{"id":507,"date":"2014-01-11T14:21:44","date_gmt":"2014-01-11T14:21:44","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wo-bitte-geht-es-zur-kulturpolitik-debatte\/"},"modified":"2014-01-11T14:21:44","modified_gmt":"2014-01-11T14:21:44","slug":"wo-bitte-geht-es-zur-kulturpolitik-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wo-bitte-geht-es-zur-kulturpolitik-debatte\/","title":{"rendered":"Wo bitte geht es zur Kulturpolitik-Debatte?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">25.01.2013 &#8212; Eigentlich wollten wir von der Brancheninformation berichten, die das Bundesamt f\u00fcr Kultur (BAK) jedes Jahr an den Solothurner Filmtagen durchf\u00fchrt. Da treffen sich F\u00f6rderer (des Bundes) und Gef\u00f6rderte, fr\u00fcher im stilvollen Hotel Krone \u2013 wer die schmucke Stadt Solothurn kennt, weiss, wovon wir sprechen \u2013, nun im unterk\u00fchlten Kino im Uferbau. Das waren mal spannende Begegnungen, weil die Fetzen flogen. Heute ist die Veranstaltung so staubtrocken wie ein Bundesordner, deshalb wollen wir damit auch keine Kolumne f\u00fcllen, das w\u00e4re ein Zumutung f\u00fcr unsere Leserinnen. F\u00fcr die Leser nat\u00fcrlich auch. Die st\u00f6ren angestaubte Arbeitsumgebungen bloss weniger.<\/p>\n<p> Ivo Kummer war mal Direktor der Filmtage Solothurn, heute ist das Seraina Rohrer. Sie st\u00f6rt sich an Staub auch mehr als ihr Vorg\u00e4nger: Zur Er\u00f6ffnung der diesj\u00e4hrigen Schweizer Werkschau des Filmes hat sie sich frechere, mutigere Filme mit Haltung, mit andern Worten weniger Mief gew\u00fcnscht. Ivo Kummer ist heute Leiter der Sektion Film im BAK. Im Kino im Uferbau sprach er vor allem \u00fcber Formulare (g\u00e4hn), Einreichefristen f\u00fcr Gesuche (g\u00e4hn, g\u00e4hn) und ein bald greifbares Glossar zur Filmf\u00f6rderung (schnarch). <\/p>\n<p> Mit der ersten Kulturbotschaft, das heisst der Umsetzung des Kulturf\u00f6rderungsgesetzes der Schweiz, schien es so, als ob das BAK die Kontrolle \u00fcber die kulturpolitische Diskussion f\u00fcr sich reklamiere. Mutmasslicherweise, um das Niveau zu heben. Konsequenterweise ist als Nachfolger des Provokateurs Pius Kn\u00fcsel als Direktor der Stiftung Pro Helvetia der sehr konziliante Verwaltungsspezialist Andrew Holland installiert worden. Okay, hat man sich gedacht, das ergibt Sinn, wenn das BAK die \u00f6ffentlichen Kontroversen selber orchestrieren will. Da ist man ja mal gespannt gewesen, wie sich das anf\u00fchlen wird. <\/p>\n<p> Wie gesagt: Es f\u00fchlt sich einschl\u00e4fernd an. Man sehnt sich direkt nach den Schauk\u00e4mpfen zwischen dem aufm\u00fcpfigen Filmemacher Samir und Kummers Vorg\u00e4nger Nicolas Bideau, die sich in der Krone jeweils (bildlich gesprochen) an die Gurgel gegangen sind. Oder \u2013 wir wagen das Unaussprechliche auszusprechen \u2013 man w\u00fcnscht sogar den \u00abKulturinfarkt\u00bb zur\u00fcck, das Buch, mit dem Kn\u00fcsel und seine deutschen Mitautoren die Szene t\u00fcchtig aufgemischt und den Staub t\u00fcchtig aufgewirbelt haben. <\/p>\n<p> Nichts davon im Kino im Uferbau. Zum Abschluss der Veranstaltung hat jemand aus dem Publikum auf Kummer sogar ein Loblied gesungen (!), die Ruhe gepriesen (!!), die da pl\u00f6tzlich herrsche und die eben keine \u00abverd\u00e4chtige\u00bb sei, wie der <em>Tagesanzeiger<\/em> geschrieben habe. Kummer bedankte sich und f\u00fcgte noch (selbstironisch?) hinzu, es d\u00fcrfe dann aber auch keine einschl\u00e4fernde Ruhe sein, sonst k\u00f6nne man die Veranstaltung n\u00e4chstes Mal gleich in der St.Ursen-Kathedrale veranstalten (der k\u00fcrzlich nach einem Brandanschlag gr\u00fcndlich entstaubten Kirche im Zentrum der schmucken Stadt Solothurn). Da ist ein h\u00f6rbares kollektives, leicht resigniert anmutendes Seufzen durch den abgedunkelten Saal gegangen. Es gibt noch Hoffnung. <\/p>\n<p> Die Bilanz des kulturpolitischen Leads des BAK ist bislang ern\u00fcchternd: Farbige, \u00f6ffentlichkeitswirksame und diskussionsf\u00f6rdernde Pers\u00f6nlichkeiten (Bideau und Kn\u00fcsel) sind von der Bildfl\u00e4che verschwunden. Ihre Nachfolger fliegen offenbar mit Vorliebe unter dem Radar eines als solchen wahrnehmbaren Diskurses. Und der ebenfalls neue Departementschef, Bundesrat Alain Berset, hat offenbar noch nicht wirklich gemerkt, dass er auch Kulturminister ist. <\/p>\n<p> Jetzt haben wir halt doch \u00fcber den Anlass geschrieben. Dabei h\u00e4tten wir doch den Platz viel besser genutzt, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir uns bald mit der Diskussion der n\u00e4chsten Kulturbotschaft besch\u00e4ftigen sollten. Dazu br\u00e4uchte es aber ein <em>Momentum<\/em>, wie die Eishockeyaner so sch\u00f6n sagen. Irgend so etwas wie Leidenschaft, Begeisterung, das Gef\u00fchl, etwas liege in der Luft. Etwas sei zu erledigen. Kontroversen, Debatten, Emotionen, Engagement&#8230;<\/p>\n<p> Die St\u00f6refriede sind weg. Auf die kulturpolitischen Impluse aus dem BAK, die sie ersetzen k\u00f6nnten, warten wir noch. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 25.01.2013 &#8212; Eigentlich wollten wir von der Brancheninformation berichten, die das Bundesamt f\u00fcr Kultur (BAK) jedes&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-507","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=507"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}