{"id":53,"date":"2014-01-06T10:31:45","date_gmt":"2014-01-06T10:31:45","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/jahreskongress-der-gmth-in-bern\/"},"modified":"2014-01-06T10:31:45","modified_gmt":"2014-01-06T10:31:45","slug":"jahreskongress-der-gmth-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/jahreskongress-der-gmth-in-bern\/","title":{"rendered":"Jahreskongress der GMTH in Bern"},"content":{"rendered":"<p>17.01.2012<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Der 11.Jahreskongress der Gesellschaft f\u00fcr Musiktheorie (GMTH), der 2011 in Bern durchgef\u00fchrt worden ist, war ein Indikator f\u00fcr einen vielf\u00e4ltigen kulturellen Wandel in der Selbstorganisation der Musikforscher- und p\u00e4dagogengemeinde.<\/strong><\/p>\n<p> Der deutschsprachige Raum war im 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert ein h\u00f6chst innovatives Zentrum der Musiktheorie: Gr\u00f6ssen wie Hugo Riemann, Heinrich Schenker und Ernst Kurth standen f\u00fcr unterschiedliche originelle Konzepte der Modellbildung zur Beschreibung musikalischer Strukturen. Nach dem zweiten Weltkrieg ist es den systematischen Musikwissenschaften in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz allerdings nicht mehr gelungen, an die globalen Entwicklungen anzukn\u00fcpfen. <\/p>\n<p> Das Zentrum der Disziplin verlagerte sich in die USA, nicht zuletzt dank der aus Europa vertriebenen Wissenschaftler, in erster Linie der Sch\u00fcler Schenkers, die in der Neuen Welt den Grundstein zu einer Ann\u00e4herung von Musiktheorie, Musikpsychologie. Linguistik und Kognitionswissenschaften legten, eine interdisziplin\u00e4re Sicht auf die Musik, die f\u00fcr echte Fortschritte des Faches vermutlich entscheidend sein d\u00fcrfte, auch wenn die greifbaren Resultate bislang eher bescheiden ausgefallen sind.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong> Weblinks<\/strong><br \/> <a href=\"http:\/\/www.gmth.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.gmth.de<\/a><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Offizielle Webseite der Gesellschaft f\u00fcr Musiktheorie<\/span><br \/> <a href=\"http:\/\/www.hkb.bfh.ch\/interpretation\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.hkb.bfh.ch\/interpretation<\/a><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Hochschule der K\u00fcnste Bern, Fachstelle F+E (Schwerpunkt Interpretation)<\/span><br \/> <a href=\"http:\/\/www.orpheusinstituut.be\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.orpheusinstituut.be <\/a><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Orpheus Instituut Gent<\/span><br \/> <a href=\"http:\/\/www.musik-openbooks.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.musik-openbooks.de <\/a><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Ulrich Kaisers Openbooks zur Musik<\/span><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> In den letzten zehn Jahren seit der Gr\u00fcndung der Gesellschaft f\u00fcr Musiktheorie (GMTH) ist auch im deutschsprachigen Raum ein zaghafter Neuaufbruch zu verzeichnen. Er wird allerdings nach wie vor dadurch gehemmt, dass entsprechende Universit\u00e4ts-Lehrst\u00fchle fehlen. Die Exponenten sind in erster Linie als Theorielehrer an Musikhochschulen t\u00e4tig und verf\u00fcgen \u00fcber zu beschr\u00e4nkte finanzielle und personelle Ressourcen, um Grundlagenforschungen tatkr\u00e4ftig vorantreiben und eine Art \u00abEurop\u00e4ische Schule der Musiktheorie\u00bb begr\u00fcnden zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Entsprechend unsystematisch und thematisch zuf\u00e4llig wirkt das Spektrum der Beitr\u00e4ge an den Jahrestagungen der GMTH. Es erstreckt sich \u00fcber historische Betrachtungen zu praktisch-p\u00e4dagogischen \u00dcberlegungen f\u00fcr den Unterrichtsalltag bis zu vereinzelten Ans\u00e4tzen theoretischer Reflektion aktueller Fragestellungen im internationalen Kontext. <\/p>\n<p> Richtete sich der Blick an der Tagung 2010 in einer gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Musikpsychologie realisierten Veranstaltung unter dem Thema \u00abKreativit\u00e4t \u2013 Struktur und Emotion\u00bb systematisch nach vorne, wandte er sich 2011 an der Hochschule der K\u00fcnste Bern am 2. und 3. Dezember mit Blick auf die \u00abMusiktheorie im 19. Jahrhundert\u00bb wieder eher zur\u00fcck. <\/p>\n<p> Da standen dann neben zahlreichen Einzelstudien zu Werken Beethovens, Mendelssohns, Chopins, Brahms oder Liszts Themen wie die Art der Verbreitung von Musiktheorien im 19. Jahrhundert und die F\u00fclle noch ungeborgener Sch\u00e4tze an lokalen historischen Publikationen zur Musiktheorie im Fokus des Interesses. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2012\/111206gmth_mendelsohn.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Eines der Kerngesch\u00e4fte der Zunft: Der D\u00fcsseldorfer Hans Peter Reutter pr\u00e4sentiert die Vervollst\u00e4ndigung eines Klavierquartett-Fragmentes des jungen Mendelssohn.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Exemplarisch daf\u00fcr ist etwa das durchaus interessante Forschungsprojekt \u00abPeter Cornelius als Musiktheoretiker\u00bb, das von der gastgebenden Hochschule der K\u00fcnste Bern durchgef\u00fchrt wird. Es konzentriert sich auf die Aufarbeitung von Unterrichtsb\u00fcchern, die Cornelius f\u00fcr seine Lehrt\u00e4tigkeit an der K\u00f6niglich-Bayerischen Hof-Musikschule in M\u00fcnchen ab 1867 verfasste. <\/p>\n<p> <strong>Auf dem Weg zum k\u00fcnstlerischen Doktorat<\/strong><\/p>\n<p> Einiges war an der Tagung aber auch zur Selbsorganisation der <em>Scientific Community<\/em> und dem Wandel der Kommuniktionswege zu erfahren. Ein Podiumsgepr\u00e4ch thematisierte etwa die Frage, ob und wie die M\u00f6glichkeit bestehen soll, im deutschsprachigen Raum Doktortitel in k\u00fcnstlerischer Forschung zu erwerben, und welche Bedeutung solche Dissertationsprojekte f\u00fcr die beruflichen und wissenschaftlichen Karrieren ihrer Verfasser haben k\u00f6nnen. Da gab\u2019s einen Blick auf Doktoratsprogramme in Graz, Gent, Bern, Freiburg im Breisgau und L\u00fcbeck, die alle unterschiedlich aufgestellt sind. <\/p>\n<p> Bislang, so erkl\u00e4rte etwa der an der Grazer Kunstuniversit\u00e4t f\u00fcr das Doktoratsprogramm zust\u00e4ndige Ulf B\u00e4stlein, h\u00e4tten Musikhochschulen k\u00fcnstlerische Forschung, die es immer gegeben habe, behindert. Nun sei m\u00f6glicherweise der historische Moment gekommen, in dem die Ausbildungst\u00e4tten solche Programme als Chance wahrn\u00e4hmen. <\/p>\n<p> Peter Dejans bot einen Blick in das erstaunliche Orpheus Instituut Gent, das in Belgien dank verst\u00e4ndnisvollem Umfeld in der Politik schon seit 1996 ganz der k\u00fcnstlerischen Forschung verpflichtet ist und dabei als fr\u00fches Pionierprojekt umfassende Freiheiten geniesst und unter dem Label \u00abdocARTES\u00bb seit 2004 auch ein Doktoratsprogramm anbietet. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 400px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2012\/111206gmth_podium.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Podium zum k\u00fcnstlerischen Doktortitel (v.l.n.r.): Moderatorin Marie Caffari, Oliver Korte, Anselm Gerhard, Ludwig Holtmeier, Ulf B\u00e4stlein, Peter Dejans.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Der Berner Musikwissenschaftler Anselm Gerhard wiederum stellte das Berner Projekt einer Graduate School of the Arts vor, das die Universit\u00e4t Bern und die Berner Hochschule der K\u00fcnste gemeinsam realisieren. Es wurde nicht zuletzt ins Leben gerufen, weil mit den letzten Reformen Schweizer Absolventen von Fachochschulen gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Studierenden faktisch benachteiligt sind. Deutsche oder \u00d6sterreicher haben dank einer Ausbildung auf Fachhochschul-Niveau in ihrem Heimatland und internationalen Bestimmungen in der Schweiz im Gegensatz zu den einheimischen die M\u00f6glichkeit, zu promovieren. <\/p>\n<p> Die Verhandlungen mit der Berner Universit\u00e4tsleitung gestalteten sich allerdings nicht ganz einfach, bewegte man sich da doch in den generell sensiblen Diskussionen der Anerkennung von Fachhochschul-Abschl\u00fcssen durch die Schweizer Universit\u00e4ten. So k\u00f6nnen zur Zeit auch nur Angeh\u00f6rige und Absolventen der Universit\u00e4t Bern und der Hochschule der K\u00fcnste Bern ins Programm aufgenommen werden. Vorgesehen ist aber, den Horizont zu erweitern.<\/p>\n<p> Oliver Korte wiederum stellte die neugeschaffenen Promotionsm\u00f6glichkeiten in L\u00fcbeck vor, und der Freiburger Ludwig Holtmeier, der auch als Herausgeber der Zeitschrift der Gesellschaft f\u00fcr Musiktheorie amtet, wies darauf hin, dass in Baden-W\u00fcrttemberg starke Tendenzen bestehen, einen Doctor of Musical Arts (D.M.A.) nach amerikanischem Vorbild einzuf\u00fchren. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 380px;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" width=\"124\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2012\/111206gmth_skype.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Auch dies ver\u00e4ndert die Kommunikation in der Scientific Community: Skype-Schaltung in die USA w\u00e4hrend des Kongresses <strong><br \/><\/strong><\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Mit Blick auf den DMA wurden allerdings auch Bedenken ge\u00e4ussert. Er habe in den USA dazu gef\u00fchrt, dass eine Professur an einer Musikhochschule praktisch nur noch an Inhaber eines solchen Doctor of Musical Arts \u2013 h\u00e4ufig auf unbefriedigendem Niveau abgeschlossen \u2013 vergeben w\u00fcrden, die meisten von diesen allerdings nie auf einer B\u00fchne gestanden seien und damit keinerlei praktische Erfahrung im Musikleben h\u00e4tten. Peter Dejans wies dabei darauf hin, dass der DMA in den USA in den 1950er-Jahren als Ausbildungsgang konzertierender Musiker ins Leben gerufen wurde und keine Tradition als Forschungsbef\u00e4higung habe.<\/p>\n<p> Die Podiumsteilnehmer waren sich einig darin, dass etwas schiefl\u00e4uft, wenn ein DMA zu einer Berufsqualifikation wird. Auch wenn der Erwerb eines k\u00fcnstlerischen Doktortitels einfach angestrebt werde, weil Betreffende nach dem Abschluss ihres Musikstudiums keine Stelle f\u00e4nden, m\u00fcsse korrigiert werden.<\/p>\n<p> <strong>Kontrolle \u00fcber die eigenen Publikationen<\/strong><\/p>\n<p> Einblick ins durchaus nicht unproblematische Verh\u00e4ltnis zwischen Verlegern und Musiktheoretikern als Publizisten von Lehrb\u00fcchern und Forschungsresultaten bot der in M\u00fcnchen t\u00e4tige Ulrich Kaiser, der auch den Arbeitskreis \u00abMusiktheorie und Neue Medien\u00bb der GMTH leitet. Er bietet unter der Webadresse musik-openbooks.de von ihm selber vefasste und gelayoutete Lehrb\u00fccher zu Sonate und Sinfonie sowie zum Werk Bachs an. <\/p>\n<p> Weitere Titel \u2013 unter anderem eine Harmonielehre f\u00fcr Kinder \u2013 sollen folgen. Damit verzichtet Kaiser zwar auf m\u00f6gliche Einnahmen durch die Publikationen (die auch im Fall einer traditionellen Zusammenarbeit mit einem Verlag heute ohnehin illusorisch sind), befreit sich daf\u00fcr von den Fesseln der Vorgaben eines Verlagslektorats. <\/p>\n<p> Kaiser hofft damit \u00abmehr Interessierte \u00fcber Bildungsportale und Internet-Tauschb\u00f6rsen zu erreichen als \u00fcber die Regale der Fachbuchhandlungen\u00bb. Initiativen wie diese deuten darauf hin, dass die p\u00e4dagogische und wissenschaftliche Literatur zum Fach k\u00fcnftig \u00fcber weitaus vielf\u00e4ltigere Wege zu den m\u00fcndigen Lesern gelangen werden, als dies im traditionellen Wissenschaftsbetrieb der Fall ist.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">11. Jahreskongress der Gesellschaft f\u00fcr Musiktheorie (GMTH) an der Hochschule der K\u00fcnste Bern. Freitag, 2. bis Sonntag, 4. Dezember 2011 <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.01.2012 Der 11.Jahreskongress der Gesellschaft f\u00fcr Musiktheorie (GMTH), der 2011 in Bern durchgef\u00fchrt worden ist, war ein Indikator f\u00fcr einen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-53","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-systematische-musikwissenschaften","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}