{"id":495,"date":"2014-01-11T12:01:40","date_gmt":"2014-01-11T12:01:40","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kuenstler-und-politiker-iii-verantwortung\/"},"modified":"2014-01-11T12:01:40","modified_gmt":"2014-01-11T12:01:40","slug":"kuenstler-und-politiker-iii-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kuenstler-und-politiker-iii-verantwortung\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstler und Politiker III: Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">27.07.2012 &#8212; Der griechische Philosoph Platon w\u00fcnschte sich Philosophen als Herrscher im Staat. Die h\u00e4tten zu seiner Zeit allerdings eine Ausbildung zu durchlaufen gehabt, an der heutige schweizerische Mittel- und Hochschulen kl\u00e4glich gescheitert w\u00e4ren. Das w\u00e4re \u2013 zumindest wenn es um Platons P\u00e4dagogisches Programm f\u00fcr Regierende ginge \u2013 auch nicht weiter tragisch; es h\u00e4tte die k\u00fcnftigen Denker und Lenker im Staate zu ziemlich blasierten Besserwissern verzogen. Aber immerhin: Platons Politiker h\u00e4tten zun\u00e4chst einmal Musikunterricht genossen und sich neben Mathematik und Astronomie auch der Harmonielehre gewidmet. Platons Herrscher w\u00e4ren also schon fast so etwas wie Staatsk\u00fcnstler gewesen. Allerdings eher solche vom Schlage Paul Klees oder Donna Leons als Calixto Bieitos oder Piero Manzonis. <\/p>\n<p> Manzoni hat seine eigenen Ausscheidungen als \u00abK\u00fcnstlerscheisse\u00bb in klingende M\u00fcnze umgesetzt. Nach Sigmund Freud w\u00e4re das bloss ein Tausch von gleichem, nach Platon eher ein Ersetzen einer Idee durch eine andere. <\/p>\n<p> Nicht diese T\u00f6ne, o Freunde! Platon wollte die Nation von kunstsinnigen Philosophen regieren lassen, weil\u2019s die seiner Ansicht nach am besten k\u00f6nnten. Und weshalb k\u00f6nnten sie\u2019s am besten? Weil sie mit den Fragen rund um Gerechtigkeit am besten klark\u00e4men &#8230; so Platon. Gerechtigkeit sei n\u00e4mlich eine Frage der richtigen Proportionen, und darin sind so Typen wie Mario Botta, Heinz Holliger oder Pipilotti Rist eben gut. It\u2019s all in the mix. <\/p>\n<p> Platon wusste, dass das \u00abVolk\u00bb inkonsequent, unberechenbar und eigenwillig ist und immer auch mal wieder scheinbar gegen seine eigenen Interessen oder gegen sogenannte \u00abrichtige L\u00f6sungen\u00bb entscheidet, wenn man\u2019s denn l\u00e4sst. Platons Philosophenpolitiker (oder \u00abPhilosophenk\u00f6nige\u00bb, wie sie gerne auch genannt werden) w\u00e4ren sozusagen die Garanten einer <em>Good Governance<\/em>, wie das heute neudeutsch heisst. <\/p>\n<p> Platons Fehlschluss liegt in der stillschweigend als Selbstverst\u00e4ndlichkeit betrachteten Annahme, dass die, die\u2019s besser wissen, auch besser k\u00f6nnen. Das l\u00e4sst sich leicht widerlegen: W\u00e4r&#8217;s so, h\u00e4tte etwa die Schweizer Fussballnati die Auswahl aus mehreren Millionen Alternativen f\u00fcrs Traineramt. Oder die Eurokrise w\u00e4re schon lange gel\u00f6st, dank hunderter Millionen m\u00f6glicher Zentralbankenchefs oder deutscher Bundeskanzler. <\/p>\n<p> Es geht dabei um die Frage der Verantwortung. Politiker m\u00fcssen Verantwortung \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, wollen sie ihr Amt seri\u00f6s aus\u00fcben. K\u00fcnstler hingegen m\u00fcssen sich der Verantwortung f\u00fcr die Folgen ihres Wirkens verweigern, wollen sie authentische Kunst schaffen. Politiker k\u00f6nnen abgew\u00e4hlt werden, wenn sich herausstellt, dass sie Nieten sind. K\u00fcnstler kann man mundtot machen, indem man ihnen die Verantwortung f\u00fcr die Wirkung ihres Tuns aufb\u00fcrdet.<\/p>\n<p> Es ist ein beliebtes Mittel totalit\u00e4rer oder autorit\u00e4rer Systeme, sie darauf zu verpflichten. Es t\u00f6nt gut und gegen\u00fcber dem Volk scheinbar verantwortungsvoll, wenn man das anarchische Potential der K\u00fcnstler als gef\u00e4hrlich, staatssch\u00e4digend oder beleidigend brandmarkt und von ihnen \u00abwie von allen andern auch\u00bb erwartet, dass sie \u00abf\u00fcr das geradestehen, was sie anrichten\u00bb. <\/p>\n<p> Sorry, Platon. Die Gesundheit einer Demokratie misst sich auch daran, wieviel Narren- und Zweckfreiheit sie ihren K\u00fcnstlern zugesteht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 27.07.2012 &#8212; Der griechische Philosoph Platon w\u00fcnschte sich Philosophen als Herrscher im Staat. 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