{"id":510,"date":"2014-01-11T14:23:15","date_gmt":"2014-01-11T14:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/schleichender-abbau-des-musikunterrichts\/"},"modified":"2014-01-11T14:23:15","modified_gmt":"2014-01-11T14:23:15","slug":"schleichender-abbau-des-musikunterrichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/schleichender-abbau-des-musikunterrichts\/","title":{"rendered":"Schleichender Abbau des Musikunterrichts?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">08.03.2013 &#8212; Engagierte Bekenntnisse zu einer Bildung, die Empathie und Kreativit\u00e4t f\u00f6rdert, sind sch\u00f6n und gut. Entscheide \u00fcber die \u00e4sthetische Erziehung in Schule und Musikschule werden aber in den Kantonsparlamenten und -verwaltungen gef\u00e4llt. Viele davon unter dem Radar einer wachsamen \u00d6ffentlichkeit. Was da in den vergangenen Monaten so alles unterwegs gewesen ist: In den beiden Basler Halbkantonen etwa soll im Zuge der Umsetzung der Harmonisierung der Schulstrukturen beil\u00e4ufig der Musikunterricht faktisch abgebaut werden. Die Schaffhauser Regierung hat versucht, die Beitr\u00e4ge an die Musikschulen zu k\u00fcrzen \u2013 und ist vom Kantonsrat gottlob zur\u00fcckgepfiffen worden. Der Berner Regierungsrat wiederum ist mit einer K\u00fcrzung der Beitr\u00e4ge an die Musikschulen um eine halbe Million Franken, respektive rund 8 Prozent, durchgekommen. Statt findet der Abbau \u2013 es gr\u00fcsst der F\u00f6deralismus \u2013 unkoordiniert, scheibchenweise und damit unspektakul\u00e4r. Trotz der vom Volk \u00fcberdeutlich angenommenen Musikinitiative.<\/p>\n<p> Wie l\u00e4sst sich daf\u00fcr sorgen, dass der Volkswille auch durchgesetzt wird? Was f\u00fcr Argumente gibt\u2019s? S\u00e4mtliche Bem\u00fchungen, Musikunterricht damit zu rechtfertigen, dass selbiger intelligenter und\/oder sozialer macht, sind gescheitert. Die j\u00fcngeren Diskussionen um den Wert speziell sozialpsychologischer Untersuchungen, die sich a tout prix nicht reproduzieren lassen, um d\u00fcnne Datenbasen und lausige Experimentaldesigns haben solchen Rechtfertigungen die letzte \u00dcberzeugungskraft genommen. Es ist nicht wegzuleugnen: Die Wissenschaft stochert da noch im Nebel. Das Feld ist viel zu komplex, die Parameter-Abh\u00e4ngigkeiten noch viel zu wenig verstanden. Man operiert mit Rahmentheorien aus dem 19. Jahrhundert, die mit viel Spekulation, Mythologie und Phantastereien durchsetzt sind. <\/p>\n<p> Nur scheinbar ein Themenwechsel: Prominente emeritierte Mathematik-Professoren pl\u00e4dieren zur Zeit daf\u00fcr, an den Schulen ein Fach Informatik zu etablieren. Sie legen im neu erscheinenden Buch \u00abinformatik@gymnasium\u00bb (NZZ-Verlag) ein Argumentarium vor, wieso ein solches an den Gymnasien heute unerl\u00e4sslich ist. Das t\u00f6nt wie ein Gegenprojekt zur musischen Bildung. Ist es aber nicht. <\/p>\n<p> Informatiklehrerinnen und Musikerlehrer m\u00fcssen n\u00e4mlich im Grunde genommen versuchen, f\u00fcr die gleiche Basiskompetenz eine Lanze zu brechen: die F\u00e4higkeit, ein Gef\u00fchl f\u00fcr abstrakte Strukturen, Pr\u00e4zision des gegenstandlosen Denkens und das geduldige Sich-Versenken in komplexe, vernetzte Probleme zu f\u00f6rdern. Die \u00dcberflutung der Welt mit visuellen Reizen haben das Denken in Bildern und das freie, impulsive Assoziieren, das als angeblich \u00abkreativ\u00bb hoch im Kurs modischer P\u00e4dagogik steht, zu den Leitkompetenzen der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung gemacht. <\/p>\n<p> Statt sich zu bek\u00e4mpfen, m\u00fcssten sich Mathematikerinnen, Informatiker, Linguistinnen und Musiker zusammentun, um daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, dass die Kompetenzen wieder vermehrt gef\u00f6rdert werden, die den Umgang mit ihren Materien pr\u00e4gen \u2013 und sich verabschieden von dem so unheilvollen wie falschen Denken in angeblichen Gegens\u00e4tzen zwischen materialistischen, wirtschaftskompatiblen F\u00e4higkeiten (den sogenannten Mint-F\u00e4chern \u2013 Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) und soziale und pers\u00f6nliche Entwicklungen f\u00f6rdernden musischen F\u00e4chern. <\/p>\n<p> Es geht nicht um das <em>Was<\/em> der Schulbildung, es geht um das <em>Wie<\/em>, um motivationsf\u00f6rdernde, nicht als Dem\u00fctigungsrituale endende Unterrichtsmethoden zum Erwerb der Kulturtechniken Rechnen, Schreiben, Notenlesen, Singen, Zeichnen und so weiter. Hochklassiger Musikunterricht muss unabdingbarer Teil einer solchen ganzheitlichen P\u00e4dagogik sein. Das war er schon im Mittelalter. Da haben sich die M\u00f6nche auch etwas dabei gedacht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 08.03.2013 &#8212; Engagierte Bekenntnisse zu einer Bildung, die Empathie und Kreativit\u00e4t f\u00f6rdert, sind sch\u00f6n und gut.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-510","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/510","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=510"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/510\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}