{"id":488,"date":"2014-01-11T11:57:56","date_gmt":"2014-01-11T11:57:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-sprache-staatlicher-kulturfoerderung\/"},"modified":"2014-01-11T11:57:56","modified_gmt":"2014-01-11T11:57:56","slug":"die-sprache-staatlicher-kulturfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-sprache-staatlicher-kulturfoerderung\/","title":{"rendered":"Die Sprache staatlicher Kulturf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">20.04.2012 &#8212; Amtssprache: \u00abDer Kulturboom der vergangenen Jahre, unter anderem Ausdruck und Folge der postindustriellen Freizeitgesellschaft, aber auch der Globalisierung und der Kulturalisierung der \u00d6konomie, hat zu einer Dichte und Verbreitung an kulturellen Angeboten gef\u00fchrt, die f\u00fcr die Nutzer\/innen un\u00fcberschaubar sind. Ergebnis davon ist eine Asymmetrie zwischen Angebot und Nachfrage kultureller Produkte, die als \u00dcberangebot erscheint.\u00bb<\/p>\n<p> \u00abeine Asymmetrie&#8230;, die als \u00dcberangebot erscheint\u00bb: Ein Glanzst\u00fcck sprachlicher Kontorsionskunst. Bei den Autoren des umstrittenen Buches \u00abDer Kulturinfarkt\u00bb (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=759\">Rezension<\/a>) heisst das \u00abvon allem zuviel\u00bb und meint genau das, was es sagt. Dem obigen Satz hingegen scheint man f\u00f6rmlich anzuf\u00fchlen, wie sich die Autoren winden. Er steht im neuen Kulturleitbild der Stadt Basel, in dem die \u00f6ffentliche Hand erkl\u00e4ren muss, weshalb Kultur staatlich noch vermehrt f\u00f6rderbed\u00fcrftig ist, obwohl\u2019s eigentlich zuviel davon gibt. <\/p>\n<p> Der direkt darauf folgende Satz im Leitbild (auf Seite 16 unter \u00abSteuerungspr\u00e4missen der Kulturpolitik\u00bb) ist auch nicht von schlechten Eltern: \u00abDie knappe Ressource ist heute nicht mehr das einzelne Kunstwerk oder Kulturereignis, sondern die Aufmerksamkeit der Nutzer\/innen.\u00bb Wir \u00fcbersetzen: Man muss den Kulturkonsumenten heute irgendwie dazu bringen, mehr zu konsumieren, als er eigentlich will. <em>En L\u00f6ffel f\u00fcr\u2019s Grosi, en L\u00f6ffel f\u00fcr e Papi&#8230;<\/em><\/p>\n<p> Fairerweise muss man sagen, dass Philipp Bischof, der Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt, der das Leitbild wesentlich mitverantwortet, sich dem Problem durchaus stellt. In einem Interview mit der <em>Aargauer Zeitung<\/em> erkl\u00e4rt er etwa, dass der Basler Kultur-Regierungsrat Guy Morin (sein Chef) etwa auch schon mal versucht habe, die Antikensammlung und das historische Museum zu fusionieren. Das sei schlecht angekommen. Er fragt sich in der Folge, was man tun k\u00f6nne, wenn Redimensionieren derartigen Widerstand hervorrufe. Auch sonst f\u00e4llt Bischof mit differenzierten Voten zur laufenden Debatte auf. <\/p>\n<p> Was steht sonst noch im Basler Kulturleitbild? Nach anderen sehr sch\u00f6nen Grundsatz\u00fcberlegungen geht\u2019s ans Eingemachte: Da wird dann etwa n\u00fcchtern festgehalten, dass das Theater Basel innerhalb der Subventionsperiode 2007 bis 2010 beinahe s\u00e4mtliche Reserven aufgebraucht hat und dass das Sinfonieorchester Basel (SOB) f\u00fcr 2009 und 2010 gar ein Defizit von 1,8 Millionen Franken budgetiert hat und zum Ende der laufenden Subventionsperiode 2011\/12 ebenfalls beinahe alle Reserven aufgebraucht haben wird. <\/p>\n<p> Das SOB (das steht nicht im Kulturleitbild) hat sich ja auch noch vom Konzertveranstalter Allgemeine Musikgesellschaft gel\u00f6st und riskiert in der kommenden Saison doppelte Angebote in Sachen Sinfoniekonzerte, womit wir wieder beim eloquenten Satz zum Einstieg in dieses Editorial w\u00e4ren. Branchenkenner bezeichnen den SOB-Entscheid auch als betriebswirtschaftlichen Selbstmord. Eine Art \u00abExit\u00bb-Strategie der andern Art.<\/p>\n<p> Die W\u00fcnsche (wir vermeiden das h\u00e4ssliche Wort \u00abForderungen\u00bb) des Kulturleitbildes ans Orchester werden in Watte gepackt: \u00abDie Stiftung Sinfonieorchester Basel ist mit der Erneuerung des Subventionsvertrags 2012 \u2013 2015 damit beauftragt worden, ihre Strukturen (Tr\u00e4gerschaft, Partnerschaften, Drittmittel) zu optimieren und einen h\u00f6heren Eigenwirtschaftlichkeitsgrad zu erarbeiten.\u00bb <\/p>\n<p> Kulturpolitik hat halt einfach ihre eigene Sprache. Im Vergleich dazu mutet internationale Diplomatie schon fast wie derbes Auf-den-Tisch-klopfen an. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 20.04.2012 &#8212; Amtssprache: \u00abDer Kulturboom der vergangenen Jahre, unter anderem Ausdruck und Folge der postindustriellen Freizeitgesellschaft,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-488","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=488"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}