{"id":479,"date":"2014-01-11T11:53:15","date_gmt":"2014-01-11T11:53:15","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturpolitik-generiert-zahllose-verlierer\/"},"modified":"2014-01-11T11:53:15","modified_gmt":"2014-01-11T11:53:15","slug":"kulturpolitik-generiert-zahllose-verlierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturpolitik-generiert-zahllose-verlierer\/","title":{"rendered":"Kulturpolitik generiert zahllose Verlierer"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">18.11.2011 &#8212; Wir m\u00f6chten die Aufmerksamkeit f\u00fcr einmal auf die Verlierer der Kreativbranchen lenken. Es ist erstaunlich, dass dies kaum getan wird. Eine Kunst- und Kreativwirtschaftsf\u00f6rderung, die diesen Namen auch verdient, generiert Masse, weil nur aus der Vielfalt der Ideen, Experimente und Projekte Neues entstehen kann. Dieses Fundamentalprinzip der Vitalisierung einer Gesellschaft produziert aber naturgem\u00e4ss hundert, wenn nicht tausend Mal mehr Verlierer als Gewinner. Man kennt das Ph\u00e4nomen auch aus der traditionellen Wirtschaftsf\u00f6rderung: den wenigen \u00dcberfliegern kommt alle Aufmerksamkeit zu. Wer scheitert oder eher weniger als mehr erfolgreich vor sich hin d\u00fcmpelt, bleibt im Schatten.<\/p>\n<p> Nun sind Unternehmerpers\u00f6nlichkeiten Stehaufm\u00e4nnchen, respektive mit dem Talent begabt, sich auch in schwierigen Situationen zurechtzufinden \u2013 oder zumindest wird das von ihnen (zu Recht) erwartet. Sie werden den Neuanfang wagen oder sich nach Alternativen umsehen. Die meisten Pleitiers oder Opfer von Misserfolgen sind dies nicht, weil sie pers\u00f6nliche Versager w\u00e4ren, sondern weil zum Aufbau eines neuen Unternehmens neben K\u00f6nnen halt auch eine geh\u00f6rige Portion Gl\u00fcck geh\u00f6rt. <\/p>\n<p> In Kunst und Kreativwirtschaft ist der Prozentsatz der Verlierer an der Ganzheit derjenigen, die da ihr Gl\u00fcck versuchen, sicherlich noch weitaus h\u00f6her als in traditionellen Wirtschaftsbranchen. Die Innovationen, nach denen gesucht wird, sind noch radikaler, M\u00e4rkte werden h\u00e4ufig nicht erobert, sondern \u00fcberhaupt erst erfunden, und es ist damit noch weitaus ungewisser, ob tragf\u00e4hige Wege in die Zukunft begangen werden. <\/p>\n<p> Alle, die eine k\u00fcnstlerische Karriere anstreben m\u00f6chten, sollten dazu ermuntert werden. Das ist richtig so. In gewisser Hinsicht tut dies das schweizerische F\u00f6rdersystem, in dem der Zugang zu F\u00f6rdermitteln dank einer Vielfalt an staatlichen Institutionen und privaten Stiftungen relativ leicht ist. Sehr oft f\u00fchrt dies dazu, dass auch weniger erfolgreiche oder gar k\u00fcnstlerisch im Grunde genommen g\u00e4nzlich Erfolglose sich \u00fcber lange Zeit materiell durchschlagen k\u00f6nnen, bevor sich tats\u00e4chlich abzeichnet, dass sie aus dem \u00abBetrieb\u00bb fallen werden. Dann werden sie von den F\u00f6rderern aber alleine gelassen. <\/p>\n<p> Paradoxerweise braucht es das Heer an Verlierern, um auch Gewinner generieren zu k\u00f6nnen. Man kann diese Unvereinbarkeit der Interessen nur dadurch aufl\u00f6sen, dass man allen Betroffenen bewusst macht, dass Kulturpolitik auf elementarem Niveau keinesfalls Sozialpolitik sein darf. Bevor nicht klar ist, dass sich jemand als Schriftsteller, Maler, Schauspieler und so weiter so etabliert hat, dass materielle Selbst\u00e4ndigkeit eine rationale Perspektive darstellt, sollten Alternativen vorhanden sein. <\/p>\n<p> Ein griffige Wirtschaftsf\u00f6rderung in der Kultur- und Kreativwirtschaft m\u00fcsste Kreative begleiten und mit ihnen Modelle entwickeln, wie sie auf dem von ihnen angestrebten Niveau ihre kreativen Projekte verfolgen k\u00f6nnen (unter Wahrung vollkommener k\u00fcnstlerischer Freiheit) und trotzdem materiell selbst\u00e4ndig bleiben (jenseits von Praktika-Hopping und Ausbeuterjobs in Dienstleistungsunternehmen).<\/p>\n<p> Es m\u00fcssen f\u00fcr sie \u00abExit Strategien\u00bb gefunden werden, damit sie, wenn es zu sp\u00e4t ist f\u00fcr konventionellen beruflichen Neuanfang, nicht v\u00f6llig vor dem Nichts stehen und dennoch solange wie von ihnen erw\u00fcnscht ihren k\u00fcnstlerischen Weg gehen k\u00f6nnen. Die gestiegene Akzeptanz ungew\u00f6hnlicher Lebensl\u00e4ufe in Wirtschaft und Gesellschaft k\u00e4me dem entgegen.<\/p>\n<p> Das w\u00e4re ein guter Anfang f\u00fcr eine dedizierte Wirtschaftsf\u00f6rderung in Sachen Kultur- und Kreativbranchen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 18.11.2011 &#8212; Wir m\u00f6chten die Aufmerksamkeit f\u00fcr einmal auf die Verlierer der Kreativbranchen lenken. 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