{"id":499,"date":"2014-01-11T12:03:44","date_gmt":"2014-01-11T12:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/drs2-umbau-grund-zur-besorgnis\/"},"modified":"2014-01-11T12:03:44","modified_gmt":"2014-01-11T12:03:44","slug":"drs2-umbau-grund-zur-besorgnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/drs2-umbau-grund-zur-besorgnis\/","title":{"rendered":"DRS2-Umbau: Grund zur Besorgnis?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">21.09.2012 &#8212; Die Welt geht wieder einmal unter. Das tut sie regelm\u00e4ssig, wenn Kulturinstitutionen Umbaupl\u00e4ne oder Neuorganisationen ank\u00fcndigen. Und der \u00f6ffentlich-rechtliche Kultursender DRS2 ist ohne Zweifel eine Institution. Ein Artikel in der <a href=\"http:\/\/medienwoche.ch\/2012\/09\/12\/befreiungsschlag\/\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abMedienwoche\u00bb<\/a> hat viele aufgeschreckt: Vieles soll im Schweizer Kulturradio neu definiert werden. <\/p>\n<p> Man kann die Aufregung ein wenig verstehen: Die Begr\u00fcndungen der Verantwortlichen sind \u2013 vorausgesetzt die Darstellung der \u00abMedienwoche\u00bb vermittelt ein korrektes Bild \u2013 n\u00e4mlich tats\u00e4chlich nahe an aufgeblasener Phrasendrescherei (sehr nahe daran). Ein wichtiges Motiv bringt die SRF-Kulturchefin Nathalie Wappler aber auf den Punkt: Der Sender habe sich \u00fcber die Jahrzehnte unkoordiniert entwickelt und sei jetzt \u00abin den gewachsenen Strukturen gefangen.\u00bb Man m\u00fcsse deshalb \u00abeinen Befreiungsschlag wagen.\u00bb <\/p>\n<p> Das erinnert etwas an die Verlautbarungen des gescheiterten fr\u00fcheren BAK-Filmchefs Nicolas Bideau mit Blick auf die staatliche F\u00f6rderung audiovisueller Medien, an den Ruf nach einer \u00abLigne \u00e9ditoriale\u00bb, mit der eine wilde Truppe unberechenbarer Individualisten auf obrigkeitlichen Kurs gebracht werden soll. <\/p>\n<p> Eine wilde Truppe unberechenbarer Individualisten pr\u00e4gt zur Zeit die Inhalte von DRS2 (\u00abwild\u00bb ist dabei zugegebenermassen eine gutmeinende Etikettierung, vieles k\u00f6nnte durchaus auch etwas weniger brav daherkommen). Das ist auch gut so. Mehr Struktur k\u00f6nnte in der naturgem\u00e4ss chaotischen Kulturberichterstattung (sie gleicht dem Geist, den sie begreift, der Kultur selber n\u00e4mlich) zu formaler und inhaltlicher Verarmung f\u00fchren. <\/p>\n<p> Wird das Fernsehen in der Konvergenz von Radio DRS und Fernsehen SF zum grossen Bruder? Nimmt man die Vorbilder von SF 1 als Massstab, dann w\u00e4re davon nichts Gutes zu erwarten. \u00dcber die mittlerweile unbedarften Sendungen \u00abKulturplatz\u00bb und \u00abBox Office\u00bb etwa, die ihren Befreiungsschlag schon hinter sich haben, m\u00f6chte man sich wenigstens \u00e4rgern k\u00f6nnen. Es geht leider nicht, weil man vorher schon vor Langeweile einschl\u00e4ft. \u00dcbernimmt bei der Konvergenz die Fernsehkultur den Lead, dann d\u00fcrfte es gr\u00f6bere Probleme geben.<\/p>\n<p> Einige der Motive zum DRS2-Umbau scheinen aber berechtigt. Tats\u00e4chlich hat das Tagesprogramm wenig Profil; die am Morgen eng aufeinanderfolgenden Sendungen \u00abKontext\u00bb und \u00abReflexe\u00bb, die exzellent gemacht sind, unterscheiden sich wenig voneinander, und DRS2 aktuell wird am Mittag zum d\u00fcmmsten Zeitpunkt &#8211; in einem DRS1-Nachrichtenfenster &#8211; gesendet. Das DRS2-Tagesprogramm etwas aufzupeppen, scheint legitim. <\/p>\n<p> Die inhaltlich sehr anspruchsvollen Abendsendungen mit Weltklasseniveau wie \u00abDiskothek im Zwei\u00bb, \u00abJazz Collection\u00bb, \u00abMusik unserer Zeit\u00bb oder das sonntagnachmitt\u00e4gliche \u00abParlando\u00bb mit Einschaltquoten-Denken unter Druck zu setzen, k\u00e4me hingegen einem Schildb\u00fcrgerstreich gleich. <\/p>\n<p> DRS2 (oder neu \u00abSRF 2 Kultur\u00bb) wird wie kaum ein anderer Sender vom Ende des linearen Radioh\u00f6rens profitieren. Die auch als Podcasts genutzten Hintergrund-Sendungen sind Perlen im \u00f6ffentlich-rechtlichen Radioangebot. Man muss sie st\u00e4rken, nicht schw\u00e4chen. Und noch mehr auf handwerkliche Brillanz und inhaltliche Qualit\u00e4t setzen. <\/p>\n<p> \u00c4nderungen kann man allerdings erst dann wirklich beurteilen, wenn sie umgesetzt worden sind. Man sollte den SRF-Machern also zun\u00e4chst mal eine Chance geben. Nach wie vor gilt n\u00e4mlich Giuseppe Tomasi di Lampedusas Einsicht, dass sich alles \u00e4ndern muss, wenn es so bleiben soll, wie es ist. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 21.09.2012 &#8212; Die Welt geht wieder einmal unter. 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