{"id":492,"date":"2014-01-11T12:00:12","date_gmt":"2014-01-11T12:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kunst-ist-kompromisslose-wahrheitssuche\/"},"modified":"2014-01-11T12:00:12","modified_gmt":"2014-01-11T12:00:12","slug":"kunst-ist-kompromisslose-wahrheitssuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kunst-ist-kompromisslose-wahrheitssuche\/","title":{"rendered":"Kunst ist kompromisslose Wahrheitssuche"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">15.06.2012 &#8212; In der liberalen Postille <em>Schweizer Monat<\/em> <a href=\"http:\/\/www.schweizermonat.ch\/artikel\/das-problem-ist-nicht-die-loesung\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">interviewt<\/a> Johannes M. Hediger \u2013 eine H\u00e4lfte des K\u00fcnstlerduos Com&amp;Com \u2013 Bazon Brock, den er als \u00abeinen der letzten grossen Kunstgurus mit Breitbandhorizont\u00bb bezeichnet. Da schwingt un\u00fcberh\u00f6rbar Nostalgie mit, so als ob die Gegenwart keine grossen Denker des Weltgeistes mehr hervorzubringen verm\u00f6chte, bloss noch Intellektuelle mit Konfektionsgr\u00f6sse S &#8230; oder XS, wenn man manieristische Litotes mag. <\/p>\n<p> Brock mag tautologische Charakterisierungen der Kunst: \u00abKunst und Wissenschaft\u00bb, zitiert ihn der <em>Schweizer Monat<\/em>, \u00absind Aussagensysteme, bei denen die Aussagenden keine andere Autorit\u00e4t nutzen k\u00f6nnen als ihre Autorschaft\u00bb. Weder durch Markt, Erfolg noch durch Verkaufserfolge, noch durch Autorit\u00e4ten anderer Art sei das \u00abSystem\u00bb bedeutend geworden. Das gelte f\u00fcr die Wissenschaft ebenso wie f\u00fcr die Kunst. Meint Brock. <\/p>\n<p> Das ist ein ziemlicher Brocken, den er uns da vorsetzt, als einer der letzten grossen Kunstgurus mit Breitbandhorizont. Und wenn\u2019s um die Wissenschaft geht, ist es auch ziemlich falsch. Geht\u2019s um die Wissenschaft, ist eher das Gegenteil wahr: Das \u00abSystem\u00bb Wissenschaft legitimiert sich nicht durch willk\u00fcrliche Selbstlegitimation, die Brock als einzige Form der Daseinsrechtfertigung f\u00fcr K\u00fcnstler gelten zu lassen scheint, sondern dadurch, dass es eine gigantische Erfolgsgeschichte geschrieben hat. <\/p>\n<p> Der Wissenschaft und ihrem fundamentalen Prinzip, wonach nichts im Intellekt ist, was nicht zuvor in den Sinnen war, ist es zu verdanken dass wir nicht mehr in einer Zeit autorit\u00e4tsgl\u00e4ubiger Willk\u00fcrherrschaft leben, nicht mehr in H\u00f6hlen leben und nicht mehr mit Steinschleudern und gespitzten H\u00f6lzern Tieren das Leben schwer machen. <\/p>\n<p> F\u00fcr die Kunst scheint Bazon Brock das Prinzip auf den Kopf stellen zu wollen: Nichts ist in den Sinnen, was nicht zuvor bloss im Intellekt war. Das heisst: K\u00fcnstler und Kunstgurus mit Breitbandhorizont pfeifen seiner Auffassung gem\u00e4ss am besten auf die Wirklichkeit. Man ist an ein Bonmot erinnert, das als Treppenwitz der Philosophiegeschichte Hegel den Ausruf \u00abPech f\u00fcr die Realit\u00e4t!\u00bb zuschreibt, nachdem man den Sch\u00f6pfer des Weltgeistes auf Widerspr\u00fcche zwischen seiner Theorie und der Wirklichkeit aufmerksam gemacht hat. <\/p>\n<p> Dieser Brocken ist ein harter. Tats\u00e4chlich ist es kokett oder gar frivol, das notorisch schwierige Problem der Wahrheit k\u00fcnstlerischer Aussagen dadurch zu \u00abl\u00f6sen\u00bb, dass man sich seiner einfach entledigt. Seri\u00f6se Kunsttheorie muss den unbedingten Wahrheitsanspruch vertreten, den auch die Wissenschaft f\u00fcr sich in Anspruch nimmt und das Tribunal der intersubjektiven Erfahrung als einzige Instanz anerkennen. <\/p>\n<p> Eine der wichtigsten Aufgaben der Kunsttheorie ist es, den authentischen Wahrheitsanspruch der Kunst vor Terribles Simplificateurs, autorit\u00e4ren Wahrheitssetzungen und rhetorischen Gauklern zu sch\u00fctzen. Beides ist schwierig: Die epistemologische Ernsthaftigkeit der Kunst, aber gleichzeitig auch ihre Verspieltheit, Tabulosigkeit, Offenheit und Vielfalt zu verteidigen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 15.06.2012 &#8212; In der liberalen Postille Schweizer Monat interviewt Johannes M. 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