{"id":487,"date":"2014-01-11T11:57:27","date_gmt":"2014-01-11T11:57:27","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/der-kulturinfarkt-fuehrt-zum-diskursinfarkt\/"},"modified":"2014-01-11T11:57:27","modified_gmt":"2014-01-11T11:57:27","slug":"der-kulturinfarkt-fuehrt-zum-diskursinfarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/der-kulturinfarkt-fuehrt-zum-diskursinfarkt\/","title":{"rendered":"\u00abDer Kulturinfarkt\u00bb f\u00fchrt zum Diskursinfarkt"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">23.03.2012 &#8212; Man kann Kultiviertheit als F\u00e4higkeit definieren, die intellektuellen und sinnlichen F\u00e4higkeiten zur Weltwahrnehmung zu sch\u00e4rfen und angesichts verwirrender Eindr\u00fccke etwas Gelassenheit zu entwickeln. Man muss dann mit Blick auf die Debatte um das Buch \u00abDer Kulturinfarkt\u00bb zum deprimierenden Schluss kommen, dass es damit tats\u00e4chlich nicht weit her ist. Die Debatte scheint mittlerweile auf erschreckende Art aus dem Ruder zu laufen, weil die einen nicht genau lesen k\u00f6nnen und die andern gleich zur juristischen Keule greifen, um eine genaue Lekt\u00fcre zu erzwingen. <\/p>\n<p> So f\u00fchrt das Buch \u00abDer Kulturinfarkt\u00bb zum Diskursinfarkt. Schade, schade. <\/p>\n<p> Um was geht es? Der Deutsche Kulturrat hat vorschnell behauptet, die Autoren des Buches (<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=759\">siehe<\/a> \u00abCodex flores\u00bb-Rezension) verlangten, die H\u00e4lfte der Kultursubventionen sei zu streichen. Dagegen haben die Autoren mit Erfolg eine gerichtliche Unterlassungserkl\u00e4rung eingefordert. Die hat der Kulturrat auch abgegeben.<\/p>\n<p> Er schreibt: \u00abWir hatten in unserer Stellungnahme zu dem Spiegel-Artikel ,Die H\u00e4lfte?\u2019 behauptet, die Autoren forderten 50% weniger f\u00fcr die Kultur. Diese Behauptung d\u00fcrfen und werden wir nicht mehr aufstellen, denn in Wahrheit wollen die Autoren nicht den Kulturetat um 50% k\u00fcrzen, sondern jede zweite mit \u00f6ffentlichen Mitteln finanzierte Kultureinrichtung in Deutschland schliessen.\u00bb <\/p>\n<p> Das erinnert etwas an die Ankedote um den Redaktor einer Stadtzeitung, der in einem Kommentar geschrieben hat, die H\u00e4lfte der Stadtr\u00e4te seien Esel, und dann nach Protesten erkl\u00e4rt, er korrigere sich, die H\u00e4lfte der Stadtr\u00e4te seien keine Esel. Es ist n\u00e4mlich immer noch falsch. Die Autoren verlangen nicht, jede zweite mit \u00f6ffentlichen Mitteln finanzierte Kultureinrichtung in Deutschland zu schliessen. Sie fragen sich bloss: Was w\u00e4re wenn? Das ist ein ziemlicher Unterschied. <\/p>\n<p> Versteht man das Feuilleton als Debatten-Jahrmarkt, sollte man (teils recht wackelige) Argumente-Blechb\u00fcsen in der Schiessbude mit gut gef\u00fcllten Analyse-Sandb\u00e4llen umwerfen und sich nicht vor dem Hau-den-Lukas pr\u00fcgeln. Pers\u00f6nliche Beschimpfungen wie \u00abNobodys\u00bb, \u00abfrusterierte \u00e4ltere Herren\u00bb, \u00abSchreibtischt\u00e4ter im Staatssold, die kulturell selber nie etwas geleistet haben\u00bb, geh\u00f6ren \u00fcberdies ins Gruselkabinett. Sie bringen nicht einen einzigen brauchbaren Einwand gegen die Thesen der vier hervor. <\/p>\n<p> Das Diskursniveau erinnert zur Zeit etwas an eine Privat-TV-Nachmittags-Talkshow. Gegen stumpfe Thesen k\u00e4mpft man am besten mit spitzer Feder, nicht mit wildem Umsichschlagen. Debatten m\u00fcssen m\u00f6glich sein, auch emotionale, ohne dass sie personelle Opfer fordern, wie dies im Moment zu bef\u00fcrchten ist. Es darf nicht sein, dass der \u00abKulturinfarkt\u00bb mit Blick auf die Debattenkultur zur <em>Self-Fulfilling Prophecy<\/em> wird. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 23.03.2012 &#8212; Man kann Kultiviertheit als F\u00e4higkeit definieren, die intellektuellen und sinnlichen F\u00e4higkeiten zur Weltwahrnehmung zu&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-487","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/487","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=487"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/487\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}