{"id":55,"date":"2014-01-06T10:36:06","date_gmt":"2014-01-06T10:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/anfaenge-der-musiktherapie-in-deutschland\/"},"modified":"2014-01-06T10:36:06","modified_gmt":"2014-01-06T10:36:06","slug":"anfaenge-der-musiktherapie-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/anfaenge-der-musiktherapie-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Anf\u00e4nge der Musiktherapie in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>17.10.2005<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>An der Jahrestagung 2005 der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Musikforschung fand neben einem Symposium zu Karl Amadeus Hartmann und Kolloquien zu Fragen der Interpretation, Rezeption und der Archivierung von Musik auch ein Symposium zu historischen Aspekten der Musiktherapie statt \u2013 mit zahlreichen hochkar\u00e4tigen Vertreterinnen der Disziplin.<\/strong><\/p>\n<p> Gleich zum Auftakt der Veranstaltung warnte die Magdeburger Musikwissenschaftlerin Manuela Schwartz davor, die Geschichte der Musiktherapie zu weit zu fassen und vom harfenspielenden David \u00fcber die Affektenlehre Kirchners bis zu Rudolf Steiners Anthroposophie alles und jedes hineinzupacken. Dies f\u00fchre bloss dazu, dass schliesslich die ganze Musikgeschichte zu einer Geschichte der Musiktherapie umgeschrieben werde. F\u00fcr das Symposium setzte sie den Beginn der Geschichte der Disziplin deshalb dort an, wo im deutschsprachigen Gebiet und international eine deutliche Bewegung und breite Anerkennung von Musiktherapie einsetzte. Chronologisch gesehen betrifft dies die Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Beginn der siebziger Jahre.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><br \/> Webseite der Tagung:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.musikwissenschaft.lmu.de\/ForschungUndLehre\/Tagungen\/Hartmann\/\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musikwissenschaft.lmu.de<\/a><br \/> Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Musiktherapie:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.musiktherapie.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musiktherapie.de<\/a> <br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Als wichtiges Ereignis auf dem Weg zur modernen Musiktherapie kann laut Schwartz der Entscheid der amerikanischen Regierung gesehen werden, bei der Behandlung von kriegstraumatisierten Soldaten Musik einzusetzen. Der Erfolg der Methode f\u00fchrte 1950 zur Gr\u00fcndung der National Association for Music Therapy. Aber auch hierzulande regten sich kurze Zeit sp\u00e4ter die Geister: 1958 entstand die \u00d6sterreichische Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Musikheilkunde als gemeinschaftliches medizinisches und musikwissenschaftliches Projekt, und etwa um die gleiche Zeit begann Christoph Schwabe an der neurologisch-psychiatrischen Klinik in Leipzig die Arbeit an der Musiktherapie der DDR. <\/p>\n<p> Eher als Nachz\u00fcglerin erwies sich die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Musiktherapie, die erst im Jahr 1973 ins Leben gerufen worden ist.<\/p>\n<p> Eine wichtige Entwicklungslinie ist in diesen Jahrzehnten die Hinwendung zu improvisatorischen Konzepten, die Anfang der siebziger Jahre zu Begegnungen mit Vertretern der Neuen Musik \u2013 allen voran Mauricio Kagel \u2013 f\u00fchrten. Letztere hatten sich aus den Zw\u00e4ngen der strengen seriellen Schule befreit und bereiteten dank ihren Besch\u00e4ftigungen mit Improvisation, Kommunikation durch Musik und kompositorischen Freiheiten der Emanzipation von Musiktherapie zu Beginn der siebziger Jahre den Boden. Umgekehrt sollten, gab sich Schwartz in ihrem Referat \u00fcberzeugt, bei der Erforschung der graduellen Ver\u00e4nderungen der \u00e4sthetischen und sozialpsychologischen Grundlagen der Neuen Musik die Einfl\u00fcsse der musiktherapeutischen Aktivit\u00e4ten ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 250px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/051014schumacher.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Karin Schumacher (Berlin)<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Die Berliner Pionierin Karin Schumacher erinnerte an ihre Anf\u00e4nge als Musiktherapeutin am Psychiatrischen Krankenhaus Steinhof in Wien und an die dortige Arbeit mit englischen Handglocken und Gruppenimprovisationen \u2013 in einer Zeit, da der Glaube daran, dass psychisch Kranke rehabilitiert werden k\u00f6nnten, noch neu war. Es war eine Zeit, in welcher Musiktherapie ausschliesslich im klinischen Kontext stattfand.<\/p>\n<p> Da der Beruf der Musiktherapeutin nach wie vor keine staatliche Anerkennung hat, erl\u00e4uterte Schumacher, m\u00fcsse man sich bis heute fragen lassen, was man denn eigentlich gelernt habe, auch wenn sich die Gemeinschaft der Musiktherapeutinnen von Einzelk\u00e4mpferinnen zu einer Gemeinschaft gewandelt habe, die den Austausch nach den Regeln einer wissenschaftlichen Disziplin pflege. Was noch besser werden k\u00f6nne, sei eine interdisziplin\u00e4re Vernetzung. Dazu seien Kongresse vonn\u00f6ten, die von Krankheitsbildern ausgehen und aufgrund dieser nach den therapeutischen Methoden fragten und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p> Auch Schumacher warnte davor, den Begriff der Musiktherapie allzu weit zu fassen. Es sei etwa nicht einzusehen, weshalb man das gemeinsame Singen mit Behinderten als Musiktherapie bezeichnen solle. Daf\u00fcr existierten prim\u00e4re Indikationen, bei denen eine Musiktherapie angesagt sei und mit anderen Methoden nicht derselbe Erfolg erzielt werden k\u00f6nne. Auf diese Anwendungen habe sich die Musiktherapie zu konzentrieren.<\/p>\n<p> Als veritable Katastrophe sieht Schumacher die Vielfalt der Berufsverb\u00e4nde, die sich nur historisch erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Nach ihrer \u00dcberzeugung ist es dringend angesagt, diese zu einem einzigen Verband zu vereinen, um nach aussen geschlossen und dezidiert auftreten zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 250px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/051014juergens.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Petra J\u00fcrgens (Berlin)<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Die in der ehemaligen DDR als Therapeutin aktiv gewordene Petra J\u00fcrgens fragte sich in ihren Anmerkungen zur Geschichte des Faches im deutschen Osten wie und durch wen sich in der \u00abstaatlich verordneten geistigen und r\u00e4umlichen Enge der DDR\u00bb eine Musiktherapie herausbilden konnte, die in der Praxis erfolgreich war, internationale Anerkennung fand und bemerkenswerte wissenschaftliche Fundamente aufwies. <\/p>\n<p> Anhand der Jahre 1967 bis 1969 zeichnete sie beispielhaft eine Entwicklung, die ausgehend von einer zunehmenden wissenschaftlichen Besch\u00e4ftigung mit dem Thema und der Dissertation des Nestors Christoph Schwab zur Psychotherapie in der Gr\u00fcndung der Sektion Musiktherapie in der Gesellschaft f\u00fcr \u00e4rztliche Psychotherapie (G\u00e4PT) f\u00fchrte. Sie wies aber auch auf deutliche L\u00fccken in der Aufarbeitung entscheidender Ereignisse und Entwicklungen hin. So fehlen in der offiziellen DDR-Literatur etwa Hinweise darauf, dass ab 1968 eine Ausbildung in Musiktherapie im Seminar f\u00fcr kirchlichen Dienst vorbereitet wurde, die schliesslich \u00fcber 500 Musiktherapeuten in der DDR in die Berufspraxis entliess.<\/p>\n<p> Die erw\u00e4hnten Jahre waren aber auch die Zeit des Einmarsches der Truppen des Warschauer Paktes in Prag und der Moment einer einheitlichen Definition des Begriffs der Neurose in der DDR, die wiederum eine einheitliche Theorie und Forschung in der Psychotherapie initiierte. Solche Zusammenh\u00e4nge, gab sich J\u00fcrgens \u00fcberzeugt, liessen sich dekonstruieren und zu einem erhellenden Gesamtbild zusammenf\u00fcgen. <\/p>\n<p> Die grossen Etappen der Musiktherapie in der DDR skizzierte sie folgendermassen: Die f\u00fcnfziger Jahre k\u00f6nnen als eine Zeit der Vorl\u00e4ufer und Anf\u00e4nge mit ersten schriftlichen Arbeiten gesehen werden, in den sechziger Jahren wuchs und entfaltete sich das Fach und eine Berufsbildentwicklung setzte ein. In den siebziger Jahren wurden in einer Atmosph\u00e4re der F\u00fclle und Farbigkeit auch die internationalen Beziehungen erweitert und die achtziger brachten schliesslich eine Weiterentwicklung von Interdisziplinarit\u00e4t und Anwendungsgebieten \u2013 bis nach der Wende ein Aufgehen der nationalen Tradition in der gesamtdeutschen brachte, was vor allem den Abschied von der einheitlichen Konzeption und Neuanf\u00e4ngen im Pluralismus der Methoden bedeutete.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 250px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/051014fitzthum.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Elena Fitzthum (Wien)<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Die Anf\u00e4nge der Musiktherapie in Wien umriss die in der Donaustadt t\u00e4tige Elena Fitzthum. Daselbst waren es in erster Linie Frauen aus einem im humboldtschen Sinne humanistisch gebildeten Grossb\u00fcrgertum, welche das Schicksal der Musiktherapie pr\u00e4gten. Eine Rolle spielte dabei, dass die T\u00f6chter des j\u00fcdisch gepr\u00e4gten Milieus \u00fcber eine solide musikalische Vorbildung und weitere Ausbildung verf\u00fcgten. Da aber nicht gern gesehen wurde, dass diese gut gebildeten Frauen einem Brotwerwerb nachgingen, fl\u00fcchteten diese sich in karitative T\u00e4tigkeiten. <\/p>\n<p> Gepr\u00e4gt waren die Bewegungen auch von der Lebensphilosophie Wilhelm Diltheys und deren irrationalistisch-mystischen Grundlagen. Weitere Einfl\u00fcsse auf die Anf\u00e4nge der Musiktherapie in Wien stammten von Elsa Gindler und ihrem Sch\u00fcler Heinrich Jacoby sowie Dorothea G\u00fcnther und Carl Orff mit ihrer rhythmischen und k\u00f6rperorientierten Arbeit in Deutschland. Den Boden f\u00fcr die heilp\u00e4dagogische Arbeit legte Mimi Scheiblauer als Sch\u00fclerin von Jaques-Dalcroze. Auch Rudolf Steiner, der Begr\u00fcnder der Anthroposophie hatte erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Wiener Musiktherapie. So waren die Pioniere Editha Koffer-Ulrich, Alfred Schm\u00f6lz und weitere Anthroposophen.<\/p>\n<p> Jacoby vertrat die Meinung, das scheinbar nicht vorhandene Musikalit\u00e4t auf psychische Blockaden zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Seine Reformp\u00e4dagogik begann die Grenzen zwischen Kunst und P\u00e4dagogik zu verwischen. Diesen Weg beging laut Fitzthum auch Oscar Rainer, der mit seinen Arbeiten zur Syn\u00e4sthesie \u2013 er nannte sie \u00abmusikalische Graphik\u00bb \u2013 die Grundlagen f\u00fcr die harmonikale Symbolik Rudolf Haases und Ernst S\u00fcndermanns legte. Hans Kayser wiederum schlug mit seinen harmonikalen Forschungen den Bogen zum griechischen Altertum.<\/p>\n<p> Im Laufe ihrer Nachforschungen kam Fitzthum zur \u00dcberzeugung, dass bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ideell alles da gewesen war, an das die Wiener Pioniere ab 1958 ankn\u00fcpfen konnten. Allerdings wurden diese Fundamente von den Nationalsozialisten vorerst vernichtet. <\/p>\n<p> Die hier und da ge\u00e4usserte Annahme, dass die Musiktherapie in \u00d6sterreich aus den USA importiert worden ist, l\u00e4sst sich laut Fitzthum dar\u00fcber hinaus in keiner Art belegen. In den Interviews, die sie mit Pionierinnen gef\u00fchrt hat, betonten diese ausnahmslos, dass die Vorstellung Unsinn sei. Vielmehr h\u00e4tten von den europ\u00e4ischen Besucherinnen in den amerikanischen Kliniken europ\u00e4ische Standards eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen, um das dortige Niveau zu heben. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 250px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/051014patey.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Helen Patey (London)<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> \u00dcber die pr\u00e4genden Kr\u00e4fte f\u00fcr das Fach in Grossbritannien gab die in London t\u00e4tige Helen Patey Auskunft. Initianten der entsprechenden Bewegungen waren auf der Insel die Musiker, die vor allem den k\u00fcnstlerischen Aspekt der Therapie betonten. So war der Pionier Paul Nordoff ein an der New Yorker Juillliard School ausgebilderter Musiker und Komponist, der sich intensiv mit der Tiefenpsychologie auseinandersetzte. Zusammen mit dem britischen Heilp\u00e4dagogen Clive Robbins entwickelte er seine Konzepte unter anderem, um mit autistischen Kindern Kontakte kn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen. Die Arbeit der beiden begleitete auch der Komponist Benjamin Britten aktiv und wohlwollend.<\/p>\n<p> Weitere herausragende Pers\u00f6nlichkeiten der britischen Musiktherapie sind Juliette Alvin und Mary Priestley. Letztere, die Tochter des Theaterschriftstellers J.B. Priestley, entwickelte als Sch\u00fclerin von Alvin ausgehend von Einfl\u00fcssen der Freudschen Psychoanalyse eine analytische Musiktherapie, die \u2013 wie Patey meint \u2013 in Deutschland, Skandinavien und Kanada vermutlich mehr Einfluss hatte als in Grossbritannien selber.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 250px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/051014voigt.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Melanie Voigt (M\u00fcnchen)<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Der Weg der Gertrud Orff und die Entwicklung der Orf-Musiktherapie waren Gegstand der Er\u00f6rterungen Melanie Voigts aus M\u00fcnchen. Sie erkl\u00e4rte, dass \u00fcber den fr\u00fchen pers\u00f6nlichen Werdegang von Gertrud Orff nur sehr wenig bekannt ist. Nach dem Abitur besuchte diese eine kaufm\u00e4nnische Privatschule und widmete sich der Musik, statt dem Wunsch ihres Vaters nachzukommen und Medizin zu studieren. 1939 heiratete sie Carl Orff und ordnete ihr Leben ganz der kreativen Kraft des P\u00e4dagogen und Komponisten unter.<\/p>\n<p> Das Ehepaar war an der von Dorothea G\u00fcnther gegr\u00fcndeten G\u00fcnther-Schule t\u00e4tig. 1930 entstand hier die erste Ausgabe des sp\u00e4teren Orffschen Schulwerkes. Das Werk wie wir es heute kennen entstand unter aktiver Mitwirkung Gertrud Orffs zwischen den Jahren 1949 bis 1953. Mit der Scheidung von Carl Orff 1953 endete der unmittelbare Kontakt jedoch. Gertrud Orff stellte allerdings sp\u00e4ter unter dem Namen Gertrud Willert Orff zus\u00e4tzliche B\u00e4nde zum Werk zusammen.<\/p>\n<p> In den sechziger Jahren begleitet sie ein Projekt, welches das Orff Schulwerk in kalifornischen Schulen einf\u00fchrte. 1970 begann sie damit, aus dem Orff-Schulwerk eine Orff-Musiktherapie f\u00fcr Entwicklungsst\u00f6rungen und Behinderungen abzuleiten. Ein wichtiges Anliegen war dabei, Kinder \u2013 auch solche mit einer schweren Behinderung \u2013 zu aktiver Teilnahme zu motivieren und das Musizieren in einen gr\u00f6sseren Zusammenhang des kindlichen Spiels einzubetten. Die Instrumente konnten dabei durchaus auch als musikfremdes Spielzeug Verwendung finden.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 250px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/051014stein.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Ingeborg Stein (Weimar)<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Die Musikwissenschaftlerin Ingeborg Stein begann ihre Auseinandersetzung mit der Musiktherapie in der DDR auf Anregung des Pioniers Christoph Schwabe, der sie zur praktischen Auseinandersetzung mit dem Fach animierte. An den Universit\u00e4tskliniken in Jena, an denen sie die Therapieform einf\u00fchrte, fand sie zwar Aufgeschlossenheit, jedoch keine Anstellung. Als akademische Forscherin hatte sie unter anderem aber immerhin die Gelegenheit, eine Diplomarbeit \u2013 die erste ihrer Art \u2013 zum Einsatz von Musik zur Entspannung bei kosmetischen Behandlungen zu betreuen. <\/p>\n<p> Die praktische klinische Arbeit stiess hingegen an Grenzen, weil kein Einblick in Krankenbl\u00e4tter und damit keine vertiefte Auseinandersetzung mit Krankheitsbildern m\u00f6glich war und der Therapieform von den \u00c4rzten zudem mit einer oberfl\u00e4chlichen Vorstellung des \u00abMusik ist immer gut\u00bb begegnet wurde. Auch diese musiktherapeutische Arbeit in Jena zwischen 1970 und 1974 hat in der bisherigen historischen Literatur keinen Niederschlag gefunden. Anders stellte sich die Situation in Leipzig dar, wo die Musiktherapie Bestandteil einer komplexen Psychotherapie war.<\/p>\n<p> Nach 1974 entwickelte Ingeborg Stein aufgrund ihres musiktherapeutischen und musikwissenschaftlichen Hintergrunds Methoden der Kreativit\u00e4tsf\u00f6rderung und des regulativen Musiktrainings und f\u00fchrte breit angelegte empirische Pionierforschungen zu den Prozessen des Musik-Erlebens durch. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 250px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/051014willms.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Harm Willms (Schleswig)<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Der Psychosomatiker Harm Willms suchte den Zugang zum Thema bewusst \u00fcber die medizinischen Aspekte und \u00e4usserte sich zun\u00e4chst einmal zur laufenden Diskussion \u00fcber die M\u00f6glichkeit von Wirkungsnachweisen f\u00fcr die Musiktherapie. Er wies auf einen 2004 in der \u00abMusiktherapeutischen Umschau\u00bb erschienenen Artikel hin, in welchem derartigen Forderungen kritisch begegnet wird. Da werde, erkl\u00e4rte Willms, vor einer \u00abMedikalisierung k\u00fcnstlerischer Therapie\u00bb gewarnt, und zwar mit dem Hinweis dass sich Psychosomatik und Psychotherapie auch von den wissenschaftlichen Anforderungen der Medizin abgrenzen w\u00fcrden. Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcsse aber, meinte der Referent, gerade auch die psychosomatische Medizin, deren Vertreter er sei, die Wirksamkeit ihrer Methoden nachweisen und Indikationen definieren.<\/p>\n<p> Heute scheint laut Willms wieder eine Unsicherheit bez\u00fcglich der Identit\u00e4t der Musiktherapie zu beobachten zu sein. An eine \u00e4hnliche Situation erinnerte er sich aus den sechziger Jahren, vor denen Musik im medizinischen und medizinisch psychotherapeutischen Kontext unspezifisch als Mittel der passiven Entspannung eingesetzt wurde. <\/p>\n<p> Die sp\u00e4ten sechziger Jahre bedeuteten aber f\u00fcr vieles im sozialen Bereich einen Umbruch. Man versuchte im psychiatrischen Bereich von den g\u00e4ngigen medikament\u00f6sen Methoden und der passiven Ruhigstellung der Patienten wegzukommen. Auch die Arbeitstherapie stand zur Diskussion. Wenn schon Arbeit, dann sollte nicht der \u00f6konomische Nutzen im Vordergrund stehen. <\/p>\n<p> In diesem Klima entstand eine neue Art von Musiktherapie als aktive Improvisation auf einfachen Instrumenten und vorzugsweise in der Gruppe. So hatte etwa Lilli Friedemann eine improvisatorische Gruppenarbeit entwickelt, die sie als k\u00fcnstlerische Therapie verstand und sogar auch als moderne, zeitgem\u00e4sse Form der Musikaus\u00fcbung verteidigte. Die Improvisationsmodelle bewegten sich in einem weiten Spektrum von freien bis sehr strukturierten Vorgaben. <\/p>\n<p> In diese Zeit fallen auch Begegnungen mit Mauricio Kagel, von denen Willms heute glaubt, dass sie zu fr\u00fch gekommen seien. Die Musiktherapie sei damals auf keiner Ebene so weit gewesen, dass die Begegnung mit der Neuen Musik h\u00e4tte fruchtbar sein k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Willms war es in dieser Zeit wichtig, die Besch\u00e4ftigung mit der Musiktherapie medizinisch-wissenschaftlich begr\u00fcndbar zu machen. Als Mediziner m\u00fcsse man, erkl\u00e4rte er, \u00fcberdies nicht vom der Methode ausgehen, sondern zun\u00e4chst fragen, woran ein Patient leidet, was er braucht und wie man ihm helfen kann. Um die Entwicklungen in geordnete Bahnen zu lenken, gr\u00fcndete Willms in Berlin zun\u00e4chst einen informellen und kleinen \u00abBerliner Arbeitskreis f\u00fcr Musiktherapie\u00bb und organisierte 1971 den ersten Kongress f\u00fcr Musiktherapie in Berlin, eine Entwicklung, die 1973 in der Gr\u00fcndung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Musiktherapie m\u00fcndete. <\/p>\n<p> Wenn die Musiktherapie ihre Heimat heute in der Medizin sehe, gab sich Willms \u00fcberzeugt, dann m\u00fcsse sie akzeptieren, dass eine neue Therapie sich immer in der Klinik entwickelt, in der mehrere Methoden m\u00f6glich seien und man nicht bloss auf die eine Methode angewiesen sei \u2013 eben getreu der Devise, dass der Patient und sein Leiden und nicht die Therapieform der Ausgangspunkt f\u00fcr die Frage nach der Heilung ist.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.10.2005 An der Jahrestagung 2005 der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Musikforschung fand neben einem Symposium zu Karl Amadeus Hartmann und Kolloquien&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-55","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musiktherapie","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}