{"id":480,"date":"2014-01-11T11:53:47","date_gmt":"2014-01-11T11:53:47","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/suisseculture-lanciert-den-kulturdialog\/"},"modified":"2014-01-11T11:53:47","modified_gmt":"2014-01-11T11:53:47","slug":"suisseculture-lanciert-den-kulturdialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/suisseculture-lanciert-den-kulturdialog\/","title":{"rendered":"Suisseculture lanciert den Kulturdialog"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">02.12.2011 &#8212; Suisseculture, der Dachverband der Schweizer Kulturverb\u00e4nde, \u00e4ussert sich in einem Grundsatzpapier zur F\u00f6rderpraxis der Pro Helvetia. Sie argumentiert gegen bestimmte F\u00f6rderstrategien der Schweizer Kulturstiftung. Das ist gut. Das ist sogar sehr gut. Damit lanciert der Dachverband eine nationale Debatte \u00fcber Kulturpolitik, die gef\u00fchrt werden <em>muss<\/em>, weil nur so die n\u00e4chste Kulturbotschaft mehr sein wird als beh\u00f6rdliche Verlautbarung.<\/p>\n<p> So weit, so gut. Deutlich weniger \u00fcberzeugend sind die inhaltlichen Argumente, die Suisseculture gegen die Pro-Helvetia-Strategien ins Feld f\u00fchrt. Im Wesentlichen kritisiert der Dachverband, dass Pro Helvetia eigene Programme und Initiativen lanciert und damit auf die F\u00f6rderpolitik inhaltlich Einfluss zu nehmen scheint. Dies sei nicht Aufgabe der Kulturstiftung, meint Suisseculture. Vielmehr habe sie \u00abzu pr\u00fcfen, was an sie herangetragen wird. Sie soll Projekte von Kunstschaffenden und Kulturveranstaltern unterst\u00fctzen, nicht selber welche lancieren.\u00bb <\/p>\n<p> Weiter verlangt Suisseculture, dass \u00abverbindliche Strukturen f\u00fcr den Austausch zwischen den Organen von Pro Helvetia und den Kulturverb\u00e4nden geschaffen werden\u00bb. Die Forderungen des Dachverbandes thematisieren im wesentlichen also Machtfragen: Wer hat wor\u00fcber Entscheidungskompetenz? <\/p>\n<p> Das t\u00f6nt einerseits ziemlich nach Strukturerhaltung: Alles soll so bleiben wie bisher. Damit stellt sich nat\u00fcrlich anderseits auch die Frage, ob Suisseculture \u00fcberhaupt legitimiert ist, im Namen der Kulturschaffenden zu sprechen. <\/p>\n<p> Ob Wahlprozedere f\u00fcr die Verbandsorgane tats\u00e4chlich die demokratische Meinung von Kulturschaffenden repr\u00e4sentativ abbilden, und ob sich an den Verbandsspitzen Interessengruppen breit machen, die Zeichen der Verfilzung und der Verfolgung von Partikularinteressen zeigen, ist dabei bloss ein Aspekt und ohne genauere Abkl\u00e4rungen auch nicht zu entscheiden.<\/p>\n<p> Wichtiger ist die Einsicht, dass eine prinzipiell anarchistisch-chaotische Ansammlung von Individualisten mit Misstrauen gegen\u00fcber jeglicher organisierter Interessensvertretung \u2013 eine solche sind Kulturschaffende n\u00e4mlich, und sie m\u00fcssen es auch sein \u2013 sich politisch \u00fcberhaupt durch Verb\u00e4nde vertreten lassen (wollen). <\/p>\n<p> Das Problem haben alle Bereiche freier Kreativit\u00e4t. Das m\u00fcssen zum Beispiel auch Softwarefirmen feststellen, die mit einer freien Entwicklergemeinde eines Projektes quelloffener Software (Open Source Software) in Beziehung treten wollen.<\/p>\n<p> Sie m\u00fcssen Vertr\u00e4ge mit Communities abschliessen, in denen sie keine konkrete oder schnell wechselnde Ansprechpartner haben. Verbandsstrukturen haben immer etwas Konservatives, Ausschliessendes und Machterhaltendes. Das ist im Fall von Suisseculture nicht anders. <\/p>\n<p> Pro Helvetia hat den Auftrag, F\u00f6rderung von Kunstschaffen in einem m\u00f6glichst offenen Setting zu betreiben. Wenn die Stiftung also nicht einfach alles so macht, wie sie es immer gemacht hat und dabei auch immer in etwa die gleichen Interessengruppen bedient (was offenbar der ausdr\u00fcckliche Wunsch von Suisseculture ist), dann <em>muss<\/em> sie Versuchsballone in Form von thematischen Programmen und Initiativen starten.<\/p>\n<p> Ob die Angebote der Programme auch Resonanz finden, ist dann die ehrlichste und direkteste Form der Akzeptanz, und nicht, ob sie Funktion\u00e4ren strukturerhaltender Verb\u00e4nde passen oder nicht. <\/p>\n<p> An der faktischen Resonanz ist der Erfolg der Programme und Initiativen zu messen. Pro Helvetia w\u00fcrde einen Fehler machen, wenn sie versuchte, Programme \u00e0 tout prix am Leben zu erhalten, die kaum etwas ausl\u00f6sen. Dass sie solche lanciert, ist aber \u2013 will sie ihren Auftrag korrekt erf\u00fcllen \u2013 geradezu zwingend. <\/p>\n<p> Innerhalb von Suisseculture wiederum muss unbedingt eine differenzierte Debatte dar\u00fcber in Gang kommen, was es denn bedeutet, die Interessen der Kulturschaffenden zu vertreten und welche Formen der Legitimation da entwickelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Das heisst zuallererst, sich dar\u00fcber Gedanken zu machen, wie Kunst- und Kulturschaffende dazu gebracht werden k\u00f6nnen, sich auf Basisebene in grosser Breite aktiv f\u00fcr ihre eigenen politischen Interessen einzusetzen.<\/p>\n<p> Gelingt dies, d\u00fcrften die entsprechenden Verbandstrukturen in einigen Jahren vermutlich ganz anders aussehen als heute. Die Organisationsformen der Open-Source-Bewegungen in der Softwarebranche k\u00f6nnten dabei ein m\u00f6gliches Vorbild sein. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 02.12.2011 &#8212; Suisseculture, der Dachverband der Schweizer Kulturverb\u00e4nde, \u00e4ussert sich in einem Grundsatzpapier zur F\u00f6rderpraxis der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-480","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=480"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/480\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}