{"id":496,"date":"2014-01-11T12:02:13","date_gmt":"2014-01-11T12:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/arbeitsgruppe-zur-opt-der-koll-verw-von-ur\/"},"modified":"2014-01-11T12:02:13","modified_gmt":"2014-01-11T12:02:13","slug":"arbeitsgruppe-zur-opt-der-koll-verw-von-ur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/arbeitsgruppe-zur-opt-der-koll-verw-von-ur\/","title":{"rendered":"Arbeitsgruppe zur Opt. der koll. Verw. von UR"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">10.08.2012 &#8212; Bundesr\u00e4tin Sommaruga ist Pianistin. Vielleicht hat sie deshalb eine gewisse Sensibilit\u00e4t daf\u00fcr, dass Kreative von den Fr\u00fcchten ihrer eigenen Arbeit zehren wollen. Vielleicht ist das auch nur eine naivem Analogiedenken geschuldete \u00dcberinterpretation. Wie dem auch sei: Die EJPD-Vorsteherin hat eine \u00abArbeitsgruppe zur Optimierung der kollektiven Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten\u00bb einsetzen lassen, die allsogleich das b\u00fcrokratische K\u00fcrzel \u00abAGUR12\u00bb erhalten hat. Das t\u00f6nt eher nach Evaluation von Sch\u00fctzenpanzern oder einem bikantonalen Zweckverband. Aber bekanntlich z\u00e4hlt ja vor allem die gute Absicht. Und Ordnung muss schliesslich sein. Auch in der Kultur.<\/p>\n<p> Die Idee selber ist nat\u00fcrlich begr\u00fcssenswert \u2013 nachdem der Bundesrat bislang eher in \u00c4ffchenmanier Augen, Ohren und Mund verschlossen hatte und keinen Handlungsbedarf sah, ist das mal ein Lichtblick. <\/p>\n<p> In der offiziellen Medienmitteilung heisst es, der Bundesrat habe \u00absehr wohl Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den \u00c4rger der Kunstschaffenden\u00bb. Die Nutzung von urheberrechtlich gesch\u00fctzten Leistungen sei auch im Zeitalter der Digitaltechnologie zu entgelten, damit es den Kulturschaffenden weiterhin m\u00f6glich sei, mit ihrer Arbeit ein angemessenes Einkommen zu erzielen. <\/p>\n<p> Das mit dem \u00abangemessenen Einkommen\u00bb sollte sich der Bundesrat noch etwas \u00fcberlegen. Denn auch mit funktionierendem Abgeltungssystem f\u00fcr die Nutzung k\u00fcnstlerischer Erzeugnisse d\u00fcrfte vor allem der Durchschnittsmusiker oder -poet kaum auf einen gr\u00fcnen Zweig kommen, im Gegensatz etwa zum Durchschnittsbanker oder -jurist, der mit deutlich weniger Leistung f\u00fcrs Gemeinwohl deutlich mehr Kohle macht. <\/p>\n<p> Der Durchschnittsmusiker kann seine Werke \u00fcberdies nicht einmal wie ein Bildender K\u00fcnstler an irgendwelche Amststellen verscherbeln (wo sie dann im Keller einlagert oder damit Chefb\u00fcros tapeziert werden) oder an Neureiche aus Schwellenl\u00e4nder, die telefonisch bei schicken Galeristen in gentrifizierten Stadtquartieren shoppen und bar bezahlen wollen. <\/p>\n<p> Musiker und Literaten brauchen einen traditionellen Markt, und um den ist es in Europa aber leider schlecht bestellt; weil der Kontinent so sch\u00f6n bunt und damit so unsch\u00f6n fragmentiert ist. Das hat schon der franz\u00f6sische Journalist Fr\u00e9d\u00e9ric Martel herausgefunden und in seinem Buch \u00abMainstream\u00bb als Hauptproblem der europ\u00e4ischen Kreativwirtschaft im globalen Wettbewerb identifiziert: Ein zum \u00dcberleben gen\u00fcgend grosser Heimmarkt fehlt. <\/p>\n<p> Sommarugas Kollegen in der Europ\u00e4ischen Union sind sich bewusst, dass das Geflecht an Bestimmungen zur Urheberrechte-Wahrung \u2013 es erinnert etwas an die W\u00e4hrungsvielfalt vor Einf\u00fchrung des Euros \u2013 ein breites, aber einfaches Streuen von k\u00fcnstlerischen Werken auf dem Kontinent zus\u00e4tzlich erschwert. <\/p>\n<p> Sie schlagen deshalb in einem White Paper die Schaffung einer <em>Europ\u00e4ischen Lizenzbescheinigung<\/em> vor. Sie \u00abw\u00fcrde die freiwillige Verbindung von Musikrepertoires f\u00fcr die EU-weite Online-Nutzung sowie die Vergabe von Mehrgebietslizenzen mittels entsprechender Strukturen f\u00f6rdern\u00bb. F\u00fcr s\u00e4mtliche Gesellschaften, die Kollektivlizenzen vergeben, w\u00fcrden \u00abEU-weit dieselben Regeln gelten, und wegen des gr\u00f6sseren Wettbewerbs w\u00e4ren die Verwertungsgesellschaften gezwungen, effizientere Lizenzierungsmethoden zu entwickeln\u00bb.<\/p>\n<p> Man kann von der \u00dcbernahme von Europ\u00e4ischem Recht durch die Schweiz halten, was man will. Beabsichtigt man tats\u00e4chlich, daf\u00fcr zu sorgen, dass Schweizer K\u00fcnstler \u00abmit ihrer Arbeit ein angemessenes Einkommen erzielen\u00bb k\u00f6nnen, kann man gar nicht anders, als in gr\u00f6sseren als eidgen\u00f6ssischen Dimensionen zu denken. Kreiere lokal, streue global, muss die Devise heissen. Das bedeutet aber auch, dass eine schweizerische Gesetzgebung in dieser Hinsicht nur in enger internationaler Zusammenarbeit erfolgen kann. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 10.08.2012 &#8212; Bundesr\u00e4tin Sommaruga ist Pianistin. 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