{"id":518,"date":"2014-01-11T14:27:24","date_gmt":"2014-01-11T14:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-medien-i-symbiosen\/"},"modified":"2014-01-11T14:27:24","modified_gmt":"2014-01-11T14:27:24","slug":"kultur-und-medien-i-symbiosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-medien-i-symbiosen\/","title":{"rendered":"Kultur und Medien I: Symbiosen"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">12.07.2013 &#8212; Zivilcourage scheint im Kulturjournalismus nicht unbedingt zu den herausstechenden Eigenschaften zu geh\u00f6ren. Mit dem (unreflektierten, un\u00fcberpr\u00fcften und eh falschen) Totschlagargument, dass es Kultur in den Medien schwer habe, werden regelm\u00e4ssig Konzession an die Kulturveranstalter legitimiert. Man geht \u00abMedienpartnerschaften\u00bb ein, kapriziert sich aufs Anpreisen, statt aufs kritische Begleiten, f\u00fchlt sich avantgardistisch, wenn man dem dumben Volk routinierte Hochkultur \u00abvermittelt\u00bb, statt mit aufs\u00e4ssig Neuem in die Tiefe zu gehen und behandelt die Stars der Szene \u00fcberaus pfleglich \u2012 die sind als Kulturschaffende menschlich ja so verletzlich (was ihre Gesch\u00e4ftspartner h\u00e4ufig anders erleben). Da wird gelegentliche Emp\u00f6rung \u00fcber misslungene Inszenierungen, Gefallsucht und R\u00e4nkespiele rund um Festivals und Ensembles zur Ersatzhandlung. <\/p>\n<p> Kulturjournalisten und Veranstalter sitzen viel zu eng aufeinander. Sie folgen der Doktrin, dass man sich gemeinsam gegen einen Kulturabbau wehren m\u00fcsse, der in Kulturredaktionen zu so etwas wie einem Phantomschmerz geworden zu sein scheint. <\/p>\n<p> Der entscheidende Denkfehler: Kultur<em>journalisten<\/em> sehen sich selber lieber auch als Kultur<em>schaffende<\/em>, anstatt als Analysatoren und Chronisten. Genausowenig wie der Wissenschaftsjournalist Wissenschaftler, der Politjournalist Politiker (leider gibt\u2019s da Ausnahmen, aber das ist ein anderes Thema), der Sportjournalist selber Athlet ist, ist der Kulturjournalist K\u00fcnstler. <\/p>\n<p> Nun hat in der zweiten H\u00e4flte des 20.Jahrhundert der Journalismus Techniken der k\u00fcnstlerischen Produktion \u00fcbernommen und damit kurzfristig seine Attraktivit\u00e4t erh\u00f6ht. Engagierter (sprich: subjektiver) Journalismus ist salonf\u00e4hig geworden, Story Telling, kreative Dramaturgien und so weiter haben Einzug gehalten. N\u00fcchterne, trockene und analytische Schreibe gilt seither als altv\u00e4terlich oder \u2012 schlimmer \u2012 langweilig. Journalismus muss heute nicht mehr nur informieren und Argumente f\u00fcr und gegen etwas liefern, er muss auch unterhalten. Vor allem der Kulturjournalismus. <\/p>\n<p> Das Paradox: Je \u00abunterhaltender\u00bb sich der Kulturjournalismus geb\u00e4rdet hat, umso unverbindlicher und, ja, auch langweiliger ist er geworden.<\/p>\n<p> Der Komponist Pierre Boulez hat k\u00fcrzlich erkl\u00e4rt (wir zitieren aus dem Ged\u00e4chtnis), ihm w\u00fcrden von jungen Tonsetzern immer wieder Werke zur Begutachtung vorgelegt, die in seiner eigenen Tonsprache verfasst seien. Das k\u00f6nne er immer noch selber am besten, seufzte der Nestor der Neuen Musik sinngem\u00e4ss. Offenbar erhofft er sich von andern eben Eigenes und Unerwartetes. Vergleichbares gilt f\u00fcr den Kulturjournalismus: Geschichten schreiben, Stimmungen erzeugen, Spannungsb\u00f6gen kreieren, emotional packen und inhaltlich irritieren k\u00f6nnen K\u00fcnstler immer noch am besten. Wenn\u2019s Journalisten tun, wirkt\u2019s eher epigonal und manchmal sogar peinlich. <\/p>\n<p> Die Zukunft des Kulturjournalismus liegt nicht in noch engeren Symbiosen mit den Kunstschaffenden. Bloss der Wille zu eigener Identit\u00e4t, der Aufgabe genuin angepassten formalen Mitteln und gesellschaftlichen Abgrenzungen gegen\u00fcber dem Kulturbetrieb sichern ihm best\u00e4ndiges Leserinteresse. Dazu geh\u00f6rt auch das konsequente Denunzieren der uns\u00e4glichen Doppelrollen von Journalisten als PR-Dienstleister f\u00fcr Kulturanbieter und Vermittler. Kulturjournalisten sollten, wie alle andern Journis auch, in der Szene keine Freunde, sondern bloss Kontakte haben. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 12.07.2013 &#8212; Zivilcourage scheint im Kulturjournalismus nicht unbedingt zu den herausstechenden Eigenschaften zu geh\u00f6ren. 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