{"id":477,"date":"2014-01-11T11:52:12","date_gmt":"2014-01-11T11:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturaufgaben-fuer-das-neue-parlament\/"},"modified":"2014-01-11T11:52:12","modified_gmt":"2014-01-11T11:52:12","slug":"kulturaufgaben-fuer-das-neue-parlament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturaufgaben-fuer-das-neue-parlament\/","title":{"rendered":"Kulturaufgaben f\u00fcr das neue Parlament"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">21.10.2011 &#8212; Kommenden Januar beginnt mit der Umsetzung der ersten Kulturbotschaft eine neue Epoche in der Schweizer Kulturpolitik. Zugleich nimmt nach den Wahlen dieses Wochenendes ein neues Parlament seine Arbeit auf. Was erwarten wir von den frischen Mann- und Frauschaften in den eidgen\u00f6ssischen R\u00e4ten? Es stellen sich Herausforderungen, die ins Innerste des Schweizer Kulturverst\u00e4ndnisses f\u00fchren. Es sind vor allem drei Baustellen: Nationale Koh\u00e4sion, die St\u00e4rkung der gewerblich-handwerklichen Kultur und Perspektiven f\u00fcr zukunftsf\u00e4hige Wirtschaftsbranchen, die eher den Regeln der Kreativwirtschaft folgen als denjenigen der klassischen Finanz- und Maschinenindustrien.<\/p>\n<p> Die nationale Koh\u00e4sion \u2013 der innere Zusammenhalt der Nation \u2013 lockert sich sowohl vertikal wie auch horizontal: Die Sprachregionen entfernen sich immer mehr voneinander, das Interesse aneinander sinkt, fatale Gleichg\u00fcltigkeit und Uninformiertheit macht sich breit. Eine kulturelle Initiative m\u00fcsste darauf abzielen, die gegenseitige Neugier wieder anzuregen. Es muss attraktiver werden, eine zweite oder dritte Landessprache zu lernen, und f\u00fcr traditionelle \u00abAustauschprogramme\u00bb \u2013 gemeinsamer Milit\u00e4rdienst und Au-pair-Aufenthalte \u2013, die fr\u00fcher so viel zu Begegnungen \u00fcber die Sprachgrenzen hinaus beigetragen haben, m\u00fcssen moderne Pendants gefunden werden. Der Kulturaustausch d\u00fcrfte da eine strategische Rolle spielen.<\/p>\n<p> Aber auch vertikal kommt es zur Entsolidarisierung. Dabei ist nicht nur die vielzitierte Schere zwischen Reich und Arm, die sich immer mehr \u00f6ffnet, eine Gefahr. Fast bedrohlicher scheint die schleichende gesellschaftliche Abwertung nichtakademischer Berufe. Dabei hat unser Land seinen Wohlstand wesentlich einer stolzen Handwerker- und Gewerblertradition zu verdanken. Sie ist eng mit dem traditionellen Vereinswesen verbunden. Es m\u00fcssen Modelle gefunden werden f\u00fcr eine soziale und kulturelle Identit\u00e4t, die auch f\u00fcr Junge attraktiv sind und die ihnen Perspektiven \u00f6ffen. <\/p>\n<p> Mit andern Worten: Es muss wieder mindestens so attraktiv werden, Metzger, Maurer oder G\u00e4rtner zu lernen, wie eine KV-Lehre oder eine Hochschulausbildung zu absolvieren. Den Schl\u00fcssel dazu liefern M\u00f6glichkeiten lebenslanger Weiterbildung, soziale Durchl\u00e4ssigkeit und eben auch eine hohe Wertsch\u00e4tzung handwerklicher und gewerblicher Kultur. <\/p>\n<p> Daneben muss sich die liberale Mitte in der Politik endlich bewegen. Vor einiger Zeit haben die Freisinnigen die Weichen fundamental falsch gestellt. Statt als \u00abliberales Original\u00bb die Kernaufgabe einer Integration von Meinungsvielfalt, Vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngenden und Bewahrenden und der F\u00fclle von Lebensentw\u00fcrfen zu verfolgen, hat die Partei ihren linken Fl\u00fcgel gel\u00e4hmt, sich unter dem fatalen Motto \u00abdie Reihen schliessen\u00bb auf eine wenig zukunftsf\u00e4hige rechtsb\u00fcrgerliche Position zur\u00fcckgezogen und sich vornehmlich auf Strukturerhaltung kapriziert.<\/p>\n<p> Das ist unliberal. Liberalismus bedeutet, immer und immer wieder und immer neu f\u00fcr eine Vielfalt von Positionen und Ideen zu k\u00e4mpfen \u2013 auf der Basis der Prinzipien der Selbstverantwortung, Leistungsbereitschaft und dem sorgf\u00e4ltigen Umgang mit den Ressourcen, nicht nur, aber auch der finanziellen.<\/p>\n<p> Die Folgen des Versagens der Liberalen sind bereits sichtbar: Die Aufbruchstimmung in Sachen \u00f6kologischer Wirtschaft, die noch in den 1990er-Jahren zu sp\u00fcren war, ist erlahmt, die f\u00fchrende Position des Landes etwa in Sachen Sonnenenergie ist verloren gegangen. Die Kreativwirtschaft, die ebenfalls wichtige Impulse zu einer Erneuerung der Schweizer Wirtschaftsstruktur geben k\u00f6nnte, wird praktisch ignoriert. Daf\u00fcr wird intensiv f\u00fcr Finanzwirtschaft, Grosskonzerne in der Pharmabranche und traditionelle Industriezweige lobbyiert. <\/p>\n<p> Die gr\u00f6sste Herausforderung der n\u00e4chsten Jahre d\u00fcrfte angesichts der Schw\u00e4chung des Finanzplatzes und einer fortschreitenden Deindustrialisierung des Landes in Impulsen f\u00fcr eine noch gr\u00f6ssere Vielfalt der Wirtschaftsbranchen und ihrer gegenseitigen Befruchtung liegen. <\/p>\n<p> Und was erwarten wir von den Kulturschaffenden? Neben dem Lobbying f\u00fcr die eigenen Interessen \u2013 St\u00e4rkung der sozialen Sicherheit, mehr Macht und Kompetenzen in den F\u00f6rderstrukturen \u2013 intensiveren Einsatz f\u00fcr die Sache selber. Da g\u00e4lte es, Politiker vor allem daf\u00fcr zu sensibilisieren, dass gelebte Kultur nicht in erster Linie Heimatschutz und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Museen und Archive, also das Halten der Asche bedeutet, sondern das Weitergeben der Flamme, wie dies Thomas Morus so treffend ausgedr\u00fcckt hat: Freir\u00e4ume und Infrastrukturen f\u00fcr die Lust am Ausprobieren, T\u00fcfteln, Neuland erobern, neue Horizonte suchen und dabei auch immer wieder Scheitern d\u00fcrfen. Daf\u00fcr gilt es einzustehen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 21.10.2011 &#8212; Kommenden Januar beginnt mit der Umsetzung der ersten Kulturbotschaft eine neue Epoche in der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-477","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=477"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/477\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}