{"id":485,"date":"2014-01-11T11:56:29","date_gmt":"2014-01-11T11:56:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/strukturwandel-in-der-orchesterwelt\/"},"modified":"2014-01-11T11:56:29","modified_gmt":"2014-01-11T11:56:29","slug":"strukturwandel-in-der-orchesterwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/strukturwandel-in-der-orchesterwelt\/","title":{"rendered":"Strukturwandel in der Orchesterwelt"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">24.12.2012 &#8212; Beim Musikkollegium Winterthur ist der Gesamtarbeitsvertrag vorsorglich gek\u00fcndigt worden \u2013 ein ungew\u00f6hnlicher Vorgang und ein Symptom daf\u00fcr, dass sich in der Schweizer Orchesterlandschaft einiges bewegt. Die Zeiten sind vorbei, in denen verbeamtete Klangk\u00f6rper in jeder auch nur einigermassen ambitionierten Stadt sozusagen zum unhinterfragten Inventar geh\u00f6rten. In Winterthur zwingen strukturelle Defizite die Orchesterleitung zu dem im Kulturleben ungewohnten Schritt. Einige andere St\u00e4dte, etwa Basel und Bern, haben Neuorganisationen ihrer Orchester hinter sich. Grunds\u00e4tzliche Fragen zu Sinn und Aufgaben der Orchester wurden da tunlichst nicht gestellt. Das Orchestra della Svizzera Italiana hat gar um seine Existenz gek\u00e4mpft. <\/p>\n<p> Die gesinnungsethischen Wogen gehen dabei ab und zu hoch. Zu glauben, das Problem sei eines der einfachen Alternativen \u2013 staatlich bestallte Orchester mit Lebenstellen oder kommerziell ausgerichtete, privat finanzierte Unternehmen \u2013 ist jedoch gef\u00e4hrlich. Die Herausforderungen sind komplexer.<\/p>\n<p> Ob der Staat mit Steuergeldern eine kulturelle Grundversorgung absichern soll, ist die eine Frage. Er soll. Sogar in h\u00f6herem Masse, als er das bisher tut. Das ist eine politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche (ja auch eine wirtschaftliche!) Notwendigkeit. Wie diese Grundversorgung auszusehen hat, steht hingegen auf einem andern Blatt. <\/p>\n<p> Die kulturellen Leuchtt\u00fcrme hinken der Entwicklung auf andern Gebieten der staatlichen Grundversorgung hinterher. Verwaltungsangestellte, Mitarbeiter in Gesundheitswesen und Bildungsinstitutionen haben sich von den alten Privilegien Staatsangestellter in teils schmerzhaften Prozessen verabschiedet und sich im Dienst am B\u00fcrger neu ausgerichtet. Auch wenn da nicht immer alles l\u00e4uft wie es sollte: Im Grossen und Ganzen sind die Reorganisationen staatlicher Strukturen ein Gewinn f\u00fcr alle.<\/p>\n<p> Vielen Kulturinstitutionen steht dieser Prozess noch bevor. Bereits weitgehend bew\u00e4ltigt haben ihn die Museen. F\u00fcr die Orchester, die vergleichsweise kostspieligsten Einrichtungen der \u00f6ffentlichen Kulturf\u00f6rderung, scheint nun der Zeitpunkt dazu gekommen. Sie m\u00fcssen flexibler werden. <\/p>\n<p> Um was geht es dabei? Die Organisationen m\u00fcssen darauf beharren und daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass die \u00e4sthetischen Ressourcen, die ein grosses Sinfonieorchester oder ein Kammerorchester bietet, nicht verloren gehen. Abbau von kultureller Qualit\u00e4t und den Infrastrukturen als Voraussetzung dazu k\u00f6nnen wir uns nicht leisten. Zum andern kann es aber auch nicht mehr Aufgabe der Orchester sein, ihren Mitgliedern den sicheren Hort einer garantierten Existenz zu bieten. Kulturpolitik ist nicht Sozialpolitik. <\/p>\n<p> Die Musiker m\u00fcssen sich also von der Vorstellung verabschieden, einen Orchesterposten als Lebensstelle zu besetzen und sich dort auf Dauer einrichten zu k\u00f6nnen. Die allzu starren Strukturen haben auch dazu gef\u00fchrt, dass sich die Orchester \u00e4sthetisch zu wenig vitalisiert haben. Nicht selten endet dieses vermeintliche Lebensgl\u00fcck ja auch mit einer harten Landung auf dem Boden der Realit\u00e4t gegen Ende der Karriere, wenn die Leistung nicht mehr erbracht wird und Mobbing, Depressionen und Burnouts den Traum beenden. <\/p>\n<p> Es gibt andere M\u00f6glichkeiten, mit Hilfe gezielter Lebensplanung eine erf\u00fcllte, stressfreie und vitale Existenz als Musiker aufzubauen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei den staatlich (hoch) subventionierten Orchestern tun gut daran, dazu zukunftsf\u00e4hige Modelle differenziert, offen und mit Freude an innovativen Ideen zu diskutieren. Sich an \u00fcberkommene und \u00fcberlebte Privilegien zu klammern, kann nicht die L\u00f6sung sein. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 24.12.2012 &#8212; Beim Musikkollegium Winterthur ist der Gesamtarbeitsvertrag vorsorglich gek\u00fcndigt worden \u2013 ein ungew\u00f6hnlicher Vorgang und&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-485","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/485","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=485"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/485\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}