{"id":514,"date":"2014-01-11T14:25:29","date_gmt":"2014-01-11T14:25:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/eine-hilflose-solothurner-verlautbarung\/"},"modified":"2014-01-11T14:25:29","modified_gmt":"2014-01-11T14:25:29","slug":"eine-hilflose-solothurner-verlautbarung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/eine-hilflose-solothurner-verlautbarung\/","title":{"rendered":"Eine hilflose Solothurner Verlautbarung"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">17.05.2013 &#8212; An den Solothurner Literaturtagen haben sich mehrere Interessengruppen rund um den B\u00fcchermarkt zusammengetan (Autorenverb\u00e4nde, Buch\u00e4ndlerinnen, Urheberrechtsgesellschaften, \u00dcbersetzer, etc.) und eine \u00ab<a href=\"http:\/\/www.literatur.ch\/fileadmin\/literaturtage\/2013\/pdf\/Verlautbarung_d_f_i.pdf\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Solothurner Verlautbarung<\/a>\u00bb formuliert. Sie glaubt, dass \u00abdie Literatur ein st\u00e4rkeres Gewicht in der \u00d6ffentlichkeit, in der Kulturpolitik verdient\u00bb. Die konkreten Forderungen reichen von einer \u00abSchaffung von Koordinationsstellen zur Verbesserung der Literaturvermittlung zwischen Autoren, Verlagen und Schulen\u00bb \u00fcber Quoten f\u00fcr Schweizer B\u00fccher beim Einkauf von Bibliotheken\u00bb, nationale Forschungsprojekte zu den \u00abAuswirkungen des Lesens auf den Menschen\u00bb oder gezielte Verlagsf\u00f6rderung bis zur \u00abEinf\u00fchrung eines t\u00e4glichen Literaturtipps im Fernsehen zur besten Sendezeit\u00bb. <\/p>\n<p> Ausgeheckt hat das ein Thinktank oder Groupe de r\u00e9flexion. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um nichts anderes als standespolitisches Lobbying f\u00fcr die Interessen einer Branche. Der etwas altert\u00fcmliche Titel \u00abVerlautbarung\u00bb kn\u00fcpft bloss ans Selbstverst\u00e4ndnis der Literaten (und Literatinnen, um sprachlich barbarisch, aber daf\u00fcr politisch korrekt zu bleiben) fr\u00fcherer Zeiten an. Da hatte sich etwa eine Gruppe Olten noch mit Wut, Trauer und Betroffenheit zu allerlei unliebsamen politischen Ereignissen ge\u00e4ussert und Schriftsteller wurden als Festredner von gewichtigen Gruppen des \u00f6ffentlichen Lebens (Schriftstellerinnen eher weniger) eingeladen \u2013 und die Zeitungen rissen sich ums Abdrucksrecht f\u00fcr die Reden. <\/p>\n<p> Der Thinktank w\u00fcrde die Idee, er betreibe einfach Lobbying im Rahmen von Standespolitik, vermutlich zur\u00fcckweisen. Literatur ist in seinen Augen \u2013 das signalisiert er mit dem Titel des Forderungskataloges \u2012 mehr als bloss eine Wirtschaftsbranche. In der Verlautbarung haben denn auch so skurrile Forderungen Platz wie das \u00abSuchen nach der Herkunft von W\u00f6rtern und \u00f6ffentliches Diskutieren dar\u00fcber\u00bb, oder die \u00abBenennung jener Literaturstr\u00f6mungen, die sich nicht in Kategorien pressen lassen\u00bb. Die sollen dann \u00abSt\u00f6r\u00bb heissen. <\/p>\n<p> Das macht alles einen recht hilflosen Eindruck: Zusammengew\u00fcrfelt werden da Versuche, die Gestaltungshoheit \u00fcber die Materie f\u00fcr die im Thinktank vereinten Gruppen zu reklamieren, mit Forderungen nach staatlichen Eingriffen zur strukturerhaltenden St\u00fctzung einer Branche, die im Umbruch ist \u2012 in einem Umbruch, den Nostalgiker offenbar (und vermutlich zu Recht, vor allem die Buchhandlungen) als existentielle Bedrohung betrachten.<\/p>\n<p> Man schadet damit der Idee eines wirkungsvollen Lobbyings. Solche Sammelsurien, ausgeheckt im kollektivistischen Geist linker Gesellschaftsentw\u00fcrfe vergangener Jahrhunderte lassen sich nicht in realistische politische Vorst\u00f6sse umm\u00fcnzen; Politiker wollen sich ja nicht als Wolkenkuckucksheim-Bewohner ins Out stellen lassen. Und wenn\u2019s darum ginge, intellektuelles Vordenken \u00fcberzeugend zu exerzieren, dann m\u00fcssten die Ideen origineller und vor allem durchdachter sein. <\/p>\n<p> Der (zugegebenermassen mittlerweile ziemlich zur\u00fcckgeschraubte) Anspruch intellektueller und gesellschaftlicher Deutungshoheit der Literaten und das Bed\u00fcrfnis nach realpolitischem Lobbying stehen sich in der \u00abSolothurner Verlautbarung\u00bb gegenseitig im Weg. Man kann so weder das eine noch das andere wirklich ernstnehmen. Vielleicht w\u00e4re die \u00abGroupe de r\u00e9flexion\u00bb gut beraten, sich entweder f\u00fcr das eine oder das andere zu entscheiden.<\/p>\n<p> Auf welche Seite da das Pendel ausschlagen sollte, scheint auch recht klar: Eine professionell agierende Lobbyorganisation, die den Wandel der Branche politisch begleiten w\u00fcrde, w\u00e4re dringend w\u00fcnschbar. Vor allem eine solche, die auch in den eigenen Reihen mehr Dynamik zur Bew\u00e4ltigung des Wandels erzeugen k\u00f6nnte. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 17.05.2013 &#8212; An den Solothurner Literaturtagen haben sich mehrere Interessengruppen rund um den B\u00fcchermarkt zusammengetan (Autorenverb\u00e4nde,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-514","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/514","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=514"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/514\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}