{"id":530,"date":"2014-01-11T14:42:42","date_gmt":"2014-01-11T14:42:42","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/was-bach-in-luebeck-begreiffen-wollte\/"},"modified":"2014-01-11T14:42:42","modified_gmt":"2014-01-11T14:42:42","slug":"was-bach-in-luebeck-begreiffen-wollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/was-bach-in-luebeck-begreiffen-wollte\/","title":{"rendered":"Was Bach in L\u00fcbeck \u00abbegreiffen\u00bb wollte"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/luebeck.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>04.09.2003 &#8212; Johann Sebastian Bachs legend\u00e4r gewordene L\u00fcbeck-Reise 1705\/06 und ihre Auswirkungen auf sein Schaffen standen im Mittelpunkt eines Symposiums in L\u00fcbeck. Die wichtigsten Ergebnisse dokumentiert der Band \u00abBach, L\u00fcbeck und die norddeutsche Musiktradition\u00bb.<\/p>\n<p> Das Arnst\u00e4dter Konsistorium nahm den jungen Johann Sebastian Bach ins Gebet: Im Herbst 1705 hatte der 20-j\u00e4hrige, seit gut zwei Jahren in Arnstadt wirkende Organist einen Monat Urlaub erhalten, um in L\u00fcbeck \u00abden ber\u00fchmten Organisten an der Marienkirche Diedrich Buxtehude zu behorchen\u00bb, wie der zweite Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel im Nekrolog seines Vaters schrieb. Der Tadel der Vorgesetzten war nicht aus der Luft gegriffen, hatte doch Bach den Bildungsaufenthalt eigenm\u00e4chtig auf ein Vierteljahr ausgedehnt, bis Ende Januar 1706. Auf die Frage, \u00abwo er unl\u00e4ngst so lange gewe\u00dfen\u00bb, rechtfertigte er sich selbstbewusst: \u00abEr sey zu L\u00fcbeck gewe\u00dfen umb daselbst ein und anderes in seiner Kunst zu begreiffen\u00bb.<\/p>\n<p> Was wollte Bach in L\u00fcbeck, der Freien Reichs- und Hansestadt, \u00abbegreiffen\u00bb? Diese Frage stand im Zentrum des Internationalen L\u00fcbecker Symposions \u00abBach, L\u00fcbeck und die norddeutsche Musiktradition\u00bb, das im Bachjahr 2000 von der Musikhochschule L\u00fcbeck und den musikwissenschaftlichen Instituten der Universit\u00e4ten Kiel und Hamburg durchgef\u00fchrt wurde. Wissenschaftliche Leiter waren Friedhelm Krummacher (Kiel), Hans Joachim Marx (Hamburg) und Wolfgang Sandberger (L\u00fcbeck). <\/p>\n<p> <strong>Symposion in drei Teilen<\/strong><\/p>\n<p> Wissenschaftler und renommierte Bach-Forscher aus Deutschland, der Schweiz und den USA widmeten sich in Teil I der Veranstaltung dem musikalischen Horizont um 1700 mit Beitr\u00e4gen zur Musikkultur der st\u00e4dtischen Gesellschaft, zur Institutions- und Fr\u00f6mmigkeitsgeschichte, zur Fr\u00fchgeschichte des Oratoriums und zu Themen wie Orgelbau, Orgel- und Klaviermusik.<\/p>\n<p> Teil II widmete sich den auff\u00fchrungspraktischen Besonderheiten der norddeutschen Musizierpraxis. Erl\u00e4utert wurden etwa Untersuchungen zum \u00abstylus phantasticus\u00bb, zur freien Spielweise, zum Tempo in der norddeutschen Musik sowie Aspekte der Auff\u00fchrung von vokal-instrumentaler Ensemblemusik.<\/p>\n<p>Teil III des Symposions ging der Frage nach, ob L\u00fcbeck f\u00fcr Bach lediglich eine fl\u00fcchtige Durchgangsstation war, deren Auswirkungen durch die sp\u00e4teren Einfl\u00fcsse in Weimar (Stichworte: neue Kantate, italienische Konzertform) verdr\u00e4ngt worden sind. Gewicht gelegt wurde auf die Suche nach musikalischen Konstanten, die \u00fcber Bachs Fr\u00fchwerk hinaus die Auseinandersetzung mit der norddeutschen Tradition spiegeln. <\/p>\n<p> <strong>Wissenschaft und Praxis<\/strong><\/p>\n<p> Eingeleitet wird der von Wolfgang Sandberger, Leiter des Brahms-Instituts an der Musikhochschule L\u00fcbeck, herausgegebene, gediegen illustrierte und durch viele Notenbeispiele bereicherte Band mit dem Abdruck der \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4ge von Gisela Jaacks (L\u00fcbecks Kultur um 1700), Werner Breig (Bachs kompositorische Erfahrungen mit der norddeutschen Musikkultur) und Wolfgang Sandberger (Bachs Reise nach L\u00fcbeck \u2013 zwischen Mythos und Wirklichkeit). <\/p>\n<p> Die folgenden 17 Beitr\u00e4ge \u2013 je sechs zum Thema norddeutsche Musikkultur um 1700 und zu Bachs kompositorischer Erfahrung mit ihr, f\u00fcnf \u00fcber die Auff\u00fchrungspraxis zur Zeit des jungen Bach \u2013 setzen sich in h\u00f6chst anregender, nicht zuletzt auch den interessierten Laien ansprechender Art mit diversen Aspekten des Komplexes auseinander, die grossen Zusammenh\u00e4nge darlegend oder Einzelaspekte unter die Lupe nehmend. Die Referierenden und die thematische Breite der Abhandlungen garantieren, dass Br\u00fccken geschlagen werden zwischen Wissenschaft und Praxis. Aus der F\u00fclle gegriffen sei Christoph Wolffs Beitrag zur Echtheits-Diskussion der altber\u00fchmten d-Moll-Toccata BWV 565; er f\u00fchrt diverse Gr\u00fcnde an, die ihm f\u00fcr die Autorschaft des jungen Bach sprechen. <\/p>\n<p> Aus Platzgr\u00fcnden musste auf eine Dokumentation der Diskussionen verzichtet werden. Mit Namen- und Werkregister ist das Buch gut erschlossen. Sinnvoll gewesen w\u00e4ren Kurzbiografien der Autorinnen und Autoren.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3761815859\/codexflores-21\"> Wolfgang Sandberger (Hrsg.): L\u00fcbeck und die norddeutsche Musiktradition.<\/a> Bericht \u00fcber das Internationale Symposion der Musikhochschule L\u00fcbeck, April 2000. Verlag B\u00e4renreiter, Kassel 2002. 288 Seiten. \u20ac 39,90. CHF 67.\u2013 <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>04.09.2003 &#8212; Johann Sebastian Bachs legend\u00e4r gewordene L\u00fcbeck-Reise 1705\/06 und ihre Auswirkungen auf sein Schaffen standen im Mittelpunkt eines Symposiums&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-530","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/530","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/530\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=530"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}