{"id":484,"date":"2014-01-11T11:56:00","date_gmt":"2014-01-11T11:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-falschen-argumente-zur-buchpreisbindung\/"},"modified":"2014-01-11T11:56:00","modified_gmt":"2014-01-11T11:56:00","slug":"die-falschen-argumente-zur-buchpreisbindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-falschen-argumente-zur-buchpreisbindung\/","title":{"rendered":"Die falschen Argumente zur Buchpreisbindung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">10.02.2012 &#8212; Die Diskussionen um die Buchpreisbindung machen vor allem eines erschreckend offensichtlich: Wie innovationsfeindlich, strukturkonservativ und asozial unsere Kulturschaffenden sind. Dass Gewerkschaften in der Wirtschaftspolitik sich durch strukturelles Beharrungsverm\u00f6gen und den Erhalt unzeitgem\u00e4sser Privilegien hervortun, kann man ja verstehen. Dass aber die Kulturschaffenden, die sich selber als Speerspitze der gesellschaftlichen Erneuerung und Entdeckerlust definieren, dasselbe tun, ist deprimierend.<\/p>\n<p> Verfolgt man die Diskussionen rund um die Abstimmung vom 11. M\u00e4rz, scheinen Buchh\u00e4ndlern und Autoren (in Form des Autorenverbandes AdS und anderer) vor allem zwei Argumente wichtig: Das Buch sei ein Kulturgut und geh\u00f6re speziell gesch\u00fctzt. Und kleinere regionale Buchhandlungen seien wichtige kulturelle Begegnungszentren. <\/p>\n<p> Daf\u00fcr nimmt man unsoziale Strukturen in Kauf: Mit Hilfe der Buchpreisbindung sollen k\u00fcnstlich hochgehaltene Preise f\u00fcr Bestseller im Grunde genommen exklusivere Produktionen und die Buchhandlungen subventionieren. Bestseller sind per se das, was das Gros der Bev\u00f6lkerung liest. Die breite Masse \u2013 das \u00abVolk\u00bb \u2013 soll also die gehobenen Anspr\u00fcche exklusiverer Kulturkonsumenten finanzieren. Das ist nichts anderes als Umverteilung von unten nach oben und w\u00fcrde von den Kulturschaffenden lautstark als Skandal gebrandmarkt, ginge es nicht um ihre eigenen Pfr\u00fcnde. <\/p>\n<p> Die Buchpreisbindung ist aber nicht nur unsozial. Die Sorge um das Buch als Kulturgut und die Existenz lokaler Buchhandlungen zielen an den eigentlichen Problemen vorbei. Das Buch ist kein Kulturgut, es ist einfach ein Stapel zwischen Karton gepapptes Papier. Ein wirklich sch\u00fctzenswertes Kulturgut ist die F\u00e4higkeit zu lesen, sich in abstrakte Gedanken und Geschichten, die mittels Worten weitergegeben werden, zu versenken. Es geht um Kompetenzen, nicht um Dinge. <\/p>\n<p> Das Gros der Autoren hat nicht dank dem Verkauf von B\u00fcchern ein Einkommen, sondern dank Auftritten und Begegnungen. In Zukunft wird dies noch vermehrt so sein. Dazu braucht es R\u00e4ume und Infrastrukturen. Es braucht deshalb dezentrale, vielf\u00e4ltige kleine Begegnungst\u00e4tten, die einen entscheidenden Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, dass unsere l\u00e4ndlichen Gebiete und Randregionen als Lebensr\u00e4ume attraktiv bleiben. <\/p>\n<p> Es geht vor allem darum, solche zu bewahren oder zu schaffen \u2013 Bibliotheken, Kleintheater, Dorfbeizen mit Theaters\u00e4len, Kirchgemeindeh\u00e4user, Klublokale von Harmoniemusiken, Ch\u00f6ren und Sportvereinen und so weiter. <\/p>\n<p> Die Herausforderung ist nicht, auch im Quartier und Dorf B\u00fccher \u00fcber einen Ladentisch verkaufen zu k\u00f6nnen, sondern Begegnungen zu erm\u00f6glichen und Fachleute auszubilden, die wissen, wie man Programme solcher Begegnungst\u00e4tten lebendig h\u00e4lt und wirklich breiten Bev\u00f6lkerungskreisen zugute kommen l\u00e4sst. Dies g\u00e4lte es gezielt zu f\u00f6rdern. Die Fixierung auf Papier und Buchhandlungen behindert bloss den Strukturwandel im Kulturleben.<\/p>\n<p> Die Erosion der Buchhandlungslandschaft und der Bedeutung des Buches als Medium ist so oder so nicht aufzuhalten. Die wirklichen Herausforderungen sind die gesellschaftliche Koh\u00e4sion, die sich in einer kulturellen Vielfalt und Dezentralisierung \u00e4ussert, und der Erhalt von intellektuellen Kompetenzen in Form von Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben. K\u00e4mpfe um tradierte Privilegien verhindern nur die politischen Diskussionen und Prozesse, die dazu in Gang kommen sollten. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 10.02.2012 &#8212; Die Diskussionen um die Buchpreisbindung machen vor allem eines erschreckend offensichtlich: Wie innovationsfeindlich, strukturkonservativ&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-484","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=484"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/484\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}