{"id":475,"date":"2014-01-11T11:51:02","date_gmt":"2014-01-11T11:51:02","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/weltfriede-und-gerechtigkeit-dank-kultur\/"},"modified":"2014-01-11T11:51:02","modified_gmt":"2014-01-11T11:51:02","slug":"weltfriede-und-gerechtigkeit-dank-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/weltfriede-und-gerechtigkeit-dank-kultur\/","title":{"rendered":"Weltfriede und Gerechtigkeit dank Kultur"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">23.09.2011 &#8212; Die Musikr\u00e4te Deutschlands, \u00d6sterreichs und der Schweiz haben gemeinsam unter einem Dach (D-A-CH: Deutschland, Austria, Confoederatio Helvetica): getagt und eine Resolution verabschiedet. Sie fordert \u00abdie Zivilgesellschaft, die Parlamente und die Regierungen\u00bb auf, die Unesco-Konvention zum Schutz und zur F\u00f6rderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen konsequent umzusetzen. Die etwas salbungsvoll und damit nat\u00fcrlich nicht sehr griffig geratene Resolution will verhindern, dass das Unesco-Anliegen zur \u00abSchubladen-Konvention\u00ab wird.<\/p>\n<p> Wie steht es damit in der Schweiz? Die Konvention ist hier im Oktober 2008 in Kraft getreten. Sie darf nicht verwechselt werden mit der Unesco-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, die gleichzeitig in Kraft getreten ist und \u00f6ffentlich intensiver diskutiert wird, weil das Volk aufgefordert worden ist, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Liste des immateriellen Kulturerbes in der Schweiz zu machen. <\/p>\n<p> Die beiden Konventionen sind komplement\u00e4r: Diejenige zum immateriellen Kulturerbe betont mehr den heimatlichen Aspekt und zielt nicht zuletzt auf das Volkskulturgut. Diejenige zur F\u00f6rderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen riecht etwas nach Multikulti und birgt deshalb mehr politischen Z\u00fcndstoff. Kein Wunder, dass sie etwas in den Hintergrund ger\u00fcckt wird. <\/p>\n<p> St\u00f6bert man in der Konvention, versteht man, weshalb die Resolution des Musikrates so wolkig daherkommt. Der Unesco-Text neigt n\u00e4mlich selber zum Bombast. Der Vielfalts-F\u00f6rderung wird da gleich auch noch Verantwortung f\u00fcr die St\u00e4rkung der Frau, den interkulturellen Dialog, die Emanzipation der Entwicklungsl\u00e4nder und den Weltfrieden aufgeb\u00fcrdet.<\/p>\n<p> Das ist ein typisches Beispiel f\u00fcr den Hologramm-Charakter des g\u00e4ngigen Kulturverst\u00e4ndnisses, das selbst noch vom banalsten Provinzkonzertchen und der trivialsten Quartierlesung Engagement f\u00fcr die Chancengleichheit der Geschlechter, Abschaffung der Todesstrafe, Gerechtigkeit f\u00fcr unterdr\u00fcckte V\u00f6lker und Antworten zum spirituellen Ursprung des Universums erwartet.<\/p>\n<p> In der Konvention steht etwa: \u00abDie Vertragsparteien bem\u00fchen sich, in ihrem Hoheitsgebiet ein Umfeld zu schaffen, in dem Einzelpersonen und gesellschaftliche Gruppen darin best\u00e4rkt werden (&#8230;) ihre eigenen kulturellen Ausdrucksformen zu schaffen, herzustellen, zu verbreiten, zu vertreiben und Zugang zu ihnen zu haben, wobei die besonderen Bedingungen und Bed\u00fcrfnisse von Frauen sowie von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, einschliesslich der Personen, die Minderheiten oder indigenen V\u00f6lkern angeh\u00f6ren, geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigt werden.\u00bb <\/p>\n<p> In der Musikrats-Resolution wird auch gleich mit der ganz, ganz grossen Kelle angerichtet. Als erstes fordert sie \u00abdie Zivilgesellschaft, die Parlamente und die Regierungen\u00bb auf, \u00abim Sinne einer Vorbehaltsklausel alle politischen Themen auf die Anwendbarkeit der Unesco-Konvention Kulturelle Vielfalt genau zu pr\u00fcfen und diese ggf. umgehend anzuwenden.\u00bb <\/p>\n<p> Man muss sich das einmal vorstellen: Die Musikr\u00e4te erhoffen sich letztlich, in alle politische Diskussionen und Debatten eine Pr\u00fcfung der Kompatibilit\u00e4t mit den Anliegen der F\u00f6rderung der kulturellen Vielfalt zu integrieren.<\/p>\n<p> Das klingt noch ehrgeiziger als die Idee, welche die Gr\u00fcnen in der Schweiz einmal aufgebracht haben. Alle politische Entscheide h\u00e4tten sie gerne einer Kulturvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung unterstellt. Als ob die Agenda von Parlamenten und Verwaltungen nicht schon unter viel zu viel b\u00fcrokratischem Ballast zusammenzubrechen drohte. <\/p>\n<p> Es ist m\u00f6glich, dass der schlechte Ruf, den Kulturpolitik unter den Politikern hat, sich nicht zuletzt mit dieser Inflation von Anspr\u00fcchen, Anforderungen und Appellen, verbunden mit ebenso gewichtigen wie vagen praktischen Forderungen zu tun hat. Etwas mehr n\u00fcchterner Pragmatismus w\u00fcrde der Kulturpolitik im Alltag sicherlich nicht schaden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 23.09.2011 &#8212; Die Musikr\u00e4te Deutschlands, \u00d6sterreichs und der Schweiz haben gemeinsam unter einem Dach (D-A-CH: Deutschland,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-475","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/475","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=475"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/475\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=475"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=475"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=475"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}