{"id":478,"date":"2014-01-11T11:52:46","date_gmt":"2014-01-11T11:52:46","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/was-der-bund-von-der-bundesstadt-erwartet\/"},"modified":"2014-01-11T11:52:46","modified_gmt":"2014-01-11T11:52:46","slug":"was-der-bund-von-der-bundesstadt-erwartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/was-der-bund-von-der-bundesstadt-erwartet\/","title":{"rendered":"Was der Bund von der Bundesstadt erwartet"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">04.11.2011 &#8212; Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet die Bundesstadt Bern (f\u00fcr alle ausl\u00e4ndischen Leser: nicht Z\u00fcrich oder Genf, sondern <em>Bern<\/em> ist die Schweizer Bundesstadt) ist bei der Definition nationaler Metropolitanregionen zu einer Art urbanem Bermudadreieck degradiert worden. Ja nicht ausstrahlen und kulturelle Identit\u00e4t sichtbar machen soll die Hauptstadt \u2013 wie dies in unseren Nachbarl\u00e4ndern Rom, Paris, Wien und Berlin tun. (Vaduz lassen wir mal beiseite; es gab \u00fcberdies eine Zeit, da war das in Deutschland auch noch anders \u2013 Bonn ist ja nun nicht gerade der Nabel des deutschen Kulturleibes, auch wenn die Stadt ein knorriges Genie wie Beethoven gezeugt hat. Tempi passati.)<\/p>\n<p> Bern hat also ein dreifaches Problem: Zu ersten repr\u00e4sentiert die Stadt keine dynamische und aufstrebende Wirtschaftsregion, sondern eine Agrargesellschaft, der noch etwas Stallgeruch des Ancien R\u00e9gime anhaftet. Zum zweiten hindert der f\u00f6rderalistische Reflex jegliche Ans\u00e4tze zur Delegation von Repr\u00e4sentationsaufgaben an den Bund. Und schliesslich ist Bern eben auch nicht grossst\u00e4dtische Metropole, die als Schmelztiegel automatisch zum Kulturzentrum w\u00fcrde. Es ist ein <em>Kaff<\/em>. Das sagt <em>nicht<\/em> der Schreibende, das hat er einen bedeutenden bernischen Musiker (einen <em>sehr<\/em> bedeutenden, <em>sehr<\/em> bernischen Musiker) h\u00f6ren sagen. Es ist O-Ton. Grosses Bergler-Ehrenwort.<\/p>\n<p> Was nationale Kulturen angeht, gibt\u2019s ein Huhn-Ei-Problem: Verk\u00f6rpert Wien \u00f6sterreichische Kultur oder ist \u00f6sterreichische Kultur nicht letztlich das Produkt der Metropole Wien? (In den letzten zwei S\u00e4tzen ersetzt man <em>salva veritate<\/em> \u00abWien\u00bb durch \u00abBerlin\u00bb, \u00abRom\u00bb oder \u00abParis\u00bb.) Wenigstens diese Frage stellt sich in der Schweiz nicht. Denn was ist schweizerische Kultur? Das ist halt eben von Kanton zu Kanton verschieden.<\/p>\n<p> Eher halbherzig nimmt der Bund wahr, dass Bern Bundesstadt ist. Und er bezahlt f\u00fcr damit verbundene Kulturleistungen eine Million Franken, naherliegenderweise als \u00abBundesmillion\u00bb bezeichnet. Da wird man nat\u00fcrlich neugierig, wie das in L\u00e4ndern gehandhabt wird, die Bundesst\u00e4dte haben, welche die Bezeichnung kulturell auch wirklich verdienen.<\/p>\n<p> In Deutschland haben sich Bund und Berlin \u00ab1999 darauf verst\u00e4ndigt, im Rahmen des Hauptstadtkulturvertrages einen Hauptstadtkulturfonds einzurichten, aus dem f\u00fcr Berlin als Bundeshauptstadt bedeutsame Einzelprojekte und Veranstaltungen gef\u00f6rdert werden\u00bb. Geld fliesst da seit Januar 2008 aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien, n\u00e4mlich j\u00e4hrlich bis zu 9,866 Millionen Euro. <\/p>\n<p> Die Agglomeration Bern z\u00e4hlt gut 350&#8217;000 Personen, der Ballungsraum Berlin rund 3,5 Millionen Personen, also zehnmal mehr. Gr\u00f6ssenm\u00e4ssig kommen Bundesmillion in der Schweiz und Hauptstadtkulturfonds in Deutschland also etwa hin. Direkt vergleichen lassen sich die beiden allerdings nicht. Wieviel Nation und Kapitale jeweils f\u00fcreinander tun, ist eine sehr komplexe Frage, und es hat auch viel mit Geldern aus Bund, Land und Kommunen, Immobilienbewirtschaftung (Kultur findet in grossen H\u00e4usern statt) und Umwegrentabilit\u00e4ten zu tun. Da wird\u2019s einem ziemlich schnell schwindlig. <\/p>\n<p> Der Bund hat mit Bern nun eine neue Leistungsvereinbarung abgeschlossen. Wir zitieren: \u00abWie bis anhin soll die Stadt Bern mit rund zwei Dritteln des Betrags Kulturinstitutionen f\u00f6rdern. Das restliche Drittel kommt kulturellen Projekten und Vorhaben zugute. Ab voraussichtlich 2014 werden das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee ausschliesslich vom Kanton Bern unterst\u00fctzt werden. Ab diesem Zeitpunkt werden die Kunsthalle Bern und die Dampfzentrale Bern in den Kreis der aus dem Bundesbeitrag unterst\u00fctzten Institutionen aufgenommen\u00bb.<\/p>\n<p> Ist man der Schweizer Volksseele zugetan, nennt man das eine n\u00fcchterne und pragmatische Vereinbarung, so durch und durch n\u00fcchtern und pragmatisch wie die Schweizer Volksseele eben ist. Anderswo w\u00fcrde man dies wohl als Abblocken einer Grundsatzdiskussion \u00fcber die kulturellen Aufgaben einer Bundesstadt in einer globalisierten Welt mit den Mitteln der B\u00fcrokratie bezeichnen. <\/p>\n<p> Wehret den Anf\u00e4ngen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 04.11.2011 &#8212; Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet die Bundesstadt Bern (f\u00fcr alle ausl\u00e4ndischen Leser:&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-478","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/478","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=478"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/478\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=478"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=478"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=478"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}