{"id":513,"date":"2014-01-11T14:24:55","date_gmt":"2014-01-11T14:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturfoerderung-fuer-stadt-und-land\/"},"modified":"2014-01-11T14:24:55","modified_gmt":"2014-01-11T14:24:55","slug":"kulturfoerderung-fuer-stadt-und-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kulturfoerderung-fuer-stadt-und-land\/","title":{"rendered":"Kulturf\u00f6rderung f\u00fcr Stadt und Land"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">03.05.2013 &#8212; Nach der \u00abSalle modulable\u00bb-Euphorie und dem Katzenjammer als Folge des Scheiterns des Grossprojektes hat Luzern offensichtlich zur realistischen Kulturpolitik zur\u00fcckgefunden. Statt so absurde Ideen zu portieren wie eine Schliessung des Stadttheaters zugunsten unsicherer privater Initiativen wird eine Gesamtstrategie angedacht, die unter anderem die sogenannte Hochkultur &#8211; repr\u00e4sentiert vom KKL &#8211; mit der popul\u00e4ren &#8211; dem Leuchtturm Verkehrshaus &#8211; zusammenfasst und in der auch der Ausgleich zwischen Stadt und Land, respektive Kanton, eine wichtige Rolle spielt. Stadt und Kanton planen, \u00abihre parlamentarischen Vorlagen zur Kulturf\u00f6rderung gleichzeitig zu ver\u00f6ffentlichen, weil sie inhaltlich eng zusammenh\u00e4ngen und aufeinander abgestimmt sind\u00bb, heisst es in einer aktuellen Medienmitteilung. Voraussichtlich im Januar 2014 sollen die Parlamentsdebatten dar\u00fcber stattfinden. <\/p>\n<p> Im Spannungsfeld zwischen Metropole und Kulturleben abseits der urbanen Schmelztiegel finden sich auch Basel-Stadt und Baselland, Bern und sein Umfeld, ja sogar Gegenden wie das Saanenland, wo immer mal wieder die Bed\u00fcrfnisse urbaner Touristen mit denjenigen der l\u00e4ndlichen lokalen Bev\u00f6lkerung kollidieren. <\/p>\n<p> Interessanterweise scheinen die Reibungsfl\u00e4chen ausgerechnet im Fall Z\u00fcrichs eher klein zu sein. Der Finanzmetropole wird immer wieder gerne arrogante Selbstbezogenheit angedichtet. Die Z\u00fcrcher Landbev\u00f6lkerung scheint aber (wie das \u2013 Irrtum vorbehalten &#8211; der Politgeograf Michael Herrmann in einem TV-Talk einmal expliziert hat) auf sein st\u00e4dtisches Zentrum stolz zu sein. Nur so l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, dass seit langem weit \u00fcber 80 Prozent des kantonalen Kulturbudgets ins ausgesprochen urbane Opernhaus fliesst, ohne dass sich im Hinterland sp\u00fcrbarer Widerstand regen w\u00fcrde. <\/p>\n<p> Der Stadt-Land-Konflikt ist in seinem Kern ein solcher \u00fcberholter Wertevorstellungen und Klischees urbaner Kulturschaffender. Diesen zufolge sind die links-gr\u00fcn dominierten urbanen Zentren die Motoren der Innovation, der gesellschaftlichen Offenheit und der Kreativit\u00e4t, wohingegen im b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gten ruralen Hinterland Stillstand, Nostalgie, Abschottung und Intoleranz regieren. Hie experimentelles Theater, Jugendkultur, kreative Exzesse, Nachtleben und Toleranz, da Musikantenstadl, Altersheime, starre Rituale, Friedhofsruhe und Anpassungsdruck. Beide Klischees sind falsch. <\/p>\n<p> Vergegenw\u00e4rtigt man sich Entwicklungsprozesse in l\u00e4ndlichen Gebieten \u00fcber die letzten paar Dutzend Jahre, stellt man fest, dass auch da immer alles in Bewegung ist. Die Prozesse laufen einfacher anders und m\u00f6glicherweise langsamer ab als in den St\u00e4dten. L\u00e4ndliche Gesellschaften setzen der ungez\u00fcgelten Ver\u00e4nderung m\u00f6glicherweise Grenzen, produzieren aber dank ihrem Gemeinschaftssinn auch deutlich weniger soziale Verlierer als die gesellschaftlichen Experimente in den St\u00e4dten.<\/p>\n<p> Das ist auch sehr, sehr viel wert. Man geht kaum fehl, wenn man das innovative Potential der Landregionen nicht als geringer einsch\u00e4tzt als dasjenige der St\u00e4dte, die dadurch verursachten Kollateralsch\u00e4den aber als eher geringer einsch\u00e4tzt.<\/p>\n<p> Ausgleich zwischen Stadt und Land in der Kulturf\u00f6rderung darf nicht darin bestehen, typisch urbane Entwicklungen in den St\u00e4dten abzutemperieren, \u00abum das l\u00e4ndliche Umfeld nicht zu irritieren\u00bb und sich beim Land anzubiedern, damit dieses bereit ist, die Zentrumslasten finanziell mitzutragen. Sie muss darin bestehen, typisch l\u00e4ndliche Kreativit\u00e4t aufzuwerten und ihr ihre Ressourcen an \u00e4sthetischem Know-how zuzugestehen. Damit k\u00f6nnen eigenst\u00e4ndige Entwicklungen angestossen werden \u2013 m\u00f6glicherweise etwas \u00abb\u00fcrgerlichere\u00bb als der Szenen-Chic der St\u00e4dte. Aber was soll daran schlecht sein? <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 03.05.2013 &#8212; Nach der \u00abSalle modulable\u00bb-Euphorie und dem Katzenjammer als Folge des Scheiterns des Grossprojektes hat&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-513","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/513","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=513"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/513\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=513"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=513"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=513"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}