{"id":549,"date":"2014-01-11T14:53:20","date_gmt":"2014-01-11T14:53:20","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/willi-apels-opus-magnum\/"},"modified":"2014-01-11T14:53:20","modified_gmt":"2014-01-11T14:53:20","slug":"willi-apels-opus-magnum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/willi-apels-opus-magnum\/","title":{"rendered":"Willi Apels Opus magnum"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/apel260304.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.04.2004 &#8212; 1967 erschien es, seit 1981 war es vergriffen, das Standardwerk zur alten Tastenmusik. Nun legt der B\u00e4renreiter-Verlag eine Neuausgabe von Willi Apels \u00abGeschichte der Orgel- und Klaviermusik bis 1700\u00bb vor. <\/p>\n<p> Ins Gebiet der Musikwissenschaft hat sich Willi Apel, 1893 in Westpreussen als Willi Appelbaum geboren, autodidaktisch eingearbeitet. In Berlin studierte er Mathematik und Klavier, u. a. bei Edwin Fischer, und wirkte als Lehrer. Nachdem er 1936 bei Arnold Schering dissertiert hatte, emigrierte er in die USA, wo er zuerst in Cambridge \/ Mass. und von 1950 bis 1970, \u00fcber seine Emeritierung hinaus, als Professor f\u00fcr mittelalterliche Musikwissenschaft an der Indiana University in Bloomington lehrte. 1988 starb Apel, der sich durch viele Publikationen und als Herausgeber von Claviermusik-Anthologien einen Namen gemacht hatte, im Alter von 94 Jahren. <\/p>\n<p> Sein ganzes Leben hindurch habe er sich mit der \u00abGeschichte der Orgel- und Klaviermusik bis 1700\u00bb besch\u00e4ftigt, schreibt Apel im Vorwort des Buches; die amerikanische \u00dcbersetzung lag 1972 vor. Wer im 800-seitigen Band bl\u00e4ttert, staunt \u00fcber Apels Einmann-Unternehmen, \u00fcber seinen weiten Horizont und die F\u00fclle des Materials, das er gesammelt, gesichtet, bewertet, analysiert, zusammengestellt und mit \u00fcber 860 (akkurat gestochenen) Notenbeispielen im Text illustriert hat. Eine Respekt heischende wissenschaftliche Grosstat. Mit allen Vor-, mit allen Nachteilen: In seinem einl\u00e4sslichen Nachwort, das dem Reprint der Erstausgabe von 1967 angef\u00fcgt ist, w\u00fcrdigt der Herausgeber Siegbert Rampe, Cembalist und Musikwissenschafter, die Leistung Apels und die Entstehung der \u00abGeschichte der Orgel- und Klaviermusik bis 1700\u00bb (auch die m\u00fchsame technische Realisierung des Bandes in den Zeiten des Bleisatzes), weist in einem kritischen Diskurs jedoch auch auf die konzeptionellen und inhaltlichen Schwachpunkte und die L\u00fccken hin. <\/p>\n<p> Die Geschichte der Orgel \u00fcber eineinhalb Jahrtausende bis ins 13. Jahrhundert stellt Apel an den Beginn der ersten Teils, in dem er die Claviermusik bis 1500 behandelt, von der fr\u00fchesten erhaltenen Quelle, dem Robertsbridge-Fragment (um 1320), bis zum Buxheimer Orgelbuch (um 1470) und zur ersten fassbaren Komponistenpers\u00f6nlichkeit, Conrad Paumann (1415\u20131473). <\/p>\n<p> W\u00e4hrend Apel f\u00fcr das 16. Jahrhundert die Darstellung nach Formen (Toccata, Ricercar, Canzone, Fantasia, Tiento, Variationen, Tanztypen) als Ordnungskriterium gew\u00e4hlt hat, st\u00fctzt er sich im Folgenden auf die Gliederung des Stoffs nach L\u00e4ndern bzw. Regionen, Epochen und Komponisten. Apel hat in seiner Untersuchung den historischen Terminus Clavier \/ Claviermusik wiederbelebt, im Buchtitel aus Gr\u00fcnden der (damaligen) Konvention allerdings darauf verzichtet. <\/p>\n<p> Als Cicerone mit weitem Umblick erhellt Willi Apel alle Winkel und Ecken in der Schatzkammer der Claviermusik (\u00abalso der Musik sowohl f\u00fcr Orgel wie f\u00fcr die besaiteten Instrumente\u00bb) vom Altertum bis zum Auftreten Johann Sebastian Bachs. Dabei stellt er die Genies, die Neuerer geb\u00fchrend ins Licht, l\u00e4sst aber auch die immense Schar der Kleinmeister aus dem Schatten treten, sie durch ihre Biografie und ihr Schaffen Kontur annehmen. Apel ber\u00fccksichtigt zudem das anonyme Repertoire. Er begn\u00fcgt sich nicht mit einer lexikalischen Aufz\u00e4hlung oder mit Werkbesprechungen, sondern zeichnet die vielstimmige Entfaltung nach, den entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhang der Gattungen, engagiert, sachbezogen, kritisch reflektierend und in einer schn\u00f6rkellosen Sprache. <\/p>\n<p> Die musikwissenschaftliche und organologische Forschung kann seit Erscheinen der ersten Auflage der grossen Monografie erhebliche Fortschritte ausweisen und ist in manchen von Apel referierten Aspekten zu neuen Erkenntnissen gekommen. Der Herausgeber legt dies offen und steuert Berichtigungen bei; zudem hat er die erweiterte Auswahlbibliografie der amerikanischen Edition von 1972 anstelle der urspr\u00fcnglichen von 1967 aufgenommen und die Quellenregister der beiden Ausgaben vereinigt. Auf weitergehende Eingriffe hat er respektvoll verzichtet. <\/p>\n<p> Willi Apels legend\u00e4res Opus magnum wird nun zweifellos auch j\u00fcngeren Generationen von Wissenschaftern, Instrumentalisten und Laien eine F\u00fclle wertvoller Informationen, Einsichten und Anregungen vermitteln. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Willi Apel: <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3761816685\/codexflores-21\">Geschichte der Orgel- und Klaviermusik bis 1700<\/a>. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Siegbert Rampe. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2004. XVI + 817 Seiten. \u20ac 39,95. Fr. 71.90.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.04.2004 &#8212; 1967 erschien es, seit 1981 war es vergriffen, das Standardwerk zur alten Tastenmusik. 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