{"id":565,"date":"2014-01-11T15:01:34","date_gmt":"2014-01-11T15:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-musik-im-mittelalter\/"},"modified":"2014-01-11T15:01:34","modified_gmt":"2014-01-11T15:01:34","slug":"die-musik-im-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-musik-im-mittelalter\/","title":{"rendered":"Die Musik im Mittelalter"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/mittelalter211104.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>23.12.2004 &#8212; War in der r\u00f6misch-katholischen Kirche bis Mitte der Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts weltweit der Gesang des Gregorianischen Chorals im Rahmen liturgischer Handlungen lebendig und wirksam geblieben, so \u00e4nderte sich dies nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962\u20131965). Obwohl die Kirchenoberen dem Gregorianischen Choral weiterhin den ersten Platz zugestanden, erlaubten sie \u00abandere Arten der Kirchenmusik\u00bb f\u00fcr die nun volksnah in der Landessprache zelebrierte Liturgie. Wie das Kirchenlatein zog sich auch der Gregorianische Gesang in Nischen zur\u00fcck. <\/p>\n<p> Mit ungeahnter Breitenwirkung aber kam er vor einem Jahrzehnt aus der Verdr\u00e4ngung zur\u00fcck: als \u00abCanto Gregoriano\u00bb im CD-Doppelalbum (EMI, 1994), das auf schon historisch zu bezeichnenden Langspielplatten von 1973 basierte. Die Schola Cantorum der Benediktinerm\u00f6nche des Klosters Santo Domingo de Silos aus Spaniens Norden stiess eine Popularisierungswelle sondergleichen an \u2013 Gregorianischer Gesang als \u00abclassical crossover\u00bb verkaufte sich dies- und jenseits des Ozeans millionenfach. Und ebnete einer aktuellen theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit der einstimmigen vokalen Sakralmusik der mittelalterlichen Kirche den Weg. <\/p>\n<p> Doch wann entstand der Gregorianische Choral, aus welchen Quellen sch\u00f6pfte er, weshalb wurde er schriftlich fixiert, wie entwickelte er sich, und welche Einfl\u00fcsse hatte er auf die Entfaltung der Musik? <\/p>\n<p> Die Gregorianik ist einer der Aspekte, denen Bernhard Morbach, Redakteur und Moderator f\u00fcr Alte Musik am Rundfunk Berlin Brandenburg (bis 2003 Sender Freies Berlin), Schritt um Schritt nachgeht. Die Entwicklung durchs Mittelalter verfolgt er weiter, \u00fcber Hildegard von Bingen und die Troubadours, Trouv\u00e8res und Minnes\u00e4nger, die Musik an Notre Dame in Paris und die Ars antiqua zur Ars nova, zu Guillaume de Machaut, zur Ars subtilior. In seine Musikgeschichte des Mittelalters \u2013 umfassend den Zeitraum von etwa 900 bis etwa 1400 \u2013 bezieht der Autor zudem die Situation in Italien, in England und auf der Iberischen Halbinsel ein. <\/p>\n<p> Es geht Morbach (der sich mit seinem Buch an Freunde Alter Musik, Sch\u00fcler, Studenten und Lehrer wendet) prim\u00e4r darum, die Musik jener fernen, f\u00fcr viele fremden Epoche nicht den vom Fortschrittsdenken diktierten Wertmassst\u00e4ben auszuliefern: \u00abSo d\u00fcrfen die Kompositionen aus der Fr\u00fchzeit einer musikalischen Gattung oder eines Genres auf keinen Fall mehr nur als Grundlage oder Vorarbeit f\u00fcr Sp\u00e4teres und in der Regel Komplexeres gewertet werden.\u00bb Eine Binsenweisheit, sollte man meinen. <\/p>\n<p> In sieben (zum Teil kontroversen) Thesen befassen sich Musiker und Wissenschaftler mit dem Wesen der Musik des Mittelalters, ihrer Interpretation und ihrem Stellenwert im heutigen Musikleben. Nach den Zeitgenossen kommen Gelehrte der Antike und Musikphilosophen des Mittelalters zu Wort mit \u00c4usserungen zur musikalischen Ordnung der Welt, zur Dreiteilung in Musica mundana, humana und instrumentalis und zu den Sieben freien K\u00fcnsten. Schade, dass diese n\u00fctzliche Materialiensammlung, in der wohl f\u00fcr die Mehrzahl der Leser manches der Kl\u00e4rung und Vertiefung bed\u00fcrfte, nicht in einer kritischen Auseinandersetzung und differenzierten Wertung aus aktuellem Wissensstand beleuchtet wird. <\/p>\n<p> Morbach versteht es, Schritt f\u00fcr Schritt durch die Kultur des Mittelalters, ins Musikleben der Kl\u00f6ster und Kathedralen, der Burgen und Schl\u00f6sser, der St\u00e4dte und D\u00f6rfer, Gasth\u00e4user und Gassen zu f\u00fchren; er stellt Pers\u00f6nlichkeiten, Schulen, Gattungen, Formen, Kompositionen und Instrumente vor, anschaulich erz\u00e4hlend, \u00fcbersichtlich gliedernd und viele (Schwarz-weiss-)Illustrationen, Quellenzitate, Notenbeispiele und zur Vertonung verwendete Texte heranziehend. Im Anhang bespricht er vierzig wichtige Einspielungen von Gregorianischen Ges\u00e4ngen bis zu Vokalmusik aus dem Sp\u00e4tmittelalter. <\/p>\n<p> Integraler und hilfreicher Bestandteil des Bandes ist die beiligende CD, die Audio- und pdf-Textdateien (f\u00fcr Win und Mac) enth\u00e4lt. Es lassen sich 51 mit mittelalterlichen Instrumenten gesampelte (und im Buch besprochene) vollst\u00e4ndige Kompositionen abspielen (die k\u00fcrzeste dauert 21 Sekunden, die l\u00e4ngste gut 5\u00bd Minuten); deren Notens\u00e4tze k\u00f6nnen gleichzeitig betrachtet bzw. auch ausgedruckt werden. Ebenfalls zu finden sind das Quellenverzeichnis und ein Glossar \u2013 praktischer w\u00e4re es, die Erl\u00e4uterung der Fachtermini im Anhang des Bandes zu finden. <\/p>\n<p> Das vorliegende Buch er\u00f6ffnet eine geplante dreiteilige \u00abMusikwelt\u00bb-Reihe von Bernhard Morbach. Der zweite Band befasst sich mit der Renaissance, der dritte mit dem Barock. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Bernhard Morbach: Die Musikwelt des Mittelalters. Neu erlebt in Texten, Kl\u00e4ngen und Bildern. Mit \u00fcber 50 Werken auf Audio+Daten-CD. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2004. 225 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. \u20ac 24,95. Fr. 44.90.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.12.2004 &#8212; War in der r\u00f6misch-katholischen Kirche bis Mitte der Sechzigerjahre des 20. 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