{"id":497,"date":"2014-01-11T12:02:46","date_gmt":"2014-01-11T12:02:46","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/staatliche-foerderung-fuer-online-zeitungen\/"},"modified":"2014-01-11T12:02:46","modified_gmt":"2014-01-11T12:02:46","slug":"staatliche-foerderung-fuer-online-zeitungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/staatliche-foerderung-fuer-online-zeitungen\/","title":{"rendered":"Staatliche F\u00f6rderung f\u00fcr Online-Zeitungen?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">04.08.2012 &#8212; Im Bundeshaus wird mal wieder eine Session vorbereitet. Auf der Tagesordnung steht dabei auch ein Postulat des St\u00e4nderates Luc Recordon (\u00abEntwicklung der Online-Zeitungen\u00bb, 12.3579). Es forderte, so es denn angenommen w\u00fcrde, den Bundesrat auf zu pr\u00fcfen, \u00abmit welchen Mitteln die Entwicklung der Online-Zeitungen in der Schweiz unterst\u00fctzt werden\u00bb k\u00f6nnten, \u00abohne dass ihre Unabh\u00e4ngigkeit auch nur im Geringsten tangiert\u00bb w\u00fcrde. Wir f\u00fchlen uns aus vermutlich nachvollziehbaren Gr\u00fcnden angesprochen. W\u00fcrden wir denn staatliche F\u00f6rderung von Online-Zeitungen (also von uns?) bef\u00fcrworten? <\/p>\n<p> Wir m\u00fcssen uns unter publizistisch T\u00e4tigen, vulgo Journalisten, ja nicht unbedingt Freunde machen und geben deshalb zu, dass uns die Aussicht auf F\u00f6rderung des Online-Journalismus in fr\u00fchen Phase der Geburt, in der er sich befindet, eher mit Unbehagen erf\u00fcllt. <\/p>\n<p> Das Problem zeigt sich in der Liste der Beispiele, die Luc Recordon anf\u00fchrt. Er erw\u00e4hnt unter anderen das franz\u00f6sische Projekt Mediapart, das vom ehemaligen Chefredaktor von Le Monde ins Leben gerufen worden ist, und das Schweizer Journal 21, ein Produkt etablierter Redaktoren und Journalisten, die alten Wein in neue Schl\u00e4uche f\u00fcllen. Solche Projekte gerieten in den Fokus von Unterst\u00fctzungsmassnahmen, weil ihre Gr\u00fcnder und Supporter die politische Klaviatur der Subventionierung beherrschen. Sie geh\u00f6ren n\u00e4mlich zum Club.<\/p>\n<p> Recordon beklagt eine Verzerrung des Wettbewerbs, weil etablierte elektronische Medien und Zeitungen Pressef\u00f6rderung erfahren \u2013 via Billag und reduzierte Postgeb\u00fchren \u2013 reine Online-Medien hingegen nicht. F\u00f6rdermassnahmen f\u00fcr Online-Zeitungen w\u00fcrden, so unsere Bef\u00fcrchtung, allerdings bloss neue Verzerrungen mit sich bringen, weil die Projekte der etablierten Brancheninsider gegen\u00fcber Marktneulingen zwangsl\u00e4ufig bevorzugt w\u00fcrden. <\/p>\n<p> Zum F\u00f6rdern braucht es Kriterien, die k\u00f6nnen nur auf Leistungen in der Vergangenheit zur\u00fcckgreifen. Das wissen wir aus der Kulturf\u00f6rderung. Nobodys, die sich und ihren Markt halt eben erst mal erfinden m\u00fcssen, gingen leer aus. Eine F\u00f6rderung von Online-Zeitungen w\u00e4re in diesem Stadium der Branchenentwicklung also bloss strukturerhaltend und damit kontraproduktiv. <\/p>\n<p> Der Forderung liegt vermutlich implizit die \u00dcberzeugung (der etablierten Online-Zeitungsgr\u00fcnder?) zugrunde, beim Aufbau eines neuen Unternehmens sei es f\u00fcr sie unzumutbar, mal ein paar Jahre unten durch zu m\u00fcssen, um wirklich solide Gesch\u00e4ftmodelle zu entwickeln. Jede neue Industrie ist aber zuerst mal karges Land, das seinen Eroberern Opfer abverlangt und viele Verlierer und wenige Gewinner hervorbringt. <\/p>\n<p> Man kann neue M\u00e4rkte und Unternehmen wunderbar an der freien und gesunden Entwicklung hindern, indem man in sie schon staatlich eingreift, bevor sie sich \u00fcberhaupt konstituiert haben. In diesem Sinn und Geist ist Recordons Postulat abzulehnen, so sympathisch (und verlockend) es im ersten Moment zu sein scheint. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 04.08.2012 &#8212; Im Bundeshaus wird mal wieder eine Session vorbereitet. 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