{"id":524,"date":"2014-01-11T14:30:47","date_gmt":"2014-01-11T14:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/sp-der-stadt-zuerich-macht-kulturpolitik\/"},"modified":"2014-01-11T14:30:47","modified_gmt":"2014-01-11T14:30:47","slug":"sp-der-stadt-zuerich-macht-kulturpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/sp-der-stadt-zuerich-macht-kulturpolitik\/","title":{"rendered":"SP der Stadt Z\u00fcrich macht Kulturpolitik"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">04.10.2013 &#8212; Die SP der Stadt Z\u00fcrich hat ein Positionspapier zur Kulturpolitik ausgearbeitet. Und sie versucht, es aktiv unter die Leute zu bringen. Das ist in zweifacher Hinsicht sehr l\u00f6blich. Zum einen signalisiert die Partei damit in der kreativ gepr\u00e4gten Downtown der Schweiz, dass die F\u00f6rderung sch\u00f6pferischer Unruhe, respektive Kultur- und Kreativwirtschaft ernstzunehmende Themen der Politik sein m\u00fcssen. Zum andern zeigt sich die Partei inhaltlich auf der H\u00f6he der fachlichen Kulturpolitik-Debatte \u2012 im Gegensatz zu den wolkigen Beschw\u00f6rungen, die sich bei den meisten anderen Parteien in Sonntagsreden zur Bedeutung von Kultur ersch\u00f6pfen. <\/p>\n<p> Das Programm, dass die SP der Stadt Z\u00fcrich vorlegt, ist \u2012 man staune\u2026 \u2012 ein linkes. Das heisst, es ist viel die Rede von der gesellschaftlichen Bedeutung von Kultur und davon, dass alle Bev\u00f6lkerungsschichten Zugang zur Kultur haben sollen. Dass dann auch mit Schlagworten aus dem linken Politrepertoire operiert wird wie Sozialvertr\u00e4glichkeit, Nachhaltigkeit, demokratische Entscheidprozesse und soziale Gerechtigkeit, kann man ihr nachsehen. Es handelt sich ja explizit um Parteipolitik, die hier betrieben wird. <\/p>\n<p> Die grunds\u00e4tzlichen Forderungen des Papiers sind aus liberaler Sicht allerdings kritisch zu hinterfragen. Es brauche \u00abKultur als gesellschaftliche Grundlagenforschung\u00bb, Kultur sei auf Geld und Freiheit angewiesen, schreibt die Partei in der Zusammenfassung. Hier gilt es, eine drohende Inkonsequenz zu vermeiden. Wer die Freiheit der Kunst hoch h\u00e4lt, der darf die Idee, dass sie Grundlagenforschung betreibt, nicht mit einem adjektiv einschr\u00e4nken. Sie <em>kann<\/em> gesellschaftlich sein, aber auch andere Akzente setzen (sinnliche, erkenntnistheoretische und beliebige andere). Die Freiheit der Kultur muss im Staat das h\u00f6here Gut sein als die Forderung nach gesellschaftlicher Relevanz. <\/p>\n<p> Eine zweite generelle Forderung des Papiers: Kulturf\u00f6rderung soll \u00abin erster Linie Projekte von Kunstschaffenden f\u00f6rdern, und erst in zweiter Linie kulturelle Institutionen\u00bb. Man muss \u2012 wiederum mit Blick auf die Freiheit der Kunst \u2012 die Forderung genau umkehren: Kulturf\u00f6rderung soll in erster Linie Infrastrukturen bereitstellen und die Rahmenbedingungen f\u00fcr Kreative so gestalten, dass sie in der Wahl ihrer Projekte m\u00f6glichst frei sind. Die Abh\u00e4ngigkeit k\u00fcnstlerischer und kultureller Arbeit von Kommissionen und Stiftungsr\u00e4ten ist im besten Fall problematisch, in weniger g\u00fcnstigen dem\u00fctigend. <\/p>\n<p> Erstaunlich ist, dass die SP (!) im weiteren verlangt, dass die st\u00e4dtischen Kulturausgaben auf dem aktuellen Stand belassen werden sollten. Sie signalisiert damit (contrecoeur?) Budgetvernunft. Ausgaben f\u00fcr Forschung sind aber nie (auch in der Wissenschaft nie) eine Frage der fiskalischen Vernunft. Die Forderung kann hier nur sein, soviel Geld daf\u00fcr freizumachen, wie irgendwie geht. Und dabei keinen konkreten Nutzen zu erwarten. <\/p>\n<p> Etwas zu wenig theoretische Arbeit macht das Papier unseres Erachten, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Bedeutungen und Bed\u00fcrfnisse von Kultur als Konsumgut und als Erkenntnisprojekt zu unterscheiden und die systematische Bedeutung von Giesskannen- und Schwerpunktf\u00f6rderung im F\u00f6rderprozess genauer zu situieren. An der Vermischung dieser Aspekte krankt der politische Dialog zur Kunst- und Kulturf\u00f6rderung n\u00e4mlich am meisten. Das Papier ist aber ein sehr gute Ausgangsbasis zur Diskussion. Es steht zu hoffen, dass kunst- und kulturaffine Exponenten anderer Parteien den Ball aufnehmen. <\/p>\n<p> Das Grundsatzpapier der SP der Stadt Z\u00fcrich mit dem Titel \u00abKultur \u2012 f\u00fcr alle. Positionen der SP der Stadt Z\u00fcrich zur st\u00e4dtischen Kulturpolitik\u00bb kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.sp-zuerich.ch\/sites\/default\/files\/u4\/Positionspapier_Kultur_fuer_alle_Web.pdf\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.sp-zuerich.ch<\/a> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 04.10.2013 &#8212; Die SP der Stadt Z\u00fcrich hat ein Positionspapier zur Kulturpolitik ausgearbeitet. 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