{"id":520,"date":"2014-01-11T14:28:25","date_gmt":"2014-01-11T14:28:25","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-medien-iii-perspektiven\/"},"modified":"2014-01-11T14:28:25","modified_gmt":"2014-01-11T14:28:25","slug":"kultur-und-medien-iii-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-medien-iii-perspektiven\/","title":{"rendered":"Kultur und Medien III: Perspektiven"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">09.08.2013 &#8212; Vergegenw\u00e4rtigen wir uns einmal, wie das Feuilleton traditioneller Tageszeitungen funktionierte, als es seinen Namen noch verdiente. Das war nat\u00fcrlich abh\u00e4ngig von der Kulturproduktion (ein etwas technokratischer, aber angemessener Begriff). Da kamen gerade so viele B\u00fccher auf den Markt, und es wurden gerade so viele Konzerte und Ausstellungen veranstaltet, dass Neuerscheinungen und Premieren in der Regel singul\u00e4re Ereignisse waren, um die sich in einem bestimmten Zeitfenster alles drehte. Die Feuilletons besprachen also alle mehr oder weniger zur gleichen Zeit dasselbe Buch, den gleichen Film oder die gleiche Urauff\u00fchrung. So ergab sich ein kollektiver Diskurs. Das Feuilleton war ein Ort der kritischen Auseinandersetzung mit bedeutenden, tagesaktuellen Ereignissen. Das konnte auch elit\u00e4ren bis verschrobenen Charakter haben, es schien aber immer von einer gewissen Relevanz. <\/p>\n<p> Tempi passati. Heute ist der Kulturteil der Zeitungen eine zuf\u00e4llige Anh\u00e4ufung von Empfehlungen an den Leser zur Freizeitgestaltung, angereichert mit mehr oder weniger unterhaltsamen Texten mehr oder weniger bekannter Publizisten. Eine fokussierte Debatte ist nicht mehr zu erkennen und damit sind es auch keine argumentativen Entwicklungen mehr (es gibt Ausnahmen). <\/p>\n<p> M\u00f6glicherweise gen\u00fcgt es ja, die Kulturberichterstattung als gehobene (?) Form des Lifestyle- und People-Journalismus zu verstehen. Allerdings werden sich die Diskussionen um Filme, Konzerte, Romane und so weiter vom Kulturteil der Zeitungen zu den Social-Media-Plattformen der Anbieter und zu unabh\u00e4ngigen Foren verlagern. Sie sind dort auch am richtigen Ort. Die Debatten werden weitergehen, einfach in spezifischen Communities \u2012 eine selbstverschuldete Selbstaufl\u00f6sung einer journalistischen Gattung, aus der es keinen Ausgang gibt. <\/p>\n<p> Das Feuilleton hat seine Rolle als disziplinen\u00fcbergreifende, integrative Kraft mit dem Anspruch, Orientierungswissen zu vermitteln, bereits verloren. Der Kulturjournalismus wird auch seine Plattform in einer eigenen Rubrik eines allgemeinen Publikumsmediums, die \u00fcber das je fachspezifische Publikum hinausgeht, verlieren. \u00abKulturjournalismus\u00bb wird es als solchen nicht mehr geben. <\/p>\n<p> Als Kulturjournalisten noch solche waren, hatten sie den Status \u00f6ffentlich wahrgenommener und respektierter Intellektueller. K\u00fcnftig werden sie denjenigen von Nischenspezialisten haben, etwa so wie bislang Aviatikjournalisten oder Redakteure obskurer Hobbymagazine: Nerds, die sich einer bestimmten Liebhaberei verschrieben haben, \u00fcber die sie alles wissen, wo sie jeden kennen und wor\u00fcber sie jedes noch so obskure Detail im Kopf haben. <\/p>\n<p> Was bleibt? Die Frage ist vielmehr, ist das \u00abMehr\u00bb nicht bereits heute eine Illusion? Man hat sich schon lange dar\u00fcber \u00e4rgern k\u00f6nnen, dass einschl\u00e4gige Internet-News-Aggregatoren, die als Indikatoren f\u00fcr Kommendes gelten k\u00f6nnen, die Rubriken \u00abPolitik\u00bb. \u00abWirtschaft\u00bb und \u00abSport\u00bb kennen, nicht aber \u00abKultur\u00bb, sondern bloss \u00abUnterhaltung\u00bb. Wenn man schon nur die gegenw\u00e4rtige mediale Aufarbeitung von \u00abKultur\u00bb-Themen betrachtet, scheint die Rubrizierung allerdings ehrlicher, als ein Ehrentitel wie \u00abFeuilleton\u00bb oder \u00abKultur\u00bb es w\u00e4re. Die Zukunft wird bloss faktisch bereits realisiertes noch konsequenter verorten. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 09.08.2013 &#8212; Vergegenw\u00e4rtigen wir uns einmal, wie das Feuilleton traditioneller Tageszeitungen funktionierte, als es seinen Namen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-520","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/520","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=520"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/520\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}