{"id":529,"date":"2014-01-11T14:33:33","date_gmt":"2014-01-11T14:33:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/beatrice-egli-und-die-pure-lebensfreude\/"},"modified":"2014-01-11T14:33:33","modified_gmt":"2014-01-11T14:33:33","slug":"beatrice-egli-und-die-pure-lebensfreude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/beatrice-egli-und-die-pure-lebensfreude\/","title":{"rendered":"Beatrice Egli und die pure Lebensfreude"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">13.12.2013 &#8212; Die Schweizer Schlagers\u00e4ngerin und \u00abDeutschland sucht den Superstar\u00bb-Gewinnerin Beatrice Egli ist erkl\u00e4rtermassen ausgezogen, um der Welt etwas W\u00e4rme und Freude zu bringen. Nichts mehr. Sie ger\u00e4t deshalb im Feuilleton unter schwersten Banalit\u00e4ts-, Oberfl\u00e4chlichkeits- und Heucheleiverdacht. Sie muss sich von Journalistinnen und Journalisten die jeden Verdacht der Plumpheit glauben von sich weisen zu m\u00fcssen, deshalb die immer gleichen Fragen nach Br\u00fcchen in ihrem Leben und Schattenseiten gefallen lassen. <\/p>\n<p> Frau Egli antwortet mit der immer gleichen Freundlichkeit, Routine und Geduld, auch wenn sie selber sich vermutlich fragt, was solches Hintersinnen mit ihr zu tun haben soll. Vermutlich w\u00fcrde sie gerne Fragen beanworten, die sie selber als interessanter und unterhaltsamer betrachtet und mehr mit ihr als Person zu tun haben.<\/p>\n<p> Ihre \u00abPure Lebensfreude\u00bb (Titel ihres j\u00fcngsten Albums) scheint so irritierend, dass die akademischen H\u00fcter des guten Geschmacks aufgeschreckt worden sind. Ein Berner Sprachwissenschaftler beurteilt ihre Texte (laut 20 Minuten online) als \u00abeinf\u00e4ltig, eindimensional und ausserordentlich schlecht\u00bb. Sie benutze \u00abausgelutschte Redewendungen\u00bb und \u00abeinfallslose Metaphern\u00bb. Texte aus der Schlagerfabrik seien \u00abunpers\u00f6nlich, uninspiriert, einfallslos und simpel\u00bb. <\/p>\n<p> In Texten wie Eglis Liedern kreise \u00abeine kleine Welt immer um die gleichen kleingeistigen S\u00e4tze\u00bb, urteilt der Sprachwissenschaftler. Mit andern Worten: Musik muss geschmackvoll und komplex sein und keinesfalls kleinr\u00e4umig und selbstgen\u00fcgsam. Schweizer wird schliesslich sogar pers\u00f6nlich. Er betrachtet Beatrice Egli als \u00abewig l\u00e4chelnde, profillose Schlagermarionette\u00bb und bloss als \u00abProdukt zum Geldscheffeln\u00bb. <\/p>\n<p> Wenn sich Wissenschafter und Journalisten irritiert bem\u00fchen, den Konsumenten klarzumachen, dass Eglis Schlager Gemeinpl\u00e4tze bem\u00fchen, dann d\u00fcrften sie diese vermutlich f\u00fcr d\u00fcmmer halten, als sie tats\u00e4chlich sind. Dass wissen die n\u00e4mlich selber. Es ist ihnen egal, oder sie geniessen es sogar. Die zeitgen\u00f6ssische Musikpsychologie weiss, dass Musikh\u00f6ren in hohem Masse zur Stimmungsregulation genutzt wird. Als Antidepressivum dient sie aber nur, wenn sie das Allt\u00e4gliche und Anspruchslose mit etwas Glamour umgibt. Schlagertexte <em>m\u00fcssen<\/em> anspruchslos sein, damit sie ihre Wirkung entfalten k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Der fatale Fehlschluss ist, dass Menschen, die sich gerne von solcher Musik anregen lassen, selber oberfl\u00e4chlich und emotional unreif sind und dass Schlagerstars wie Beatrice Egli k\u00fcnstlerisch und menschlich nichts leisten oder gar Schaden anrichten. H\u00e4ufig enthalten solche Vorstellungen einen speziellen Schuss Verachtung gegen\u00fcber eher weiblichen Erlebensformen, sind doch die Fans von Stars wie Helene Fischer, Andrea Berg oder eben Beatrice Egli tendenziell eher Frauen, die es gewohnt sind, k\u00f6rpernahe, physisch und psychisch anstrengende und schlecht bezahlte Arbeiten zu verrichten.<\/p>\n<p> Die meisten davon, behaupten wir nun mal, verf\u00fcgen \u00fcber mehr praktische Lebenserfahrung und emotionale Intelligenz als der durchschnittliche Intellektuelle in der gesch\u00fctzten Werkstatt einer Universit\u00e4t. <\/p>\n<p> Man kann immer bessere Musik schreiben und bessere Texte. Dies ist aber nicht Zweck der Schlagermusik. Aus ihnen auf die Pers\u00f6nlichkeit und die Motive ihrer Vertreter zu schliessen, ist unzul\u00e4ssig. Hinter solchen Urteilen verbirgt sich selber ein zynisches und destruktives Menschenbild. Es geht unbesehen davon aus, dass Schlagers\u00e4ngerinnen wie Beatrice Egli gar nichts anderes sein k\u00f6nnen als bestenfalls naive Opfer von Machenschaften und schlimmstenfalls verlogene Geldscheffler. Solche Vorurteile scheinen uns weitaus gef\u00e4hrlicher als lebensbejahende, wirkungsvolle und sympathische Gutelaunemusik. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 13.12.2013 &#8212; Die Schweizer Schlagers\u00e4ngerin und \u00abDeutschland sucht den Superstar\u00bb-Gewinnerin Beatrice Egli ist erkl\u00e4rtermassen ausgezogen, um&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=529"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/529\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}