{"id":50,"date":"2014-01-06T10:28:04","date_gmt":"2014-01-06T10:28:04","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/die-luzerner-musikhochschule-im-umbruch\/"},"modified":"2014-01-06T10:28:04","modified_gmt":"2014-01-06T10:28:04","slug":"die-luzerner-musikhochschule-im-umbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/die-luzerner-musikhochschule-im-umbruch\/","title":{"rendered":"Die Luzerner Musikhochschule im Umbruch"},"content":{"rendered":"<p>26.02.2010<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Die Luzerner Musikhochschule f\u00e4hrt &#8211; von der Konferenz der Schweizer Musikhochschulen (KMHS) kritisch be\u00e4ugt &#8211; ein Sonderz\u00fcglein in Sachen Master-Studieng\u00e4ngen. Nun hat sie aus heiterem Himmel auch noch ihren Rektor entlassen. Die Konflikte sind Symptome f\u00fcr die Unruhen und Verunsicherungen, welche die Reformierung der Schweizer Fachhochschul-Landschaften mit sich bringen.<\/strong><\/p>\n<p> Stephan Siegenthaler ist konsterniert. Im August 2008 ins Amt des Rektors der Hochschule Luzern &#8211; Musik (HSLU M) berufen, ist der Klarinettist und erfolgreiche fr\u00fchere Medizinaltechnik-Unternehmer Ende Dezember 2009 auf die Strasse gestellt worden. Ohne dass er zuvor zu einem Gespr\u00e4ch \u00fcber m\u00f6gliche Kritiken an seiner Arbeit eingeladen worden w\u00e4re, ist ihm er\u00f6ffnet worden, dass ihm gek\u00fcndigt werde. M\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die drastische Massnahme blieben (und bleiben) f\u00fcr ihn nicht nachvollziehbar. In der lokalen Presse ist diffus die Rede von \u00abunterschiedlichen Auffassungen betreffend F\u00fchrung\u00bb oder \u00abEinzelheiten, die allein f\u00fcr eine K\u00fcndigung nicht ausreichen, aber in der F\u00fclle zum Problem wurden\u00bb.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><br \/> Hochschule Luzern &#8211; Musik:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.hslu.ch\/musik.htm\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.hslu.ch\/musik.htm<\/a><br \/> Codex-flores-Editorial zur Geschichte:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/editorials.php?art=604\">Ein Eklat in Luzern wird zur Nagelprobe<\/a><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Mit Unverst\u00e4ndnis haben auf die Entlassung zahlreiche renommierte Exponenten des nationalen und internationalen Musiklebens reagiert. So erkl\u00e4rt etwa Roman Brotbeck, der von 2003 bis Sommer 2009 als Fachbereichsleiter Musik und heute als Dozent und Vizedirektor der Hochschule der K\u00fcnste Bern amtet, er bedaure den Schritt ausdr\u00fccklich, \u00abweil die Luzerner Hochschule unter Stephan Siegenthaler den besten Ruf genoss\u00bb. Er habe \u00abmit der Berufung von neuen Lehrkr\u00e4ften die Ausrichtung der Hochschule modernisiert und der zeitgen\u00f6ssischen Musik zu gr\u00f6sserer Beachtung verholfen\u00bb.<\/p>\n<p> Auch der Oboist und Komponist mit Weltruf Heinz Holliger ist der \u00dcberzeugung, dass die K\u00fcndigung Siegenthalers, den er aufs H\u00f6chste sch\u00e4tze, der HSLU M \u00abgrossen Schaden\u00bb zuf\u00fcge. Zahlreiche weitere gewichtige Stimmen des Musiklebens haben sich zur Verteidigung Siegenthalers erhoben.<\/p>\n<p> Der nun wieder vakante Rektorposten ist nicht die einzige Baustelle der HSLU M. Die Schweizer Konferenz der Musikhochschulen (KMHS) hat sich mit Blick auf die Reformen der Ausbildungen hin zu Bachelor- und Masterstudieng\u00e4ngen \u00abauf ein koordiniertes, inhaltlich abgestimmtes und argumentativ vereinheitlichtes Vorgehen\u00bb geeinigt. Man hat sich dabei laut Michael Eidenbenz, dem Direktor der Z\u00fcrcher Musikhochschule, auf ein Studienangebot mit zwei Bachelor und vier Master in Musikp\u00e4dagogik, Performance, Specialized Performance sowie Komposition und Theorie geeinigt. F\u00fcr diese Masterstudieng\u00e4nge m\u00fcssen Studierende je 120 ECTS (Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer System) aufwenden.<\/p>\n<p> Luzern habe, so Eidenbenz weiter, in einer relativ sp\u00e4ten Phase des Bewilligungsverfahrens diese einheitliche Vorgehensweise insofern unterlaufen, als man sich auf zwei Master-Angebote beschr\u00e4nkte, von denen eines urspr\u00fcnglich mit 90 ECTS dotiert sein sollte. (Das Sonderz\u00fcglein ist allerdings keine Erfindung der Musikhochschule. Sie ist damit 2006 Vorgaben gefolgt, welche der damals Fachhochschule Zentralschweiz genannte Luzerner Fachhochschul-Verbund zur Ausgestaltung der Master-Angebote machte. Er liess nur zwei Master-Studieng\u00e4nge zu.)<\/p>\n<p> Die KMHS habe den Alleingang (mit Recht, wie Eidenbenz betont) als gef\u00e4hrlich betrachtet, da er belegt h\u00e4tte, dass die definierten Hochschulkompetenzen offenbar auch mit kleineren und billigeren Angeboten erzielt werden k\u00f6nnten. In einer Aussprache im Sommer 2007 habe man sich deshalb darauf geeinigt, dass Luzern zwar nur zwei Master-Studieng\u00e4nge beantragen werde, dass diese aber mit 120 ECTS dotiert w\u00fcrden und dass die Abschlusskompetenzen gesamtschweizerisch einheitlich bleiben sollten. Damit sollte sichergestellt werden, dass Konkurrenz nicht auf der Ebene der formalen Anforderungen, sondern auf derjenigen der inhaltlichen Qualit\u00e4t zum Tragen kommen sollte. Der Bund hat schliesslich alle Antr\u00e4ge in der eingegebenen Form bewilligt.<\/p>\n<p> <strong>Konsensorientierte Zukunft der Masterstudieng\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<p> Damit sind die grundlegenden Differenzen der KMHS mit Luzern zwar bereinigt worden. Solche ergeben sich aber nach wie vor bei der Umsetzung. So bietet Luzern beispielsweise die M\u00f6glichkeit an, beide Masterprogramme gleichzeitig zu studieren, was erneut der restschweizerischen Systematik entgegenl\u00e4uft und neuerliche Bef\u00fcrchtungen ausl\u00f6st, in der Zentralschweiz w\u00fcrden Studierende mit Spezial-Angeboten angezogen. Siegenthaler war nach \u00dcberzeugung von Mitgliedern der KMHS wesentlich daran beteiligt, f\u00fcr die offenen Fragen konstruktive L\u00f6sungen zu finden, die mit seiner Entlassung wieder gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p> Pierre Wavre, der Pr\u00e4sident der KMHS, anerkennt, dass das Luzerner System mit zwei Masterstudieng\u00e4ngen \u2013 einem mit Schwerpunkt P\u00e4dagogik und einem mit Schwerpunkt Interpretation \u2013 raffiniert ausgestaltet ist. Die Schweiz schaffe mit dem Verlust der Unit\u00e9 de doctrine aber Konfusionen, nicht zuletzt auch im Ausland. Wavre bedauert \u00fcberdies, dass mit den Differenzen die Rolle der KMHS als normierende Kraft geschw\u00e4cht wird.<\/p>\n<p> Martin Sch\u00fcssler, Prorektor und Projektbeauftragter f\u00fcr die Masterprogramme der HSLU M vermutet hinter der Kritik Missverst\u00e4ndnisse. Die Master k\u00f6nnten in Luzern zwar tats\u00e4chlich parallel studiert werden, erkl\u00e4rt er, in der Summe m\u00fcsste dazu aber trotzdem die Zeit aufgewendet werden, die f\u00fcr zwei hintereinander absolvierte Masterstudieng\u00e4nge n\u00f6tig sei. Auch die Bef\u00fcrchtungen, das Schweizer System werde im Ausland nicht verstanden, teilt er nicht. Die Studieng\u00e4nge in Deutschland etwa seien weitaus komplexer differenziert als die schweizerischen.<\/p>\n<p> Sch\u00fcssler sieht das eigentliche Problem ohnehin nicht in der Art der Definition der Studieng\u00e4nge, sondern in der Frage der Finanzierung von Ausbildungen durch den Bund. Dieser wolle Studierende n\u00e4mlich beim Studium eines Masters bloss einmal unterst\u00fctzen, was gegen\u00fcber fr\u00fcheren Stipendienregeln einen R\u00fcckschritt bedeute. Er w\u00fcnschte sich, dass die KMHS sich dieses Problems dezidierter annehmen w\u00fcrde. Eidenbenz bes\u00e4tigt das Problem und erkl\u00e4rt, dass es zur Zeit Thema von Gespr\u00e4chen zwischen der Konferenz der Fachhochschulen der Schweiz und dem Bundesamt f\u00fcr Berufsbildung und Technologie sei.<\/p>\n<p> <strong>Unruhen durch Zusammenf\u00fchrung mehrerer Schulen<\/strong><\/p>\n<p> Die Einf\u00fchrung der Bachelor- und Master-Studieng\u00e4nge sind bloss der H\u00f6hepunkt grosser Umw\u00e4lzungen, mit denen der Lehrk\u00f6rper der HSLU M in den vergangenen Jahren hat fertigwerden m\u00fcssen: 1999 wurden das Konservatorium Luzern, die Akademie f\u00fcr Schul- und Kirchenmusik und die Jazz Schule Luzern \u2013 drei unabh\u00e4ngig voneinander begr\u00fcndete und gewachsene Institutionen mit teils sehr unterschiedlichen inneren Kulturen \u2013 in der Stiftung Musikhochschule Luzern zusammengef\u00fchrt und der Fachhochschule Zentralschweiz angegliedert, die seit Oktober 2007 unter dem Namen \u00abHochschule Luzern\u00bb auftritt. Im Zuge dieses Namenwechsels tr\u00e4gt die Musikhochschule seither den offiziellen Namen \u00abHochschule Luzern \u2013 Musik\u00bb.<\/p>\n<p> Unter der Leitung des Gr\u00fcndungsdirektors Th\u00fcring Br\u00e4m und dessen Nachfolgers Alois Koch (ab 2001), ist die HSLU M in den Worten des fr\u00fcheren Direktors von Radio DRS2 Arthur Godel zu einem Haus mit internationaler Ausstrahlung und Anziehung weiter entwickelt worden. Seit der \u00dcbernahme der Leitung durch Stephan Siegenthaler im September 2008 habe die Schule nochmals einen grossen Schritt getan. Godel beobachtet als langj\u00e4hriger Pr\u00e4sident des Migros Instrumental- und Kammermusikwettbewerbs, dass Luzern auf dem besten Weg ist, in der Spitzengruppe der Schweizer Hochschulen mithalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Die Umw\u00e4lzungen hatten allerdings auch ihren Preis. Kurz vor Siegenthalers Amtsantritt ist in die F\u00fchrungsstruktur mit der Aufl\u00f6sung der Stelle des Verwaltungschefs erheblich eingegriffen worden, und zwei Monate vor dem Amtsantritt von Siegenthaler war in der Schulleitungskonferenz ein Burn-out zu beklagen. Gut unterrichtete Beobachter des Luzerner Musiklebens best\u00e4tigen \u00fcberdies, dass mindestens ein Kandidat f\u00fcr die Nachfolge Kochs, die 2007 in der Endauswahl standen, anonyme Drohungen erhalten und sich deshalb zur\u00fcckzogen habe. F\u00fcr die Wahl des neuen Rektors ist deshalb in der Folge von Januar bis April 2008 ein Berufungsverfahren ohne Ausschreibung und Assessment durchgef\u00fchrt worden, das letztlich zur einstimmigen Wahl Siegenthalers gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p> Die Zusammenf\u00fchrungen und die Differenzen zu den anderen Schweizer Masterangeboten haben dazu gef\u00fchrt, dass die Einsch\u00e4tzung der St\u00e4rken und Eigenheiten der HSLU M von aussen noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Unter Interessenten an ihren Ausbildungsg\u00e4ngen wird unter anderem hier und da herumgeboten, Luzern akzeptiere Ausbildungswillige, die in Z\u00fcrich oder Bern abgewiesen w\u00fcrden und ziele darauf ab, die Zahl der Studierenden m\u00f6glichst gross zu halten.<\/p>\n<p> <strong>Internationales Lob f\u00fcr die Masterstudieng\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<p> Stephan Siegenthaler widerspricht dem. Er weist darauf hin, dass letztes Jahr in Luzern etliche Bewerber nicht aufgenommen wurden, die dann in Z\u00fcrich oder Basel untergekommen seien. Dass die Studierendenzahlen bewusst konstant gehalten werden, geht auch aus Zahlen hervor, die Beatrice Windlin, die Kommunikationsbeauftragte der HSLU M vorlegen kann. In den letzten f\u00fcnf Jahren weisen diese jeweils rund 500 Studierende aus. Der Spitzenwert ist in diesem Zeitraum 2007\/08 mit 521 erreicht worden, 2009\/10 z\u00e4hlt die Musikhochschule etwas weniger, n\u00e4mlich 498 Studierende.<\/p>\n<p> Die internationale Expertengruppe, die das Akkreditierungsgesuch der realisierten Masterstudieng\u00e4nge beurteilt, stellt der HSLU M laut Windlin ein hervorragendes Zeugnis aus. Die Expertengruppe anerkenne, dass die Hochschule 2006 das Europ\u00e4ische Qualit\u00e4ts-Label \u00abCommitted to Excellence\u00bb erhalten habe und alle zwei Jahre eine Selbstbewertung anhand der Kriterien des entsprechenden Modells durchf\u00fchre. Der Studienplan erm\u00f6gliche zudem in beispielgebender Weise den Erwerb jeweils individuell abgestimmter beruflicher Kompetenzen. Laut Expertengruppe musterg\u00fcltig seien, so Windlin, auch die ausformulierten Qualit\u00e4tsstandards f\u00fcr die Lehre.<\/p>\n<p> Angesichts der Tatsache, dass die positiven Entwicklungen unter Siegenthalers Leitung nach Einsch\u00e4tzung zahlreicher externer Beobachter einen weiteren Schub erhalten haben, ist dessen unzimperliche Entlassung schwer nachvollziehbar. Rechtlich allerdings l\u00e4sst sie sich allerdings nicht anfechten. Thomas Geiser, Rechtsprofessor der Uni St.Gallen und Mitglied der Arbeitsgruppe Filmf\u00f6rderungskonzepte des Bundes, l\u00e4sst an der juristischen Rechtm\u00e4ssigkeit der K\u00fcndigung keine Zweifel.<\/p>\n<p> Gehe es um eine privatrechtliche Anstellung, dann herrsche grunds\u00e4tzlich K\u00fcndigungsfreiheit, erkl\u00e4rt Geiser, eine K\u00fcndigung brauche keinen besonderen Grund. Es gebe nur gewisse Gr\u00fcnde, welche nicht zul\u00e4ssig seien, weil sie in der einen oder andern Form als diskriminierend angesehen w\u00fcrden. Selbst wenn ein solcher Grund vorliege, sei die K\u00fcndigung allerdings g\u00fcltig und wirksam.<\/p>\n<p> Diese f\u00fcr die Abteilung einer \u00f6ffentlichen Hochschule ungew\u00f6hnliche rechtliche Konstruktion (neben der Musikausbildung ist an der Hochschule Luzern auch die Schule f\u00fcr Soziale Arbeit noch privatrechtlich organisiert), hat historische Gr\u00fcnde und wird allgemein als korrekturbed\u00fcrftig empfunden.<\/p>\n<p> Von den Fachhochschulverantwortlichen kommen mit Blick auf die Entlassung Siegenthalers denn auch gemischte Signale. Zum einen stellen sie sich auf den rechtlich einzig m\u00f6glichen Standpunkt, dass sie auf die Personalentscheide der Stiftung keinen direkten Einfluss haben, andererseits anerkennen sie, dass die ganze Situation unbefriedigend ist, und sie suchen mit Blick auf die k\u00fcnftigen Entwicklungen das Gespr\u00e4ch mit den Dozierenden. Es ist auch bereits vorgesehen, die privaten Tr\u00e4gerstiftungen aufzul\u00f6sen und die betroffenen Teilschulen juristisch vollst\u00e4ndig in die Hochschule zu integrieren.<\/p>\n<p> <strong>Viele Fragen bleiben zur Zeit noch offen<\/strong><\/p>\n<p> Aber auch wenn die Rechtslage klar ist, bleiben Fragen zur Legitimierung der Trennung von Siegenthaler. Pierre Peyer, der Pr\u00e4sident des Stiftungsrates, beteuert etwa, dass der entsprechende Entscheid des Stiftungsrates einstimmig gefallen ist, mit der Begr\u00fcndung, \u00abdass die Aus\u00fcbung der Rolle als Rektor nicht den Vorstellungen und Erwartungen des Stiftungsrates entsprach und Stephan Siegenthaler das Vertrauen der Mitarbeitenden der zweiten und dritten F\u00fchrungsebene verloren hat\u00bb. Mit Blick auf die Geschwindigkeit, in welcher der Entscheid zustandegekommen ist, deutet dies allerdings weniger darauf hin, dass die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Entlassung offensichtlich gewesen sind.<\/p>\n<p> Siegenthaler hat laut eigenen Angaben bis heute \u00fcber die in der Presse angedeuteten, eher vagen und eine Freistellung ohne eingehendere Abkl\u00e4rungen keinesfalls rechtfertigenden Vorw\u00fcrfe hinaus keine in seinen Augen befriedigende Begr\u00fcndung erhalten. Die formale Einstimmigkeit muss deshalb eher als Zeichen daf\u00fcr gedeutet werden, dass mehrere Stiftungsr\u00e4te (von denen einige auch bloss ex officio in dem Gremium sitzen und das Innenleben der HSLU M kaum aus eigener Erfahrung kennen d\u00fcrften) sich kein Bild von den Hintergr\u00fcnden machen konnten, aber dennoch f\u00fcr die folgenreiche Entlassung votierten.<\/p>\n<p> Verst\u00e4rkt werden die Bedenken mit Blick auf die Veflechtung der Entscheidungstr\u00e4ger, die sich in lokalen Kontrollorganen von Kulturinstitutionen auch andernorts nat\u00fcrlicherweise ergeben. Peyer ist nicht nur Pr\u00e4sident des Stiftungsrates der HSLU M, sondern auch Pr\u00e4sident des Tr\u00e4gervereins des Orchesters. Er amtet \u00fcberdies als Stiftungsrat der Tr\u00e4gerstiftung KKL Luzern und als Stiftungsrat und Mitglied des Ausschusses der Stiftung Konzerthaus Luzern sowie als Mitglied des Konservatoriums-Vereins Dreilinden Luzern.<\/p>\n<p> Die \u00c4mterkumulation hat Peyer gem\u00e4ss eigenen Beteuerungen nicht gesucht; sie habe sich vielmehr aus gewissen Notwendigkeiten ergeben, erkl\u00e4rt er. Mit Blick auf die Rektoren-Entlassung r\u00e4umt er die Delikatesse der Konstruktion allerdings ein. Er habe diese, versichert er, aber immer transparent thematisiert und sei bei m\u00f6glichen Rollenkonflikten konsequent in den Ausstand getreten.<\/p>\n<p> Laut Peyer ist Siegenthaler nicht zuletzt berufen worden, um der HSLU M ein neues Gesicht zu geben. Dass nach dem Scheitern der ersten Runde der Wahl zur Nachfolge Kochs und anderer deutlicher Hinweise darauf, dass die Musikhochschule mit nicht aufgearbeiteten Konflikten belastet ist, die Situation nicht bereinigt wurde, bevor man die strategische Position des Rektors neu besetzte, ist erst recht schwer verst\u00e4ndlich. Mit Siegenthaler ist zudem eine F\u00fchrungskraft von aussen ohne Hausmacht und Erfahrung in der Leitung einer der \u00d6ffentlichkeit verpflichteten Institution eingesetzt worden.<\/p>\n<p> Im Rahmen des \u00f6ffentlichen Rechts h\u00e4tte Siegenthaler gegen den Entscheid Appellationsm\u00f6glichkeiten, die eine Untersuchung der Hintergr\u00fcnde erzwingen k\u00f6nnten. Aufgrund der privatrechtlichen Konstruktion rund um die HSLU M bleibt ihm eine solche zwar verwehrt. Falls Kandidaten vor der Berufung Siegenthalers tats\u00e4chlich bedroht wurden, m\u00fcssten Untersuchungsbeh\u00f6rden m\u00f6glicherweise von sich aus aktiv werden. Bedrohungen d\u00fcrfen keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Geht es um Beh\u00f6rden und Beamte, gelten sie nach Artikel 285 StGB sogar als Offizialdelikt.<\/p>\n<p> Eine Untersuchung w\u00e4re aber schon nur aus hochschulpolitischen Gr\u00fcnden angezeigt. Die Hochschule Luzern m\u00fcsste an einer Aufarbeitung interessiert sein, wird sie doch mit der rechtlichen Integration der HSLU M alle mit dem Scheitern der Etablierung eines neuen Rektors keineswegs gel\u00f6sten, sondern vermutlich eher verst\u00e4rkten Probleme innerhalb der HSLU M erben. Der Stiftungsrat hat sich gegen\u00fcber Forderungen nach einer Abkl\u00e4rung aus den Kreisen des Dozentenschaft der HSLU M und von Siegenthaler selber bislang allerdings resistent gezeigt. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26.02.2010 Die Luzerner Musikhochschule f\u00e4hrt &#8211; von der Konferenz der Schweizer Musikhochschulen (KMHS) kritisch be\u00e4ugt &#8211; ein Sonderz\u00fcglein in Sachen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-50","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulturpolitik","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}