{"id":525,"date":"2014-01-11T14:31:15","date_gmt":"2014-01-11T14:31:15","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/eine-quote-fuers-schweizer-musikschaffen\/"},"modified":"2014-01-11T14:31:15","modified_gmt":"2014-01-11T14:31:15","slug":"eine-quote-fuers-schweizer-musikschaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/eine-quote-fuers-schweizer-musikschaffen\/","title":{"rendered":"Eine Quote f\u00fcrs Schweizer Musikschaffen?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">18.10.2013 &#8212; Der Genfer CVP-Nationalrat Luc Barthassat hat eine Motion f\u00fcr eine \u00abMusikquote f\u00fcr Musikschaffende in der Schweiz\u00bb eingereicht. Es ist eine Forderung, die eher in der Welschschweiz erhoben werden kann als in der Deutschschweiz, neigen die Romands doch weit st\u00e4rker zu etatistischen L\u00f6sungen kultureller Fragen als die B\u00fcrger \u00f6stlich des R\u00f6stigrabens. Die Motion hat denn auch ausschliesslich Mitunterzeichner aus der Romandie. Aufgrund der Quote \u2012 so die Forderung \u2012 m\u00fcsste mindestens 25 Prozent der in der Schweiz ausgestrahlten Musik in der Schweiz produziert werden. <\/p>\n<p> Interessant ist die Begr\u00fcndung: \u00abMusikschaffende und Musikerinnen und Musiker in der Schweiz befinden sich in einem sehr schwierigen Wettbewerbsumfeld. Die grossen anglo-amerikanischen Produktionen verf\u00fcgen \u00fcber hohe Budgets, mit denen die Bev\u00f6lkerung wirksam und fl\u00e4chendeckend erreicht werden kann, insbesondere \u00fcber das Radio und Videoclips im Fernsehen. Die Schweizer Musikerinnen und Musiker hingegen k\u00f6nnen nicht auf die Unterst\u00fctzung einer solchen Industrie z\u00e4hlen. Demzufolge sind sie auf den Schweizer Kan\u00e4len viel seltener zu h\u00f6ren und zu sehen.\u00bb So steht\u2019s da w\u00f6rtlich. <\/p>\n<p> Es sei \u00ababsurd, dass Jugendliche zuhauf zu Berufen ausgebildet werden, die mit Musik zu tun haben\u00bb, schreibt Barthassat weiter, wenn sie \u00abihren Beruf sp\u00e4ter nicht aus\u00fcben k\u00f6nnen oder gezwungen sind dazu ins Ausland zu gehen\u00bb. Das ist nun zweifach falsch argumentiert. Dass junge Musiker ins Ausland gehen, ist kein Ausdruck der Not, sondern schon fast Pflicht, denn das Musikgesch\u00e4ft ist ein genuin internationales. Zudem hat der Mangel an Arbeitspl\u00e4tzen in der Musikindustrie relativ wenig mit den musikalischen Vorlieben des Schweizer Publikums zu tun, sondern mit der Gr\u00f6sse des Landes. Logisch noch fragw\u00fcrdiger ist das anschliessende Argument, dass eine solche Quote \u00abdie kulturelle Vielfalt in der Schweiz st\u00e4rken\u00bb w\u00fcrde. Wie man dadurch, dass man w\u00e4hrend eines Viertels der Sendezeit elektronischer Medien bloss ein regional eingeschr\u00e4nktes Musikschaffen zul\u00e4sst, mehr Vielfalt schaffen will, das muss man uns zuerst erkl\u00e4ren. <\/p>\n<p> Zwei wichtige Dinge werden in dem Motionstext mit keinem Wort erw\u00e4hnt: zum einen die M\u00e4rkte, zum andern die Qualit\u00e4t. Die M\u00e4rkte in der Schweiz sind einfach zu klein und \u00fcberdies sprachlich zu zersplittert, um Schweizer Musikern problemlos Existenzen zu sichern. Das \u00e4ndert man nicht mit Quoten f\u00fcr Radios und Fernsehen. In den als positiven Beispielen angegebenen L\u00e4ndern Frankreich und Kanada, die solche Quoten kennen, ist das etwas anderes. Zudem muss das wichtigste Kriterium f\u00fcr ein Airplay eine hohe Qualit\u00e4t sein, egal ob in der Schweiz, den USA, Kasachstan, Tuvalu oder Ostsibirien produziert wird. <\/p>\n<p> Vor allem aber scheint der Weg zur besseren Programmierung von Radios und Fernsehen der falsche zu sein (sagt nun der etatistischen L\u00f6sungen abgeneigte liberale Deutschschweizer). Mit den modernen Mitteln der Social Media hat das Publikum weitaus st\u00e4rker die M\u00f6glichkeit, die Playlists zu beeinflussen, als fr\u00fcher. Im sp\u00e4ten 20. Jahrhundert, als tats\u00e4chlich (vor allem vom damaligen Radio DRS3), nur wenig Schweizer Schaffen pr\u00e4sentiert wurde, hatte dies mit antinationalen Vorurteilen und egozentrischen Neigungen der Radiomacher zu tun (sagen wir nun mal aus dem Bauch raus). Wer auf sein Publikum runterblickt, macht aber halt einfach kein gutes Radio oder TV. Das gilt aber auch f\u00fcr den erzieherischen Zeigefinger welscher Staatsgl\u00e4ubigkeit. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 18.10.2013 &#8212; Der Genfer CVP-Nationalrat Luc Barthassat hat eine Motion f\u00fcr eine \u00abMusikquote f\u00fcr Musikschaffende in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-525","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=525"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/525\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}