{"id":501,"date":"2014-01-11T12:04:52","date_gmt":"2014-01-11T12:04:52","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/giesskanne-oder-schwerpunkte-falsche-frage\/"},"modified":"2014-01-11T12:04:52","modified_gmt":"2014-01-11T12:04:52","slug":"giesskanne-oder-schwerpunkte-falsche-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/giesskanne-oder-schwerpunkte-falsche-frage\/","title":{"rendered":"Giesskanne oder Schwerpunkte? Falsche Frage"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">19.10.2012 &#8212; Pro Helvetia hat einen neuen Direktor. In den ersten Tuchf\u00fchlungen mit der \u00d6ffentlichkeit hat er feststellen d\u00fcrfen, dass es in der Kulturf\u00f6rderung offenbar so etwas wie eine Gretchenfrage gibt: Nun sag, wie hast du\u2019s mit der Giesskanne? Und Andrew Holland, der die Gewissensfrage offensichtlich erwartet hat, hat auch gleich klargemacht: Ich bin ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, ich halt\u2019 nicht viel davon. <\/p>\n<p> Nix Giesskanne; Hollands Ding sind Schwerpunkte. <\/p>\n<p> Das ist ja alles sehr l\u00f6blich. Holland ist ein Mann, der weiss, was er will und keine Wundert\u00fcte, auch wenn er \u2013 als bisheriger Stellvertreter seines Vorg\u00e4ngers, des grossen Zampanos Kn\u00fcsel \u2013 medial eher ein Schattendasein gef\u00fchrt hat. Das Problem ist bloss: Die Frage ist falsch gestellt. Eine Schicksalsfrage auf t\u00f6nernen F\u00fcssen sozusagen. <\/p>\n<p> Giesskanne und Schwerpunkte sind keine <em>Alternativen<\/em>, sie setzen als F\u00f6rderst\u00fctzen <em>auf verschiedenen Ebenen<\/em> des kreativen Prozesses an. Es braucht beide, einfach auf unterschiedlicher Flugh\u00f6he. Dort wo es darum geht, auf sehr elementarem Niveau neue Ideen zu sammeln, kann nur die Giesskanne helfen, denn da d\u00fcrfen keine \u00e4sthetischen oder qualitativen Vorentscheide getroffen werden. Da geht es um die Masse, aus der sich erst mit der Zeit die tragf\u00e4higeren Konzepte abzuheben beginnen. <\/p>\n<p> Schwerpunkte kann man setzen, wenn man bereits weit entwickelte und weitgehend gereifte Ideen st\u00e4rken will. Dazu muss man Kriterien haben, die sich in einem Spannungsfeld zwischen \u00e4sthetischen oder politischen Zielen und Qualit\u00e4tserwartungen bewegen. <\/p>\n<p> Pro Helvetia hat ein vergleichsweise bescheidenes Budget. Mit diesem ist die Speisung eines genug breit abgest\u00fctzten Basislabors neuer Ideen gar nicht machbar. Es bleibt der Kulturstiftung gar nichts anders \u00fcbrig, als mindestens eine Stufe h\u00f6her anzusetzen. Der neue Direktor muss also nicht diesen Grundsatzentscheid treffen, sondern transparent machen, nach welchen \u00e4sthetischen und politischen Kriterien er Schwerpunkte setzt. <\/p>\n<p> Er wird zwangsl\u00e4ufig die einen bevorzugen und andere benachteiligen. Den Mut dazu muss er haben, und der Stiftungsrat genug R\u00fcckgrat, um daf\u00fcr die politische Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Es sei denn, es gel\u00e4nge ihm das Kunstst\u00fcck, nachzuweisen, dass tats\u00e4chlich nur soviele Projekte als Schwerpunkte der W\u00fcrdigung verdienen, wie Pro Helvetia auch zu f\u00f6rdern in der Lage ist. <\/p>\n<p> Wir werden vermutlich immer damit leben m\u00fcssen, dass Kulturf\u00f6rderung sui generis ungerecht ist. Am besten, man nimmt\u2019s mit Humor. Mal sind die einen am Ruder, mal die andern. So ist das halt nun mal. Wenn\u2019s denn auch so ist, dass Abwechslung garantiert ist. <\/p>\n<p> Das Problem, das wir heute in der Kulturf\u00f6rderung tats\u00e4chlich haben, ist: Wer giesst denn nun aus der Kanne? <\/p>\n<p> Masse kann eigentlich nur an der Basis generiert werden. Die geeignetsten G\u00e4rtner w\u00e4ren also die Gemeinden, das politische Kleinvieh der Schweiz. Gerade f\u00fcr die Gemeinden bedeutet Kulturf\u00f6rderung aber in erster Linie Selbstdarstellung oder Leistungsshow. Sie sind nicht interesselose Zudiener des Bundes. Die Einsicht durchzusetzen, dass in der Gemeinde gegossen werden muss, was als Schwerpunkt leuchten soll im Vaterland, ist nicht einfach. <\/p>\n<p> Da ist nun die wirkliche Herausforderung f\u00fcr die k\u00fcnftige Kulturf\u00f6rderung zu finden: Im richtigen Zusammenspiel von Geisskannen und Schwerpunktsetzern, verwoben ins Geflecht von Gemeinden (St\u00e4dten), Kantonen, Bund und Privaten. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 19.10.2012 &#8212; Pro Helvetia hat einen neuen Direktor. 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