{"id":498,"date":"2014-01-11T12:03:16","date_gmt":"2014-01-11T12:03:16","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zur-abstimmung-ueber-die-musikfoerderung\/"},"modified":"2014-01-11T12:03:16","modified_gmt":"2014-01-11T12:03:16","slug":"zur-abstimmung-ueber-die-musikfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zur-abstimmung-ueber-die-musikfoerderung\/","title":{"rendered":"Zur Abstimmung \u00fcber die Musikf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">07.09.2012 &#8212; Am 23. September stimmt die Schweiz unter anderem \u00fcber den Gegenvorschlag zur Musikinitiative ab, der die F\u00f6rderung der musikalischen Bildung in der Verfassung verankern soll. Einw\u00e4nde dagegen sind einerseits f\u00f6deralistischer Art; diese Bedenken sind im Gegenvorschlag weitgehend ber\u00fccksichtigt worden. Andererseits stellt sich die Frage, weshalb ausgerechnet die Musik gegen\u00fcber andern musischen und nicht-musischen F\u00e4chern (wie Zeichnen, Theaterspielen, Biologie, Hauswirtschaft oder Mathematik) die Sonderstellung einer Verankerung in der Bundesverfassung haben soll. <\/p>\n<p> Es gibt zwei gewichtige Gr\u00fcnde, weshalb darauf insistiert werden muss, dass Musikunterricht in der Basisausbildung von Kindern und Jugendlichen einen festen Platz haben muss. Der eine ist fundamentaler Natur: musikalische Kompetenzen sind Spiegel einer bedeutenden zivilisatorischen Leistung. Es sind Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen, die ohne weitere zweckorientierte Begr\u00fcndung bewahrt werden m\u00fcssen. Jede Gesellschaft sollte unbedingt darum bem\u00fcht sein, ein einmal erreichtes Niveau nicht preiszugeben, sprich: an Qualit\u00e4t zu verlieren. <\/p>\n<p> Dies gilt auch f\u00fcr F\u00e4higkeiten wie perspektivisches Zeichnen, Beherrschung der Farbenlehre oder das Verfassen und Rezitieren von Gedichten, weshalb es ein sehr starkes Argument daf\u00fcr ist, auch die Vermittlung zeichnerischer und anderer gestalterischer F\u00e4higkeiten in der gleichen Ernsthaftigkeit zu vermitteln wie das Grosse Einmaleins, die Rechtschreibung oder den Umgang mit Lederb\u00e4llen und Reckstangen. <\/p>\n<p> Der zweite allgemeine Grund, auf Musikunterricht in der \u00f6ffentlichen Schule zu bestehen, ist staatsb\u00fcrgerlicher Natur: Im Leben der Heranwachsenden, in ihrer Pers\u00f6nlichkeitsbildung und emotionalen Selbstfindung nimmt Musik eine herausragende Stellung ein. Sie ist in ihrem Alltag allgegenw\u00e4rtig. Es ist deshalb die Pflicht des Staats, ihnen die Mittel in die Hand zu geben, um sich damit kompetent und selbstbestimmt auseinanderzusetzen und sie (zumindest prinzipiell) in die Lage zu versetzen, sich der Musik gegen\u00fcber nicht bloss als passive Konsumenten zu erleben, sondern auch als aktive Gestalter. Dies zeichnet m\u00fcndige Staatsb\u00fcrger aus.<\/p>\n<p> Letztlich scheint uns aber ein sozialpolitischer Grund entscheidend, Musik gegen\u00fcber andern F\u00e4chern verfassungsm\u00e4ssig auszuzeichnen: Das gesellschaftliche Leben in den \u00fcberschaubaren Lebensr\u00e4umen von Kindern und Jugendlichen wird entscheidend von den Vereinen gepr\u00e4gt. Auch nur ein fl\u00fcchtiger Blick ins Vereinsangebot eines Dorfes oder Stadtquartiers zeigt: thematisch besch\u00e4ftigen sie sich \u00fcberwiegend mit Sport oder mit Musik. <\/p>\n<p> Musikgesellschaften und Gesangsvereine spielen in der Lebenswelt von Heranwachsenden eine mehr als bedeutende Rolle. In ihnen erleben Jugendliche Gemeinschaft, dort \u00fcben sie als Vereinsmitglieder die \u00dcbernahme von Verantwortung f\u00fcr gemeinschaftliche Projekte.<\/p>\n<p> Eher musisch als sportliche Begabte (es gibt selbstverst\u00e4ndlich auch doppelt talentierte&#8230;) k\u00f6nnen hier nur mithalten, wenn ihnen die Basiskompetenzen mitgegeben werden. Die Sportf\u00f6rderung ist in der Bundesverfassung bereits verankert (\u00abJugend und Sport\u00bb). Um den Kindern die ihnen entsprechenden Optionen offenhalten zu k\u00f6nnen, sollte dasselbe f\u00fcr die Musik gelten.<\/p>\n<p> Aus diesen Gr\u00fcnden empfehlen wir f\u00fcr die Abstimmung vom 23. September den Gegenvorschlag zur Musikinitiative zur Annahme. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 07.09.2012 &#8212; Am 23. 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