hat.<\/p>\n<p> Der Bericht stellt denn auch fest, dass \u00fcber die staatlichen Kulturbudgets zuk\u00fcnftig von wesentlich breiteren Kreisen entschieden wird als bisher. Wenn sich die subventionierte Kultur nicht vielf\u00e4ltigeren Anspr\u00fcchen \u00f6ffnet, wird sie es schwer haben, f\u00fcr ihre Anliegen Mehrheiten zu finden. <\/p>\n<p> Der <a href=\"http:\/\/www.culturalpolicies.net\/web\/compendium-topics.php?aid=174\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht<\/a> weist auch darauf hin, dass eine nicht geringe Zahl staatlicher und st\u00e4dtischer Regierungen der EU sich in Sachen Kulturf\u00f6rderung antizyklisch verhalten, weil sie sich bewusst sind, dass \u00abeine vielf\u00e4ltige und produktive kulturelle Umgebung Entscheidendes dazu beitragen kann, die gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen der Zivilgesellschaft und der \u00d6konomie\u00bb zu bew\u00e4ltigen\u00bb.<\/p>\n<p> In der Schweizer Politik scheint s\u2019Zw\u00e4nzgi da noch nicht wirklich gefallen zu sein. Der St\u00e4nderat und die zust\u00e4ndige Kommission des Nationalrates bleiben offenbar stur dabei, Heimat- und Denkmalschutz etwas mehr Geld zuzuschieben und die Zukunftsprojekte der Kulturschaffenden nicht richtig in Gang kommen zu lassen. Die Schweiz ist so auf dem Weg zum bluemete Tr\u00f6gli ohne Zukunftsprojekte. Kann sie sich das noch leisten? <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 09.09.2011 &#8212; Okay, wir wissen, dass es in der Schweiz einen Typus Politiker gibt, der es&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-474","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=474"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/474\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}